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Lifestyle | 04.02.2019

Momente, die uns den Atem rauben

Der Tag, an dem man „Ja“ zueinander sagt: Wedding Plannerin Verena Kindermann und die freie Zeremonienbegleiterin Gabriele Koch haben viele Ideen für ein unvergessliches Hochzeitsfest.

Mut zu einem individuellen Stil. Das ist es, was Wedding Plannerin Verena Kindermann Brautpaaren mit auf den Weg geben will. Und heitere Gelassenheit am Tag der Tage, dem so viele Stunden an Vorbereitung vorausgehen. „Unvorhersehbares ist oft unvermeidbar, selbst bei professioneller Planung. Ein plötzlicher Regenschauer während der Trauung im Freien, ein Hund, der den obersten Stock der Torte stibitzt, ein FKK-Badegast, der sich kurz vor Trauungsbeginn auf das exklusiv gebuchte Seegrundstück verirrt – das alles sind Auszüge meiner Wedding-Planner--Realität, mir wird nie langweilig“, lacht die Hochzeitsexpertin.

Gerade deshalb rät sie aber auch, professionelle Dienstleister zu buchen, auf die man sich zu 100 Prozent verlassen kann: „Sie bringen die notwendige Erfahrung mit und finden aktiv Lösungen für scheinbar unlösbare Situationen. Es ist besser, sich ein paar Sorgenfalten auf der Stirn zu ersparen, als ein paar Euro mehr in der Tasche zu haben, aber nicht die gewünscht Qualität zu bekommen.“ Wer auf eigene Faust plant, sollte nach Referenzen fragen, Freunde um Tipps bitten und sich von Dienstleistern seines Vertrauens Empfehlungen geben lassen.

Trauungen werden in diesem Jahr durchaus bunt. Das liegt nicht nur an der Pantone-Trendfarbe „Living Coral“. „Allgemein wird wieder mehr zu kräftigeren Farben gegriffen, da sind freilich auch korallenfarbene Töne mit dabei“, sagt Kindermann, die darauf verweist, dass Vielfalt stark wie nie ist: „Männliche Brautjungfern und weibliche Groomsmen – wer dem Brautpaar nahesteht, darf in dieser wichtigen Rolle nicht fehlen, ganz gleich, ob Mann oder Frau. Wann sollte das Geschlechter-Thema in der Hochzeitsbranche präsenter sein als im Jahr 2019, in dem die ersten gleichgeschlechtlichen Trauungen möglich sind?“

 

Grün ist Trend. Ein zunehmend stärkeres Thema sind „Green Weddings“. Kindermann: „Viele Trendlabels und Hochzeitsdienstleister setzen auf Regionalität und fair gehandelte Produkte.“ Auch Top-Brautkleidlabels schneidern bereits Kreationen aus organischen Materialien, die ohne chemische Färbungsprozesse oder Pestizide verarbeitet werden, und achten in der Produktion auf faire Entlohnung. Abgesehen von Menü und Getränken in Bio-Qualität haben sich auch Tortenmacher auf die Verarbeitung nachhaltiger Produkte spezialisiert. Ein grünes Statement kann bereits bei den Einladungskarten beginnen. „Das können tolle Drucke auf umweltschonendem, handgeschöpftem Papier sein, die vielleicht sogar durch ein Säckchen mit Blumensamen vom Bio-Händler ergänzt werden. Auch von Hand illustrierte Einladungen finden großen Anklang aufgrund des individuellen Designs“, rät die Expertin dazu, Gäste mit einzigartigen Ideen zu überraschen.

Eine gute Idee am großen Tag ist ein Welcome Desk: „Gäste freuen sich immer, wenn sie mit einem Lächeln begrüßt werden und neben einem Welcome-Drink die wichtigsten Infos über Geschenketisch, Garderobe und Co. erhalten“, so Kindermann. 

 

Zeremonie mit persönlicher Note.  Immer beliebter werden freie Trauungen. Sie werden oft ergänzend zur standesamtlichen Trauung oder anstelle der kirchlichen Zeremonie gefeiert und sind an jedem beliebigen Ort möglich, aber weder zivil- noch kirchenrechtlich gültig. Für Gabriele Koch war ihre eigene Liebeshochzeit vor knapp 30 Jahren die Initialzündung, um später das Konzept „Herzensworte“ zu entwickeln: „Die standesamtliche Trauung hat nur wenige Minuten gedauert, war emotionslos, es gab bloß Plastikblumen. Je mehr sich unsere Beziehung entwickelt hat, umso mehr hat mir an diesem Beginn etwas gefehlt.“ Bei der Gründung vor neun Jahren waren freie Trauungen in Österreich kaum ein Thema, heute begleitet sie pro Jahr rund 35 Paare als freie Zeremonienbegleiterin. Schon im Vorfeld gilt es viele Details für einen  stimmungsvollen und reibungslosen Ablauf zu klären: Beginnt etwa die Musik zu spielen, wenn die Braut ins Blickfeld kommt, oder geht die Braut los, wenn sie hört, dass die Musik zu spielen beginnt? Koch plädiert auch dafür, nicht nur an klassische Traditionen zu denken. Der Bräutigam kann mit der Mutter, die Braut mit den Eltern oder Geschwistern, das Paar mit den Kindern einziehen. „Einmal ist auf einer meiner Hochzeiten die Braut mit allen Kindern gekommen, die zu Gast bei dem Fest waren, das war ein wunderschönes Bild“, erzählt Koch.

 

Rituale mit Besonderheiten. In die Zeremonie können besondere Programmpunkte integriert werden, etwa ein Lichtritual, bei dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zum Thema gemacht und dafür jeweils Kerzen entzündet werden. „So kann man auch Menschen, die vorausgegangen sind, miteinbeziehen, und das Licht ganz besonders für bestimmte Personen brennen lassen. Ich empfehle, diesem Thema Raum und Platz zu geben“, sagt Gabriele Koch. Teil der Zeremonie können gerade bei multikulturellen Paaren auch Symbole aus anderen Kulturen, Wurzeln, Steine oder Erde aus der Heimat sein. Können dem Paar wichtige Menschen aufgrund der geografischen Entfernung oder dem Aufenthalt in einem Heim nicht bei der Feier anwesend sein, so kann man auch diese symbolisch einbeziehen. Kinder freuen sich  über altersgerechte Aufgaben. „Kleine Kinder sollten auch ruhig auf dem Schoß der Braut oder des Bräutigams sitzen dürfen. Es ist überhaupt schön, wenn Kinder ganz vorne Sessel oder Kissen haben.“ Gut an kommt besondere Sensibilität im Falle von Patchworkfamilien: In eine Rede oder ein Ritual eingebunden, stellt das ein verbindendes Element dar. Bei Segensritualen kann sich das Paar allen Gästen zuwenden, die Ringe durch die Reihen gehen und diese mit guten Wünschen und Gedanken versehen lassen.

Hochzeitsgästen rät Koch, von Fotos während der Zeremonie lieber abzusehen, „das killt einfach die Aufmerksamkeit und schnelle Postings auf Social-Media-Kanälen nehmen auch dem Brautpaar schon einiges vorweg“. Von Hilary Cooper stammt das Zitat: „Das Leben wird nicht in Atemzügen gemessen, sondern in Momenten, die uns den Atem rauben.“ Also: offline genießen.