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Fashion | 18.07.2018

Lederhosen machen Leute

Christian Raich lässt das wichtigste männliche Kleidungsstück in der Region entstehen. Details veraten einiges über seinen Träger.

In echtem Handwerk steckt viel Persönlichkeit. Bei Christian Raich wird das schnell spürbar. Unprätentiös und mit charmant trockenem Humor führt er uns in die Lederhosenschneiderei ein, in der unter anderem „Roggenmehlpapp“ als Kleber Eingang findet. Von Maß gefertigt, von Hand genäht und bestickt sind seine Stücke. Nebst vielen Handgriffen für Hosenbeine, Säcke, Taschen,  Futter und Knöpfe ist das Herzstück die aufwendige Bestickung.
Die Lochmuster dafür sind in einer Mappe lose gesammelt, auf den unterschiedlichsten Notizzetteln. Aufzeichnungen aus vergangener Zeit gibt es kaum, „man muss sich an alten Fotografien und Bildern orientieren“. Thematisch passend steht der Name eines renommierten österreichischen Dirigenten über einem der Muster, das Christian Raich in den Teil eines Notenblatts gestanzt hat: Franz Welser-Möst. Der Säcklermeister hat in den Jahrzehnten seines Schaffens schon für viele Ausseer und Nichtausseer die Nadel angesetzt.

Gänsefeder. Das Lochmuster wird mit Kreidestaub auf das Leder übertragen und hernach mit einer in Gummi arabicum getauchten Gänsefeder als Vorlage für die Bestickung fixiert. 70 bis 80 Stunden Arbeitszeit liegen jetzt noch für die Arbeit mit Nadel und klassisch grünem Faden vor ihm. Etwaige Mustervariationen sind schier unendlich und erfolgen immer wieder spontan bei der Näharbeit, „es kommt einfach auch auf die Figur des Trägers an und was auf der Hose Platz hat“, schmunzelt Raich. Eine Art Statussymbol ist die Siebennahtigkeit, gewissermaßen sieben Musterreihen an der seitlichen Hosennaht.

Wartezeit. Bad Ausseer, Grundlseer und Altausseer unterscheiden sich übrigens an den unterschiedlichen Abschlüssen ihrer kurzen Lederhose. Würde ein Grundlseer eine Altausseer Hose tragen? Raich winkt ab. Was so viel Tradition hat, verlangt aber auch Geduld. Die Wartezeit beträgt rund ein Jahr, die Zeit zwischen Anfrage und Finalisierung ist manchmal weitaus länger. Das liegt allerdings nicht an Raich. „Manche lassen sich die Maße nehmen und kommen erst viele Jahre später wieder. Es wird schon seinen Grund haben, denke ich mir. Vermutlich ist dazwischen einfach viel passiert.“