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People | 19.09.2019

„Wenn du das Leben liebst, liebt es dich zurück“

Jubiläum – 20 Jahre „Barbara Karlich Show“. Im Herbst 1999 startete die Burgenländerin mit ihrem ORF-Talk. Bislang gingen 3.801 Sendungen on air. Das Interview über genützte Chancen, zerbrochene Lieben, Einsichten und Aussichten.

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Wenn sich eine neue Liebe ergibt – wunderbar! Aber ich bin nicht auf der Suche nach einem Mann. Barbara Karlich genießt das Singleleben. © Arman Rastegar

Vor genau 20 Jahren trafen Barbara Karlich und die Verfasserin dieser Zeilen einander erstmals zum Interview. Zahlreiche Gespräche folgten. Egal, worum’s ging, gelacht wurde immer viel, auch wenn der Anlass, etwa eine zu Ende gegangene Liebe, wenig Grund zur Heiterkeit bot. Doch Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht. Und darin ist Barbara Karlich eine Meisterin.

Auch jetzt, 20 Jahre gelebtes Leben mit vielen Höhen und Tiefen und dem Wandel als einziger Konstante später, hat die ORF-Rekordtalkerin nichts von ihrer Lebenslust eingebüßt. 50 ist sie mittlerweile. Im Job ging’s stetig bergauf, allein 3.801 Karlich-Shows hat sie seit 1999, als die heutige ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner die Radiomoderatorin Barbara Karlich fürs Fernsehen entdeckte, präsentiert.

Jubiläumsshow im Hauptabend. Die Talkshow, die wochentags um 16 Uhr in ORF 2 on air geht, bietet ­einen wohltemperierten Themenmix, der das pralle Leben abbildet. Diskutiert wird über Affären („Ein Seitensprung muss ein Geheimnis bleiben“) ebenso wie über Migrationsbelange („Wir sind gekommen, um zu bleiben“) oder über sexuelle Ausrichtungen („Mein Kind ist homosexuell“). Mit dieser Melange fährt die zweifache Romy-Preisträgerin und mit dem Ehrenzeichen des Landes Burgenland dekorierte Barbara Karlich Top-Quoten ein. Allein 2018 zappten fast vier Millionen Österreicher, das sind 53 Prozent der TV-Bevölkerung ab zwölf Jahren, zumindest kurz zur ­„Karlich Show“.

Am 27. Oktober 1999 ging Karlich Daily Talk erstmals auf Sendung. Anfang Oktober würdigt der ORF seine längstdienende Talkshow-­Moderatorin mit einer großen Hauptabendshow in ORF 2. Dabei sind u. a. Stermann & Grissemann und Semino Rossi. look! traf Barbara Karlich, die mit Tochter Gloria, 11, Hund Meixi und den Katzen Sofi und Stropnik im Burgenland lebt, am Neufelder See zum großen Interview.

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© Arman Rastegar

look: Als ich dich bei unserem ersten Interview vor 20 Jahren nach deinen Stärken gefragt habe, hast du geantwortet „Körbchengröße D“ …

Barbara Karlich: (Lacht.) Das war damals ein Running Gag. Ich kam ja vom Radio, habe für 92,9 RTL die ­Morgenshow moderiert. Wir waren eine extrem lustige Truppe. Heute wäre eine solche Antwort undenkbar, schon wegen der #MeToo-Debatte. Obwohl die Körbchengröße vielleicht schon G ist.

Hast du damals an eine längere Karriere beim Radio gedacht?

Ja, sicher! Meine Kollegen, wie der Alex Scheurer, wurden von Ö3 abgeworben. Und ich wollte auch dorthin. Aber der damalige Chef Bogdan Rošcˇic ´hat mich nicht genommen, weil ich mit 29 schon zu alt war. Im Nachhinein sage ich: Gott sei Dank! Mein Weg wäre ganz anders verlaufen.

Und wenn ich dich heute nach deinen Stärken frage …

… sage ich: Ich bin loyal, treu und lustig. Und ich kann über mich selbst ­lachen! Wenn ich nicht so viel Humor hätte, wäre ich wahrscheinlich schon untergegangen.

Wie war dein Lebensgefühl, als du 1999 mit der Talkshow gestartet bist?

Ich war locker und unbefangen. Ich habe nicht an die Zukunft gedacht und mir keine Sorgen gemacht. Mit dieser Leichtigkeit und einem gesunden Selbstbewusstsein hab ich drauf los moderiert. Ohne Angst und mit viel Liebe und Leidenschaft.

Und wie schaut’s heute aus?

