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Fashion | 23.07.2018

Doppelt hält besser

Mit Schusterdraht, Hammer und Ahle: Maßschuhmacherin Sonja Grill fertigt traditionelle Haferlschuhe an. Ganz schön viel zu tun.

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© Marija Kanizaj

Schon als Kind hat Sonja Grill in den heiligen Hallen ihres Vaters Josef Zaisenberger in Pichl-Kainisch gewerkelt, sich dann aber doch für eine kaufmännische Ausbildung entschieden. Die Passion für das Schuhmacherhandwerk hat sie einige Jahre später dennoch eingeholt, da war sie bereits Mutter eines Dreijährigen. Aus dem umfassenden väterlichen Repertoire vom Bergschuh bis zum Militärstiefel hat sich Sonja Grill auf zwie- oder rahmengenähte klassische Schuhe, besonders auf verschiedene Varianten des Haferlschuhs spezialisiert.

Grenzen der Machbarkeit. Das Ober- und Futterleder gekonnt über den individuell angefertigten Leisten zu ziehen, an dem schon die Brandsohle befestigt ist, das Leder aufzuzwicken – es mit Metallstiften zu fixieren – und dabei so zu dehnen, damit später so wenig Gehfalten wie möglich entstehen, darin liegt die Kunst der Maßschuhmacherin. „Wie und in welche Richtung man das Leder dafür ziehen muss, auf dieses Wissen kommt es an“, sagt sie. Und genau dieser Arbeitsvorgang ist bei einem Bergschuh aufgrund des festeren Leders mit weiblicher Kraftanstrengung nicht zu bewältigen, die Grenzen der Machbarkeit musste Grill anerkennen.

Körperwärme. Was jetzt im aufwändigen Arbeitsprozess folgt, ist die Einstechnaht. Sie verbindet Brandsohle und Oberleder. Mit der Ahle, dem klassischen Schusterwerkzeug, werden Löcher in das Leder vorgestochen, mit dem gepechten und gedrehten Schusterdraht mit viel Fingerspitzengefühl zwei sichtbare Runden genäht. Es folgen Verstärkung, Kork für das Fußbett, Lederzwischensohle, Laufsohle – und Designdetails je nach Wunsch. Wer die Seitenschnürung, die viele Haferl-schuhe ziert, erfunden hat, „das weiß allerdings keiner so genau“, schmunzelt Grill.
Was den maßgefertigten Schuh noch vom herkömmlichen Fußkleid unterscheidet? Durch die Körperwärme und Feuchtigkeit kann er sich an den Fuß angleichen. „Im industriellen Fertigungsprozess werden die Schuhe dagegen mithilfe von Hitze verformt, die ein Fuß gar nie zusammenbringen kann, sie können sich daher auch nicht anpassen.“  

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© Marija Kanizaj
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