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Lifestyle | 16.08.2018

Museum als Willkommensort

Die neue Direktorin des Universalmuseums Joanneum über ihre Pläne und die neue Lust auf Kunst und Kultur.

Seit Jänner ist die gebürtige Kärntnerin Alexia Getzinger Direktorin des Universalmuseums Joanneum.

Frau Getzinger, sind Sie angekommen im neuen Job?
Ja, das bin ich. Es ist schön, zu sehen, wie unterschiedliche Lebensstränge zueinanderfinden. Aus der Politik habe ich Netzwerkerfahrung, als Kulturmanagerin kommt fachlich-sachliche Expertise dazu.

Museen sind ja eher Nischenprogramme. Wie möchten Sie sich bei der Öffnung für ein breiteres Publikum einbringen?
Das ist natürlich eines meiner Ziele. Wir haben aber nicht nur Kunst, mit der Naturkunde, dem Münzkabinett oder den Schlössern verfügen wir über ein viel breiteres Spektrum. Aus meiner Sicht sind wir ein großer Lernort. Ich halte den Bildungsauftrag, den wir haben, für sehr wichtig sowie ein aktives Zugehen auch auf jenes Publikum, das sonst nicht zu uns kommt. Als Sozialdemokratin muss mir das ein Anliegen sein (lacht).

Funktioniert es andernorts besser, wenn ja, wie?
Bei der Kultur der Kunst- und Wissenschaftsvermittlung sind uns nordeuropäische Länder und die USA ziemlich voraus. Besonders fasziniert hat mich das Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark, wo Eltern mit Kinderwagerl ins Museum kommen, picknicken und sich vielleicht nur das Lieblingsbild anschauen. Diese Länder ritualisieren den Museumsbesuch und integrieren ihn in den Alltagsablauf. Diesen niederschwelligen Zugang zu Museen muss man konsequent weiter und zu Ende denken: Für die Joanneumskarte etwa würde das bedeuten, dass wir einen Kartenleser bräuchten, damit die Menschen bequem ein und aus gehen könnten, ohne sich vorher irgendwo anstellen zu müssen.

 

Wir sind ein Lernort
und müssen aktiv auf jene zugehen,
die sonst nicht zu uns kommen.

Alexia Getzinger, Universalmuseum Joanneum

Gab es in Ihrem Leben ein prägendes Kunsterlebnis?
Ich bin oft in der Küche der besten Freundin meiner Mutter gesessen. Die hatte ihr Haus voller Werner-Berg-Bilder. Eines hat mich besonders fasziniert, es zeigte Frauen mit dunklen Kopftüchern. Später, als ich schon im Berufsleben stand, wurde ich gebeten, für eine Energiefirma Räume zu adaptieren, für eine Schau monochromer Bilder von Herbert Scheibl. Eines war nur rot. Ich beobachtete, wie sich eine Frau und ein Mann von der Gebäude-reinigung darüber unterhielten. Die Frau sah einen Sonnenuntergang, der Mann sah im Bild Krieg. Mich hat das sehr berührt. Diese beiden mussten nicht die Schwelle übertreten, es gab keine Rollenunsicherheit, die sie möglicherweise gehabt hätten, wären sie in einem Museum gewesen.

Frage an die Vorsitzende der Kinderfreunde: Was brauchen Kinder in der heutigen Gesellschaft? Inwieweit brauchen Sie Kunst?
Kinder brauchen, was sie schon immer gebraucht haben: dass ihre Fragen beantwortet werden. Kinder sind neugierig und gehen auf ihr Leben zu. Wichtig ist für sie, gesehen zu werden, wertgeschätzt und angenommen zu sein, wie sie sind, Fehlertoleranz ist ein wichtiges Wort, auch für uns und unser Haus. Jeder und jede im System trägt sein oder ihr Scherflein dazu bei, dass alles funktioniert. In der Familie ist das dasselbe.

Eine letzte Frage: Was sollte man in den Museen des Joanneums unbedingt gesehen haben?
„Glaube Liebe Hoffnung“ ist aktuell meine Lieblingsausstellung, auch weil ich untertags vom Büro schnell ins Kunsthaus hinunterspringen kann. Vor allem das Werk der Künstlerin Azra Akšamija bewegt mich sehr: An einem Webstuhl mit Stickereien und Projektionen verbindet sie Kulturen – und genau das Verbindende berührt mich. Für Kinder und ihre Eltern empfehle ich die Ausstellung „GesICHt und DU“ in Schloss Eggenberg, meine jüngste Tochter war total begeistert. Und jetzt im Sommer bietet sich natürlich ein Ausflug zu den Rosegger--Standorten in Alpl und Krieglach an. Man kann zuerst das Museum besuchen und für Familien ist es ein tolles Erlebnis, anschließend hinauf zum Alpl zu wandern.