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Lifestyle | 15.06.2018

Silent House

Historischer Glanz trifft auf moderne Handwerkskunst und haucht dem revitalisierten Moarhof erneut Atem ein – mit 14 Wohnungen als wertvollem Lebensraum. Ein Lokalaugenschein.

Ein verjährter Hof, der seit 1514 eingebettet im satten Grün der Region Weiz ruht. Er steht arche-typisch wie die Urhütte des Abbè Laugier in der Landschaft – weil sich viele Jahre lang keiner um das ländliche Anwesen gekümmert hat. Das teils pflanzenverwachsene Dach fügt sich in die Schraffur eines jeden Ziegels und ergibt eine hermetische Skulptur. Damals.

 

Heute ist es ein revitalisierter, landwirtschaftlicher Hof mit 500-jähriger Geschichte und 14 modern integrierten Wohnungen. Ein Wohnhof mit Charme, mit planerischem Fingerspitzengefühl und mit steirischer Handwerkskunst versehen, bei dem Emotionen bereits beim Betreten des Innenhofs mitschwingen. Es ist das Herzensprojekt von Bauherr und Baudesigner Helmut Perner. Eines jener Bauvorhaben, die einem Freude und Lebensenergie zurückgeben. Schon bei seiner Entstehung. Heute bildet der neue Moarhof eine sichtbare Station des Wohlfühlens über der begrünten Hangseite mit Blick aufs Umland.

 

© Ewald Neffe

„Ich habe alles von der Pike auf selbst frei designt und geplant – mein architektonisches Lebenswerk.“

Helmut Perner, Designer

Wir sind in Preding, wo der Wohnhof mit historischer Anmut behutsam in die Gegenwart geführt wurde, um neuen Lebens- und vor allem Wohlfühlraum zu schaffen. Historische Bausubstanzen blieben während des Umbaus erhalten und wurden in mühevoller Handarbeit mit steirischer Handwerkskunst wiederverwendet. „Wir haben etwa ein 250-jähriges Massivholz behutsam abgebaut, handgeschruppt, entwurmt und zimmermannstechnisch wiederverwendet“, erklärt Designer Helmut Perner sein 14-monatiges Bauprojekt, das gänzlich ohne Vollwärmeschutz gebaut wurde. Wie damals eben. „Es ist kein Passivhaus, aber dennoch ein vollwertiges, gedämmtes Haus geworden.“ Die fachmännische Hilfe an seiner Seite: Baumeister Feldgrill, der in die Zusammenarbeit sein Know-how in Sachen alte, natürliche Baustoffe einfließen ließ. „Wir haben viel Erfahrung in Althaussanierung und unser Hauptaugenmerk sogleich auf alte Materialien gelegt. Diese haben wir etwa in den Laubengängen erhalten“, so Baumeister Gerhard Feldgrill.

„Bei der Althaussanierung haben wir altes Natur-material wiederverwendet."

Gerhard Feldgrill, Baumeister

© Ewald Neffe

Generalsanierung mit Gefühl. Die alte Hofanlage mit dreiteiliger Kubatur, die vor hunderten Jahren noch ein Schmiedewerk war, wurde in ihrem Ursprung bewahrt und mit modernem Design nach und nach bereichert. Somit avancierten Eisengießerhaus, Presshaus und das Energiehaus (in dem der Technikraum platziert wurde) zu einem Wohn-Ensemble inmitten herrlicher Naturkulisse. Hier gibt man der Geschichte Raum, der Lebensenergie Platz, um sich zu weiten – bis in jede mit viel Liebe zum Detail gestaltete Ecke. Allgemeinflächen wie der begrünte Innenhof und die umliegenden Wiesen bilden Basis für das Eisengießerhaus und Presshaus, um 14 neue Wohnungen in unterschiedlichen Größen mit viel Individualität auszustatten. Das Herz des Anwesens sozusagen. Moderne Balkone reihen sich zeitgemäß aneinander und scheinen dabei historischen Grundsubstanzen untergeordnet zu sein; halten sich optisch zurück, um der Geschichte Nachhall zu bieten. Natürliche Baustoffe wie Altholz, originale Ziegel und Stein liegen im baulichen Mittelpunkt der Idee, genauso wie handwerkliche Geschicke regionaler Unternehmen. Es herrscht eine Hierachie der Oberflächen – historischer Bausubstanz folgen moderne Ebenen und umgekehrt, erzeugen neue Einheit mit Lebensgefühl. „Wir haben 250-jähriges Holz wiederverwendet, alle Eingangstore wurden hingegen Hightech aus Spezialstahl gefertigt, alte Bausubstanz blieb grundlegend bestehen und Schmiedeeisen-Details sowie neues Design integriert“, erklärt Perner die architektonische Metamorphose von Alt in Neu. Wer hier lebt, kann wahrlich durchatmen und dabei noch immer den trägen Puls längst vergangener Tage fühlen. Denn: Wenn das Gestern auf das Heute trifft, wird Geschichte erneut lebendig.