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People | 06.11.2017

Namaste, Bali

Carmen Reiter hat ihre Koffer in Graz gepackt und ist auf die indonesische Insel ausgewandert. Über Liebe auf den zweiten Blick, ihre neue Community und Abenteuer im Akkord.

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Feuer gefangen hat Carmen Reiter, als sie im vergangenen Winter auf der indonesischen Insel ein zweimonatiges Yogateacher-Training absolviert hat. Ihre Wohnung in Wien hatte die Grazerin schon damals kurzerhand aufgegeben. „Meine Familie hat gleich gewittert, dass sich da etwas anbahnt, mir war das aber noch gar nicht so bewusst.“ Nach der Rückkehr reifte tatsächlich der Plan, nur wenige Monate später die Zelte in Österreich überhaupt abzubrechen und nach Bali auszuwandern.

 

„Man muss diese Vibes hier
auf der Insel einfach erleben.“

Carmen Reiter

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Barfuß. Seit September lebt die 27-Jährige nun mitten im Indischen Ozean. Ihren Job als Stylistin und im Visual Merchandising für Scotch & Soda hat sie aufgegeben. Dafür knüpft sie in den Co-Living-Spaces, Co-Working-Places und Beach-Clubs der Hippster-Town Canggu fleißig berufliche und private Kontakte – barfuß, maximal in Flip-Flops. Das ist Standard. Und Freelancing absolut en vogue. „Man tauscht hier nicht Telefonnummern, sondern Instagram-Accounts aus.“

Bali und Carmen, das war eigentlich „keine Liebe auf den ersten Blick“. Die Erinnerungen an den Aufenthalt im Winter sind ziemlich bewegt: Mopedunfall in den ersten Tagen, Start in der Yoga-Schule „The Practice“ mit einbandagiertem Fuß, gesundheitliche Probleme und ein Quartier, in dem der Regen durch die Decke tropft. „Eigentlich wollte ich nur schnell wieder nach Hause. Bali hat mich hart geprüft.“ Aber schon damals hat sich alles doch noch gefügt und bald wurde klar: „Ich gebe Bali eine zweite Chance.“

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Yoga, Yoga, Yoga: Praxis steht jeden Tag auf dem Programm.

Networking. Jetzt lernt Carmen Reiter Indonesisch, optimiert ihre im Winter erworbenen Surfkenntnisse und ist auch in Sachen berufliche Projekte im Online-Marketing und Social-Media-Bereich optimistisch. „Hier ergibt sich vieles so schnell. Es spricht sich herum, wenn man eine spezielle Ausbildung hat“, sagt die studierte Publizistin.

Sonne, Meer und Palmen? Freilich, die gibt es auch. „Aber nur am Strand zu sitzen und nichts zu tun, ist keine gute Idee, wenn man in Bali sesshaft werden will“, schmunzelt sie, „da geht es erstmal ums Sehen und Gesehenwerden.“ Bis das Arbeitsvisum genehmigt ist, muss die Grazerin einen „Visa Run“ absolvieren und nach 90 Tagen ausreisen. Der Weg führt allerdings nicht zurück nach Österreich, Australien steht auf ihrer Wunschliste ganz oben. Wie hat eigentlich die Familie auf den Abschied auf Dauer reagiert? „Vor allem meine Mama und meine Zwillingsschwester Tina waren ehrlich gesagt nicht gerade begeistert. Ich glaube, es hat meinen Eltern auch etwas Angst gemacht, als sie gesehen haben, dass ich es wirklich ernst meine.“

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Pardiesische Stimmung trifft auch mal auf Alltagsprobleme.

Dennoch oder gerade deswegen will Carmen Reiter ihren Plan durchziehen. Dass sie finanzielle Reserven zur Verfügung hat, sichert ihr einen längeren Aufenthalt auch ohne größeres Einkommen. „Es mag sein, dass irgendwann Heimweh und existenzielle Ängste kommen“, gibt die passionierte Globetrotterin zu, aber derzeit kann sie sich das nicht vorstellen: „Man kann diese Vibes hier nicht beschreiben, man muss sie einfach erleben.“ Es ist wohl die Leichtigkeit des Seins in einer coolen Interpretation. Eine ganze Reihe von Auswanderern auf Zeit, vor allem Australier, aber auch Leute aus vielen anderen Ländern, schaffen die soziale Basis für ein Gefühl von Verbundenheit.

An Zuhause erinnern Carmen Reiter vor allem persönliche Briefe von Freunden, die sie mit auf den Weg bekommen hat. Und ihre Blackroll-Utensilien. Denn mit dem speziellen Faszientraining will sie auch auf Bali arbeiten. Und womöglich entsteht irgendwann sogar eine Yoga-Active-Wear-Kollektion, wer weiß. Die Idee ist jedenfalls schon geboren – und zwar mit der Salzburgerin Alina Gruber, die Modedesign studiert hat. Sie war es auch, die den Plan vom Leben auf Bali maßgeblich mit der Grazerin entworfen und umgesetzt hat.

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Carmen Reiter kurz vor ihrer Abreise aus der Murmetropole. © Thomas Luef

Moonchild. Yoga hat nach wie vor einen wesentlichen Anteil im neuen Alltag, Praxis steht jeden Tag auf dem Programm, Kenntnisse werden perfektioniert. Der Yoga-Therapie und Unterrichtsmöglichkeiten gilt das künftige Interesse. „Ich bin gerne unter Leuten, aber beim Yoga bin ich ganz für mich. Der Meditationspart ist allerdings noch immer eine Challenge für mich, mir schlafen da im Lotussitz regelmäßig die Füße ein“, lacht sie. Das Tattoo, das Carmens rechte Hand ziert, ist natürlich auf Bali entstanden, als sie vor einem Sturm Zuflucht im Tattoo-Studio fand. Es verweist nicht nur auf ihre Auseinandersetzung mit den Mondklassen im Hatha-Yoga, sondern hat bereits einen Wiedererkennungswert in der Canggu-Community. 

Die zeichnet sich, so erzählt Carmen, durch ausgesprochene Freundlichkeit aus. „Man ist das gar nicht mehr gewohnt, dass alle ständig so nett zueinander sind. Das hat mich ein paar Mal sogar zum Weinen gebracht.“ Nicht zu sehr an Dingen zu hängen und mit wenig auszukommen, ist auch Teil der Bali-Lehre vom Leben. Viele persönliche Besitztümer hat Carmen Reiter im Vorfeld des Umzugs an Freunde verkauft, „ich wollte einfach, dass Teile von mir da und dort verstreut sind“. Luxus ist derzeit nicht angesagt, „ich teile mir ein Zimmer und lebe sehr minimalistisch“.  Zuletzt saß sie mit einem ehemaligen Harvard- und Stanford-Professor am Co-Working-Tisch. Der hatte 40 Jahre lang Marketing auf den Elite-Unis unterrichtet. „Mittlerweile ist er 80 und immer noch up to date, wie es in diesem Bereich der Insel abgeht! Und wie sollte es anders sein: Am Schluss gab er mir seinen Instagram-Account.“ Bali-Style halt.

Leben auf Bali
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Surfer’s Paradise: Die im Winter erworbenen Grundkenntnisse sollen vertieft werden
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Gemeinsam mit Freunden will die Grazerin später ein Haus mieten.
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Viel unterwegs sein, Sehen und Gesehenwerden ist das Motto.
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