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Lifestyle | 10.11.2019

Die Waffen einer Frau

Der Unterschied zwischen Burlesque und Striptease liegt in der Attitüde. Denn die Künstlerinnen stehen nicht auf der Bühne, um das Publikum anzuturnen, sondern um ihre Weiblichkeit zu zelebrieren. Bühne frei!

Kalinka Kalaschnikow. Klingt gefährlich – und ja, manche meinen, für ihren wunderschönen Körper brauche die Burlesque-Performerin tatsächlich einen Waffenschein. Die gebürtige Niederösterreicherin, die bereits seit zwölf Jahren auf der Bühne steht, spielt mit dem Publikum, wenn sie sich auf kunstvolle Art und Weise auszieht – wenngleich sie sich nicht komplett nackig macht. Pikante Stellen bleiben verdeckt und werden mit schillernden Nippel-Pasties und glitzernden Höschen dekoriert. Dabei ist jeder Burlesque-Act ein in sich stimmiges Theaterstück, in dem die Künstlerin jeden Aspekt der Performance selbst kreiert, von ihrem Kostüm über die Choreografie bis hin zur Musikwahl. Einmal mimt sie die Diva mit Federn und Diamanten, ein anderes Mal einen traurigen Clown und dann kommt sie auf einem Pferd auf die Bühne. Erotik habe eben viele Gesichter. Das sei laut Kalinka auch der Grund, warum Burlesque weniger Tanz und mehr Kunstform ist. „Ich liebe Burlesque, weil ich mich in dieser Kunst völlig frei entfalten kann und es ein wunderbarer kreativer Pool ist.“ Das fängt beim Nähen der Kostüme an und endet beim Einstudieren neuer Choreografien, bevor es auf die Bühne geht. Höhepunkt jeder einzelnen Show: das Ablegen des BHs und der oft danach folgende „Shimmy“, bei dem die Quasten der Nippel-Tassels gekreist werden.

 

Und die Erotik mit Stil kommt gut an. Kalinka Kalaschnikow ist immerhin nicht nur in Wien und Graz zu bestaunen, sondern mittlerweile in ganz Europa, in den USA und auch in China unterwegs. „Und seit fünf Jahren führe ich die Burlesque Academy Vienna und gebe Burlesque- und Styling-Workshops.“ Dabei gehe es laut der Künstlerin um das weibliche Körpergefühl: „Viele Frauen, die meine Workshops besuchen, haben zu Beginn kein gutes Körpergefühl. Es ist aber unglaublich, wie sich ihr Selbstbild nach wenigen Wochen verändert und sie sich am Ende des Workshops schön und sexy fühlen.“ Das sei ein weiterer schöner Aspekt von Burlesque – dabei geht es nicht darum, dem perfekten Schönheitsideal zu entsprechen. Ob groß oder klein, dünn oder kurvig, es geht darum, sich in seinem eigenen Körper wohlzufühlen.

 

Showgirl aus Liebe. Getanzt hat Kalinka Kalaschnikow schon als Kind gerne. Damals noch Ballett, zu einer fundierten Tanzausbildung ist es aber nicht gekommen. Erst vor zwölf Jahren hat sie den Weg auf die Bühne wieder für sich entdeckt – als sie spontan gebeten wurde, bei einer Modenschau einen Burlesque-Act zu machen. „Bevor ich wusste, wie mir geschieht, sprang ich aus einer Showgirl-Torte“, erinnert sich die Künstlerin an erste Burlesque-Anfänge. Heute tanzt sie jeden Tag und ist nicht nur eine gut gebuchte Künstlerin, sondern auch Veranstalterin des „Cirque Rouge“, einer Event-Reihe mit Burlesque-Show und Dresscode für Gäste in Wien, die sie vor vier Jahren übernommen hat und seither erfolgreich weiterführt. Bücher, Mode, Theater und Filme helfen ihr stets dabei, immer wieder neue Ideen für verführerische Shows zu entwickeln. „Ich liebe es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und diese auf der Bühne darzustellen.“ Wie das genau aussehen kann, können die Grazer 2020 selbst erleben. Dann möchte Kalinka Kalaschnikow nämlich ein eigenes Event mit Burlesque und Live-Musik in die Murmetropole bringen.
Wie sinnliches Ausziehen für zu Hause gelingt? „Viele Frauen vergessen, im Alltag ihre Reize einzusetzen. Dabei kann man bei einfachen Dingen, die man tut, schon sexy aussehen. Ich nenne es Pin-up-Challenge: Versuche bei allem, was du tust, wie ein Pin-up-Girl auszusehen“, rät Kalinka. „Beim Partner kann man versuchen, die eigenen Reize und auch Berührungen bewusst einzusetzen und mehr zu flirten – auch, wenn man ihn schon an der Angel hat.“ Plus: „Beim stilvollen Nackigmachen geht es nicht um das, was man auszieht, sondern immer um das, was verdeckt bleibt.“