Das ist noch fast genauso. Ich liebe die Sendung! Ich schwöre, es hat noch keinen Tag gegeben, an dem ich mit schlechter Laune zum ORF gefahren bin. Im Gegenteil, ich setz mich ins Auto und bin gut aufgelegt. Denn zu Hause, im Alltag, nerven mich tausend Kleinigkeiten, aber auf die Sendung freue ich mich immer. Erhalten habe ich mir auch mein Grundvertrauen ins Leben. Ich hatte nie Existenzängste. Ich mache mir keine Sorgen, weil ich sicher bin, dass das Schicksal alles zu meinen Gunsten regelt. Und ich weiß natürlich, was ich kann. Ich habe eine sehr gute Ausbildung und die Show ist ein Erfolg.

Wie erklärst du den Erfolg der ­Sendung?

Ich denke, dass die ZuschauerInnen spüren, dass wir – die Redaktion – eine große Familie sind. Außerdem wird’s bei uns nie fad, die Themen sind vielseitig und aktuell. Es geht um Liebe und um Beziehungen, um Gesundheit und Spiritualität, aber auch um Tier- und Umweltschutz, um Migration und um den Themenbereich Transgender. In der „Barbara Karlich Show“ erfährt man viel, aber die Experten und ich sind nie obergscheit und belehren mit erhobenem Zeigefinger, sondern wir agieren auf Augenhöhe mit dem Publikum.

Die Gäste deiner Show geben viel von sich preis. Früher bist du auch sehr offen mit deinem Privatleben umgegangen. Ich erinnere mich an zahlreiche Storys, die wir gemeinsam gemacht haben – frisch verliebt, frisch getrennt, verheiratet, geschieden. Es gab Titel wie „Wir ­haben uns in der Gondel geküsst“. Warum hältst du dein Privatleben heute unter Verschluss?

Da war dieses große Medieninteresse, als ich mit der Show gestartet bin, und ich dachte, ich kann ja die Menschen nicht nur ausfragen, ich muss das Publikum auch an meinem Privatleben teilhaben lassen. Irgendwann war’s dann zu viel. Es wurde so viel Falsches in meine Worte hineininterpretiert, außerdem wurde meine Familie durch mich immer mehr in die Öffentlichkeit gezerrt, da musste ich einen Schlussstrich setzen. Gäbe es jetzt einen neuen Partner, würde ich nicht mehr drüber reden.

 

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die anfänge. Barbara Karlich im Oktober 1999 – vor 20 Jahren startete ihre ORF-Talkshow. © Ali Schalfer

Kaum zu glauben, dass du Single bist. In einem Interview hast du mir einmal gesagt, dass du noch im Altersheim verliebt sein wirst. Gilt das Thema einer deiner Sendungen „Für die Liebe fehlt mir die Zeit“ auch für dich?

Tatsache ist, dass jetzt meine Tochter höchste Priorität bei mit hat. Dann habe ich einen Job, der mich total erfüllt. Und ich habe tolle Freunde, die ich regelmäßig treffe. Mir fehlt also nichts. Wenn sich eine Liebe ergibt – wunderbar! Aber ich bin nicht auf der Suche.

Du warst zweimal verheiratet. Die erste Ehe wurde annulliert, die zweite geschieden. Bereust du diese Beziehungen?

Zu sagen, ich hätte privat besser ­alles anders gemacht, ist schwierig. Es gibt ja keine Garantie, dass ich dann glücklicher oder zufriedener wäre. Ich habe meine Tochter und sie ist für mich das ultimative Glück, ich wurde also auch privat reich beschenkt. Aber natürlich war vieles nicht so schön. Doch es musste wohl so sein, dass ich privat nicht den Erfolg hatte, nicht dieses stringente Glück, das ich im Beruf erleben durfte. Aber wer weiß, was noch kommt (lacht) …

Ich weiß, dass dein Traummann Hollywoodstar Gerard Butler ist …

… ja, stimmt. Leider hat er noch nicht angerufen (lacht). Mir gefallen Typen wie er. Schotten und Iren, aber auch die Kroaten. In Kroatien gibt es ganz viele Gerard Butlers. Auf nach Kroatien (lacht).

Du hast bekanntlich eher einen Hang zu Bad Boys.

Mmh, ja. Mir gefallen Männer, die böse schauen, aber nicht böse sind. Bad Boys mit einem weichen Kern.

Woher kommt dieses Faible? Du stammst aus einer bodenständigen burgenländischen Familie.

Mich haben aber schon immer die Außenseiter interessiert. Schon als Kind war ich am liebsten in der Roma-Siedlung in meinem Heimatort. Die Kinder dort waren für mich viel interessanter als die anderen. Und bei den Männern haben mich nie die supertollen, feschen, reichen interessiert, sondern die mit den Ecken und Kanten. Die haben auch mehr zu sagen. Aber grundsätzlich gilt: Be with someone who ruins your lipstick – not your mascara.

Vielleicht solltest du dich als Nachfolgerin von Elizabeth T. Spira als Gestalterin von „Liebesg’schichten und Heiratssachen“ bewerben. Da lernst du sicher jede Menge interessante Männer kennen.

