Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 28.05.2019

Next stop: Stadtoase

Gemütlich garteln, nachhaltig genießen, natürlich wohnen. Und das mitten in der City. So sieht der Gartentrend „urban gardening“ aus! Ein Besuch im Gemeinschaftsgarten der Grazerin Andrea Breithuber.

Bild 1905_ST_FR_URBANGARDEN-10.jpg
© Thomas Luef

Städtisches Treiben an diesem Frühlingstag: Die Bushaltestellen, die vor mausgrauen Wohnanlagen platziert wurden, sind voll mit sonnenhungrigen Menschen. Oder mit solchen, die auf dem Weg zu Arbeit sind. Üblicher Stop-and-go-Verkehr auf den Straßen und die Hektik der immerwährenden Rushhour treibt den Puls weiter hoch. Da holt einen selbst der sonnige Vormittag nicht runter. Und dann das: Einmal rechts abbiegen und ich bin im Grünen. In der Hofeinfahrt des Einfamilienhauses von Andrea Breithuber, Gemeinschaftsgartlerin, Nachhaltig-in-Graz-Mitarbeiterin und Freigeist, um genau zu sein.

 

Bild 1905_ST_FR_UrbanGarden.jpg
Andrea Breithuber in ihrem Mohoga-­Garten in Graz. © Thomas Luef

Das Ursprüngliche liegt ihr sozusagen im Blut, die Natur am Herzen. Das habe sie von ihrer Familie mitbekommen, wie sie gleich erzählt, und eröffnet mit der kleinen Gartentüre, direkt neben dem Haus, eine Grünoase mitten in der Stadt. Eine Idylle, dicht bewachsen mit gelben Magnolien, Kirschbäumen, einem Weingartenpfirsich-Baum, Bambus, geteilt durch mit Gras gesäumte Beete, die sich als kleine Rechtecke durch den weitläufigen Garten reihen. Völlig entschleunigt, ländlich und doch urban geblieben. Auf Letzteres weisen immer noch die Hochhäuser hin, die diese permakulturartige Gartenidylle majestätisch rahmen. In einem davon sollen anno dazumal die Bandmitglieder der EAV ihre WG gehabt haben, wie ich später noch erfahre. „Früher waren statt der Hochhäuser nur Äcker, auf denen Kartoffeln angebaut wurden“, so Breithuber. Das wisse sie ganz genau, denn ihr Haus samt -Garten ist seit 1900 im Besitz der Familie. „Als damals die Moserhofgasse in Graz gebaut wurde, hat mein Uropa das Haus samt Grund gekauft. Seither ist es in Familienbesitz.“ Und was den Garten angeht, der sei für sie schon immer ein Gemeinschaftsgarten gewesen. Immerhin gartelte die ganze Familie hier zusammen und Nachbarn kamen zum regen Pflanzentausch vorbei. Dieses Miteinander im Grünen möchte sie erneut aufleben lassen und bietet seit jeher ihren „Mohoga-Garten“ als Gemeinschaftsgarten für mittlerweile zwölf Mitglieder an. „Gemeinsam planen wir alljährlich das Konzept des Gartens, tauschen unsere Saatwünsche aus und setzen die Bepflanzung miteinander um“, erklärt Andrea Breithuber, die ihre Gartentür stets für jedermann offen hält.

 

Mein Garten war immer
ein Gemeinschaftsgarten –
damals noch für
die Familie.

– Andrea Breithuber

Gegartelt werde hier das ganze Jahr über, selbst im Winter, wenn es „nur“ Hagebutte oder Kohlarten zu ernten gibt. Das Draußensein, Im--Garten-Leben, sei generell ihre Leidenschaft. In der Gartensaison kehrt sie erst abends ein, um das Geerntete zu verarbeiten. Ihre Rezepte dazu teilt sie anschließend auf ihrem Blog (werkstatt.mohoga.com), wo sie ihr Gartentagebuch öffentlich führt, um User daran teilhaben zu lassen, wenn etwa ihre exotische Indianer-Banane die erste Blüte in zwei Jahren trägt oder wie sie sich gekonnt selbst versorgt und nachhaltig lebt. „Ich möchte Menschen inspirieren und ein gesellschaftliches Miteinander fördern.“ Das Zusammenkommen gehört nämlich auch dazu. Dabei entstehen Freundschaften und reger Austausch (wie etwa bei ihrem „Kleidertauschmarkt Frühlingsedition“ oder beim Gartenfest im Mai).

 

Bild 1905_ST_FR_URBANGARDEN-6.jpg
© Thomas Luef

Dann, als wir am sogenannten Kraterbeet ankommen, in dem empfindliche Pflanzen windgeschützt in die Mitte gesetzt werden, weist sie auf all die Gärtnerexperimente hin: „Wir probieren gerne neue Methoden von Bepflanzungen aus wie etwa mit dem Kraterbett oder mit Safran.“ Experimentierfreudigkeit beweist schon der schmale Bambuswald, durch den der Rundgang letztendlich führt. Zehn Zentimeter dicke, hochgewachsene Bambusstämme, die eine kleine Wald-Formation am Gartenrand ergeben und die Vielfältigkeit ihres Gartens optisch unterstreichen. Dahinter: das Lusthaus. Eine kleine Holzhütte aus der Zeit ihrer Urgroßeltern. „Auf den Namen lässt ein Familiengeheimnis schließen, auf das ich selbst noch nicht gekommen bin“, erzählt die Hobbygärtnerin, während sie einen Korb voller Blumenzwiebeln hervorkramt. Die kommen nämlich als Nächstes zum Einsetzen dran.

Urban Gardening in Graz. Mittlerweile gibt es mehr als 200 Hobby-Biobauern in der Murmetropole, die sich eine Parzelle in einem der vielen Gemeinschaftsgärten zugelegt haben und ihr eigenes Gemüse ansetzen und ernten. Für die Entschleunigung und für die Selbstversorgung. In den Morgentaugärten etwa, dem neuesten Urban-Farming-Projekt in Straßgang und Andritz, sind noch freie Parzellen verfügbar. Mehr noch: 15 Gartenparzellen werden sogar karitativ vergeben. Die Patenschaft für diese Gärten übernimmt 3-Hauben-Koch Alexander Posch, der im Spätsommer ein Charitydinner inmitten der Morgentaugärten ausrichten wird.
Wer einfach „nur“ pflücken möchte, der kann das sogar an vorgesehenen Plätzen in Graz tun. „Eine Karte dazu gibt es auf mundraub.org“, so der Tipp der Gemeinschaftsgärtnerin.

Bild 1905_ST_FR_URBANGARDEN-8.jpg
© Thomas Luef
Bild 1905_ST_FR_URBANGARDEN-3.jpg
© Thomas Luef
Bild 1905_ST_FR_URBANGARDEN-9.jpg
© Thomas Luef