Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 27.11.2018

Stay tuned

Nicole Präpasser hat mit 26 Jahren den obersteirischen Sender Radio Grün Weiß übernommen.

Die Situation präsentierte sich folgendermaßen: Entweder der Radiosender wird abgedreht oder es findet sich kurzfristig ein Käufer. Was macht man da als 26-jährige Moderatorin? Man kauft einfach den Sender. Zumindest für Nicole Präpasser war das eine klare Entscheidung, die sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Peter Petzner traf. „Wenn Banker ein Radio gewinnbringend führen können, dann müssen wir Idealisten das erst recht schaffen“, gab die gebürtige Bruckerin als Marschrichtung vor.

Das war 2014, den obersteirischen Sender Radio Grün Weiß gab es damals bereits seit 16 Jahren und Nicole Präpasser hatte nach freiberuflichen Stationen bei verschiedenen regionalen Fernsehsendern längst Feuer für die Radiowelt gefangen. Der Eigentümer, die Volksbank, wollte den Radiosender aufgrund einer Fusionierung nicht mehr weiterführen und ist an die Mitarbeiter des Radios herangetreten. Die Verhandlungen erwiesen sich als zäh, führten am Ende aber doch zum Erfolg. „Ja, es war schwierig, wir haben einen Schritt nach vorne gemacht und fünf zurück. An der Idee haben wir aber nie gezweifelt.“ Der Kaufvertrag wurde im Dezember 2014 unterschrieben.

 

Wir sind ein echter Idealistenhaufen.
Das ist auch gut so und funktioniert bestens.

– Nicole Präpasser

Idealvorstellung. Ihren Geschäftspartner Peter Petzner, selbst bereits seit vielen Jahren beim Sender tätig und hauptberuflich Sozialarbeiter, hatte Nicole Präpasser bis dahin nur wenige Male getroffen. Aber schnell stand fest: „Wir ergänzen uns einfach optimal, die Kompetenzverteilung passt perfekt. Er ist der Techniker und alles Kaufmännische ist mein Metier.“

Nicht ganz ihre musikalische Welt war anfangs das Musikprogramm des etablierten Oldie-Senders. „Ich komme mehr aus der Rock-Ecke und konnte zuerst nicht so viel mit Schlager anfangen. Ich habe dann einfach Lieder aus den Listen gelöscht und zum Beispiel durch Roxette ersetzt, wenn ich mit Moderationen dran war. Allerdings haben bald einmal die Hörer angerufen, weil sich das Musikformat geändert hat“, schmunzelt sie. Heute kann die 30-Jährige gut mit Oldies leben, „Deutsch-Pop verschmilzt ja immer mehr mit dem Schlager, wir spielen auch Xavier Naidoo. Austropop mag ich auch sehr. Ganz alte Songs haben wir in spezielle Sendeformate gepackt.“

Seit der Übernahme haben dem Führungsduo die Zahlen bereits große Freude gemacht: Was die Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren betrifft, hält man momentan einen Anteil von 14 Prozent am Gesamtkuchen in ihrem Sendegebiet. Selbiges hat man schon im ersten Geschäftsführungshalbjahr  2015 verdoppelt. Derzeit hält man bei der Versorgung von 270.000 Haushalten im Mur-, Mürz-, Enns- und Paltental, der Salzburger Pongau ist mit im Boot. Zudem stiegen die Mitarbeiterzahlen von 9 auf 21. Im Juli ist das Team in neue Räumlichkeiten in der Leobener Innenstadt gesiedelt.

 

Expansion. Erklärtes Ziel ist es, schon bald auch in Graz empfangen werden zu können. Spätestens 2020 soll es so weit sein, „die Mühlen der Behörden mahlen langsam“. Froh ist Nicole Präpasser darüber, dass sie mit anderen Radiosendern keine Kriege führen muss, „zum Glück hat sich das alles zum Positiven gewendet“. Mit Soundportal pflegt man gute Kontakte und arbeitet nicht zuletzt auch redaktionell zusammen, die Grazer Zukunft steht bereits in den Startlöchern. Danach soll die bislang noch unerschlossene Steiermark folgen. Die Pläne bleiben ambitioniert. Geht das so einfach, wie es klingt? „Ein bissl irre muss man schon sein“, lacht der Kings-of-Leon-Fan, „Peter checkt halt das Technische und ich sage, ob es leistbar ist. Wir haben darüber hinaus viele alte Hasen im Team, die schon seit Langem bei Radio Grün Weiß arbeiten, sie sind eine große Stütze.“ Im Team ist der jüngste Mitarbeiter 22, der älteste 70 Jahre alt.

Nicole Präpassers Arbeitstag beginnt übrigens allmorgendlich um fünf Uhr. Die alleinerziehende Jungmama – Söhnchen Leon ist 16 Monate alt – will nämlich noch einiges für den Job erledigen, bevor der Nachwuchs Spiel-einheit Nummer eins einfordert. Vormittags herrscht dann volle Konzentration im Büro, nachmittags übernimmt Leon die Hauptrolle und abends wird der Arbeitstag dann noch ein bisschen verlängert.

Damit der Rhythmus so nicht zu langweilig wird, hat sie in diesem Sommer gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrer Mutter eine Kosmetikvertriebsfirma gegründet. Und weil das auch noch Raum lässt für ein Herzensanliegen, nämlich Engagement in Bezug auf Frauen, hat man sie jüngst zur Vorsitzenden des Unternehmerinnen-Netzwerkes „Frau in der Wirtschaft“ im Bezirk Leoben gewählt. Die 2.000 Unternehmerinnen im Bezirk will sie besser vernetzen. „Es kann nicht sein, dass sich Männer bei einem Bier etwas ausreden und Geschäfte abschließen, während das bei Frauen mit dem Austausch untereinander und der Unterstützung füreinander nicht so gut klappt. Es ist vielfach noch eine Männerwirtschaft. Es braucht unter Frauen mehr Zusammenhalt.“ Präpasser hat es in ihren Anfängen in einer leitenden Position selbst erlebt: „Mit 26 bin ich als Frau einfach nicht für voll genommen worden. Da gehört viel mehr wachgerüttelt.“

Ob ihr das alles nie zu viel wird? „Ich würde nichts machen, was mir nicht Spaß macht. Ich nehme mir ja auch meine Freiheiten, und das funktioniert gut so. Auf alle Fälle bin ich sehr stolz und dankbar, was wir mit unserem tollen Team in den vier Jahren geschafft haben – weg von einem verstaubten Image hin zu einem jungen, modernen Regionalradio.“