Das sind große Fußstapfen. Aber wer würde das nicht gerne machen. Und ich kupple ja sehr gern – und auch sehr erfolgreich (lacht). In meiner Show ­haben sich schon viele verliebt, ich war auch schon bei einer Hochzeit.

Was denkst du – wie wird dein Leben in zehn Jahren ausschauen – bist du wieder verheiratet?

Seltsam, wenn ich an die Zukunft denke, sehe ich mich nie in einer Partnerschaft, sondern immer mit meinen Freundinnen und mit meiner Familie. Am liebsten wäre ich immer mit ihnen allen zusammen, in einem riesigen Haus am Meer. Das ist meine Vision. Ich würde gern am Meer leben, vielleicht in Norddeutschland, in Wales oder in Schottland. Dort zieht es mich hin, ich habe das Gefühl, dass ich von dort komme, dass ich in einem früheren Leben dort gelebt habe.

Du bist 50, wie hast du dich in den vergangenen 20 Jahren verändert?

Ich bin natürlich viel reflektierter. Ich denke mir oft, wie viel Zeit mir noch bleibt, was ich noch alles machen kann und erleben darf. Ich bin auch viel gelassener. Heute weiß ich, dass ich beim ORF ein gutes Standing habe. Ich präsentiere ja neben der täglichen Talk­show auch Hauptabendsendungen wie „9 Plätze – 9 Schätze“. Diese Wertschätzung ist schön. Und dank meiner Bekanntheit kann ich auch gute Sachen unterstützen, wie bedürftige Kinder oder den Tierschutz. Vor einigen Jahren habe ich mir noch gedacht, dass ich öffentlich nicht für derartige Dinge eintreten kann, da sich dann alle denken: „Schauts euch die ­komische Alte an.“ Jetzt bin ich halt die komische Alte und sage meine Meinung. Mir ist Tierschutz ganz, ganz wichtig. Und ich habe für die Kinder- und Jugendhilfsorganisation Pro Juventute die Dirndlkollektion Bakarella designt. Die Dirndln sind wirklich schön, ich bekomme keinen Cent dafür (Anm.: erhältlich bei Trachten Suchodolski in Gänsern-
dorf und trachten-onlineshop.at).

Was hat dir das Leben in den vergangenen 20 Jahren beigebracht?

Ich schaue in meiner Show tagtäglich den Menschen in die Seele. Ich habe Erfahrungen gesammelt, so viel gesehen und gehört, ich denke, das hat mich ein bisschen weiser gemacht. Die Conclusio ist: Wir haben nur ein Leben, mach das Beste draus. Ich bin zwar privilegiert, aber mein Leben hätte auch anders verlaufen können. Man muss dem Glück schon auf die Sprünge helfen. Ich kann am Morgen aufwachen und mir denken, shit, es regnet, oder ich geh raus, um im Regen zu tanzen. Man muss etwas tun, in der Komfortzone passiert gar nichts.

Gab es für dich einen Plan B, wenn die „Barbara Karlich Show“ nicht funktioniert hätte?

(Lacht.) Auch einen Plan C, D und E – das ganze Alphabet durch. Ich wäre zum Radio zurückgegangen oder in die PR, ich habe ja ein abgeschlossenes Studium und einen Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit absolviert. Außerdem habe ich auch eine Schauspielausbildung. Mich hat schon immer so vieles interessiert. Man muss es nur tun.

Was hast du noch vor?

Ich möchte so rasch wie möglich mehr Bewegung in mein Leben bringen. Ich bin im Moment ein bisschen faul, am liebsten liege ich auf der Couch und esse Popcorn (lacht). Und das Spazierengehen mit dem Hund reicht halt nicht aus … Ich war ja 2006 bei Dancing Stars dabei und das Tanzen war richtig toll. Deshalb will ich wieder mit dem Tanzen beginnen.

Gibt es einen Traum, den du als Kind hattest und der nie wahr geworden ist?

Ja, ich wollte Ärztin werden. Ich habe auch mit dem Medizinstudium begonnen, dann kam aber der Radiojob dazwischen und ich bin dabeigeblieben, weil mir das Moderieren Spaß gemacht hat. Ich muss aber sagen, beim Sezieren war ich wirklich toll. Ich musste an einem Kopf alle Gesichtsnerven freilegen und habe das so akribisch und fein säuberlich getan, dass ich dafür sehr gelobt wurde. Ich wäre wirklich gern Chirurgin oder Augenärztin geworden. Ich unterhalte mich auch heute noch gern über Krankheiten und ich höre gern zu, wenn sich alte Menschen von ihren Wehwehchen erzählen. Das langweilt mich nie.

Verrätst du mir dein Lebensmotto?

Wenn du das Leben liebst, liebt es dich zurück. Das stammt nicht von mir, sondern wird dem Pianisten Arthur ­Rubinstein zugeschrieben.

Angenommen du wirst morgen wach und dein Leben ist perfekt …

Das passiert mir jeden Tag. Ich denke mir jeden Tag: Danke, mein Leben ist perfekt.