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People | 21.04.2019

LÄCHLE, AUCH WENN DIR NICHT DANACH IST!

Thomas Brezina begeistert mit seinem neuen Bestseller ,,Die Freude Notfall Apotheke" – noch heuer erscheinen drei weitere Bücher des Ausnahme-Autors.

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SONNIG. Auch fröhliche Farben tragen dazu bei, dass wir mehr Freude empfinden. Brezina in seinem bunten Lieblingsfauteuil. © Stefan Diesner

Sehr offen und ehrlich schreibt Thomas Brezina in seinem neuen Ratge­ber über eigene Ängste, Selbstzweifel, Schreibblockaden, depressive Pha­sen und Verlust. Denn es ist dem Bestsellerautor, der zudem noch als TV­Produzent und Moderator tätig ist, wichtig, so glaub­würdig wie möglich zu erzählen. Denn auch ihm selbst, sagt er, habe es stets am meisten geholfen, wenn Menschen offen von Ereignissen wie Schicksalsschlägen berichtet haben – und davon, wie sie damit umgegangen sind.

In „Die Freude Notfall Apotheke. 21 Dinge, die bei Freudemangel helfen“ gibt der 56­-Jährige simple, aber sehr wirksa­me Tipps. So empfiehlt Brezina etwa, bei nervigen Gesprächspartnern permanent „Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich“ zu denken – denn das wirke wie ein angenehmer Raumspray.

Der Vielschreiber weiß aber auch, dass Freude eine Lebenseinstellung ist, für die man etwas tun muss. Nämlich in jedem Tag – und an jedem Tag – etwas Freudiges zu sehen. Glück hingegen bedeutet ihm nicht so viel. Denn Glück definiert Brezina als wenig dauerhaft, als Moment, der einem zufällt.

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LEBENSFROH. Thomas Brezina in seinem Büro in der „Tower10 KidsTV“- Produktionsfirma in Wien Liesing. © Stefan Diesner

Nach rund 560 Kinderbüchern begannen Sie, Freude-Ratgeber zu schreiben. Gab es einen Auslöser?

Thomas Brezina: Ja. Das Thema Freude beschäftigt mich seit 25 Jahren, weil ich festgestellt habe, dass ich in einer Zeit, in der von außen gesehen alles ganz großartig schien und ich auch schon enormen Erfolg hatte, trotzdem kein glücklicher Mensch war. Seit damals befasse ich mich damit, wie man es schafft, ein erfülltes, freudiges Leben zu leben bzw. was du tun kannst, um mit den Dingen, die dich tagtäglich umwir­beln, erschrecken, erschüttern oder dir Angst machen, besser umzugehen. Viel gelernt habe ich durch Gespräche. Zu­ dem habe ich mir jene Menschen näher angeschaut, die in meinen Augen das Leben gut meistern. Ein freudiges, erfüll­tes, glückliches Leben heißt ja nicht, ein Leben ohne Probleme zu führen oder ohne Schicksalsschläge, ohne Höhen und Tiefen, sondern wie ich damit fertig werde und wie ich damit umgehe.

 

Und da kam die Idee eines Ratgebers?

Vor zwei Jahren, als ich begann, Büücher für Erwachsene zu schreiben, habe ich auch angefangen, auf Instagram (@ thomasbrezina; Anm. d. Red.) viel zu erzählen bzw. zu posten – aus meiner Welt und immer öfter auch davon, was mir in meinem Leben geholfen hat. Und der Response war so enorm, dass ich, als mich Verleger Bernhard Salomon frag­te, ob ich einen Ratgeber schreiben möchte, sofort zusagte.

 

Sie schreiben sehr offen, ehrlich und mutig über Ihre depressiven Phasen, Trennungsschmerzen, geringen Selbstwert und einiges mehr.

Weil alles, worüber ich schreibe, im­mer einen Zusammenhang mit meinem Leben hat. Und meine Tipps dadurch glaubwürdiger werden. Ich gebe keine Ratschläge, auch wenn es ein Ratgeber ist, denn das Wort enthält „Schläge“. Es soll vielmehr ein Anstoß sein, etwas, worüber ich sage: „Mir hat es geholfen und vielleicht hilft es dir auch."

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LEKTÜRE, DIE GLÜCKLICH MACHT. Großartig: Thomas Brezina gilt mit mehr als 560 Büchern für Kinder und Jugendliche, die in 35 Sprachen übersetzt wurden, als einer der erfolgreichsten Autoren weltweit. Nach „Tu es einfach und glaub daran. Wie du mehr Freude in dein Leben bringst“ (liegt auf Platz 1 der Jahres-Bestenliste 2018) ist nun der zweite Ratgeber für Erwachsene „Die Freude Notfall Apotheke. 21 Dinge, die bei Freudemangel helfen“ erschienen. Lesenswert vor allem an jenen Tagen, an denen alles schiefzulaufen scheint!

Bei erfolgreichen Menschen ist schwer vorstellbar, dass auch sie verzweifelt, einsam oder traurig sind.

Wer meint, sein Glück liegt im Außen bzw. das Außen verschafft Freude und Stabilität, der ist ausgeliefert. Ich sage dann immer: „Bitte glaubt das nicht!“ Jeder noch so erfolgreiche Mensch ist in erster Linie nur ein Mensch. Sorry, wer glaubt denn heute noch an eine Schein­welt, in der immer alles glücklich und schön ist? Was ich durch Instagram ge­lernt habe, ist: Natürlichkeit ist Trumpf. Man wirft gerade Instagram vor, dass alles geschönt und unecht ist. Mag sein, aber es gibt auch Leute, die dazu stehen, wie sie sind. Gleich nach dem Interview mache ich einen Podcast mit Michael Buchinger und JANAklar, zwei große Youtuber und Instagrammer, die ich wahnsinnig schätze, weil sie so authentisch sind. Und das ist eine Richtung, die ich für gut und richtig halte.

 

In Ihrem Buch empfehlen Sie auch eine Freude-Vitamin-Kur, bei der man drei Wochen lang täglich einen freudigen Moment auf Instagram posten soll.

Ja, wobei man nichts zur Schau stel­len soll, sondern einfach etwas Schönes mit anderen teilt.

 

Haben manche Menschen ein größeres Talent zum Glück bzw. zur Freude?

Ja. Ich glaube, dass es einen angebo­renen Optimismus und eine angebore­ne Fröhlichkeit gibt. Bei dem einen mehr, beim anderen weniger. Viele Menschen erleben vielleicht keine posi­tive Spitze sprich Höhenflüge, aber sie haben ein wunderschönes Mittelfeld. Und das ist die Mehrheit. Tatsache ist, man kann es trainieren.

 

Wie Ihre Freundin Liesl, die auch dann lächelt, wenn ihr nicht danach ist.

Liesl ist eine Freundin, die dieser Tage 101 Jahre alt wird, und für mich ein Paradebeispiel für einen Menschen, der viele Schicksalsschläge erlitten hat, aber nie seine Lebensfreude verlor. Denn ihr Vater gab ihr als Kind folgende Weisheit mit auf den Weg: „Lebens­kunst ist, zu lächeln, auch wenn dir nicht danach ist.“ Und daran hält sie sich bis heute. Sie ist interessiert, liest ohne Brille und bei ihrem ersten Selfie hat sie die Zunge rausgestreckt. Das muss man sich ja mal vorstellen. (Lacht)

 

Gelingt es Ihnen immer zu lächeln?

Nein, aber ich erinnere mich immer öfter daran, zwinge mich dazu und es hilft! Prinzipiell versuche ich inzwi­schen allem ruhiger zu begegnen und es gelingt mir um vieles besser als je zuvor. Mein Leben ist heute bedeutend freudi­ger als vor 20 Jahren und auch wesent­lich freudvoller als vor zehn Jahren.

 

Ihr Tipp, in unangenehmer Gesellschaft mehrmals „Ich liebe dich“ zu denken, muss wie oft wiederholt werden?

Ununterbrochen. Greift es immer? Wahrscheinlich nicht, aber es greift sehr oft. Es ist wie ein Raumspray, der die Atmosphäre verbessert.

 

Sie schreiben, die vier wichtigsten Worte Ihres Leben lauten: „Auch das geht vorbei.“

Deshalb, weil sie den Schmerz relati­vieren und die Freude vergrößern. Das sind Worte, die mein Leben verändert haben. Denn wenn es schön ist, dann genießen wir es umso mehr. Wir rasen ja auch zu oft durch schöne Momente, weil wir meinen, sie halten ewig. Aber das tun sie nicht. Sich das vor Augen zu führen, ist daher wichtig. Mein gesam­ter Freundeskreis kommt mir jetzt regel­mäßig entgegen und sagt: „Du hast so recht, diese Worte tun so gut.“ (Lacht)

 

Mehr als 560 Bücher in 35 Jahren, d.h. etwa 16 Bücher jährlich. Wie schafft man das und woran arbeiten Sie derzeit?

Ich schreibe sehr, sehr viel und sehr flott. Aber nicht jedes Buch hat 300 Sei­ten, sondern manche auch nur 80. Zu­ dem fällt mir dauernd etwas ein. Derzeit schreibe ich u. a. an einem Elternrat­geber, wie man Kinder fürs Leben begeis­tert, an einem Kinderbuch und einem Liebesroman für Erwachsene. Und die kommen alle noch in diesem Jahr raus. Ja! (Lacht)

 

 

Text: Andrea Buday