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People | 30.10.2017

Liebe, Drama, Mädelszeug

Wie ist es mit dem Menschen, den man am besten von allen kennt? Was macht Schwesternsein aus? Den Auftakt unserer neuen Reihe „Schwesterngespräche“ machen die Moderatorin Nadine Friedrich und ihre Schwester Valerie.

Text: Daniela Müller     Fotos: Thomas Luef

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Schwesterngespräche

Sie haben eine richtig gute Beziehung, betonen Nadine und Valerie Friedrich. Auch wenn sie streiten können, was das Zeug hält. Ein Gespräch mit einem recht lässigen Schwesternpaar im elterlichen Haus in Mariatrost.

STEIRERIN: Nadine, gibt es eine Erinnerung an die Geburt von Valerie? Du warst damals schon sechs Jahre alt.
Nadine: Ich habe mich total auf Vali gefreut und konnte es kaum erwarten, dass ich endlich ins Spital durfte. Meine Oma fragte ich allerdings vorher noch, ob sie eh nicht den schöneren Namen hat (lacht). Als große Schwester hatte ich für Vali von Beginn an so etwas wie Muttergefühle.

Wie ist es dir damit gegangen?
Valerie: Wenn mich jemand unfair behandelt hat, ist Nadine für mich auf die Barrikaden gegangen, sie war immer für mich da. Wenn es auch manchmal ein klein wenig zu viel war.

Wie hat dich Nadine geprägt?
Valerie: Auch wenn ich oft nur Anhängsel war, Nadine war mein Vorbild, ich fand sie sehr cool, wenn sie mit den Großen unterwegs war und ich immer früher daheim sei musste.

Wie würdet ihr euch charakterlich beschreiben?
Nadine: Ich bin die Sensible.
Valerie: Ich wahrscheinlich die Goschertere, Mutigere.
Nadine: Ich denke, willensstark sind wir beide.

Und eure Beziehung zueinander?
Nadine: Wir kommen aus einer Familie, wo generell immer viel gelacht wird, haben natürlich auch hin und wieder diskutiert, aber immer eine sehr enge Bindung gehabt.
Valerie: … mit viel Drama und Mädelszeug!

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Die Schwestern bleiben gemeinsam jung.

Erzählt!
Beide: Im Grunde waren es Kleinigkeiten und am Schluss wussten wir oft nicht einmal mehr, worum es anfangs ging. Und dann lachen wir darüber.
Valerie: Weißt du noch, wie du mich damals am Pferdehof besucht hast?
Nadine (lacht auf): Oh ja! Ich habe mich schon sehr auf sie gefreut. Wir verbrachten den ganzen Tag mitei­nander und plötzlich brach ein Streit los. Ich stieg ins Auto und fuhr los – obwohl ich nicht ernsthaft wegfahren wollte – und sehe Valerie wild mit den Händen fuchtelnd im Rückspiegel über die ganze Wiese dem Auto nachlaufen. Hollywoodreif!

Zu wem seid ihr gegangen, wenn ihr Probleme hattet?
Valerie: Wir können und konnten mit jedem Thema zu Mama kommen. Aber wenn es um das Ende einer Liebesbeziehung ging oder um Streit mit der besten Freundin, ging ich zu Nadine. Auf sie konnte ich mich zu 1.000 Prozent verlassen.  
Nadine: Früher kam Vali zu mir, wenn sie Probleme hatte, heute hat es sich fast umgedreht. Seit sie ihre Coaching-Ausbildung gemacht hat, rufe ich sie oft an und bitte sie um Rat. Mit ihr kann ich so offen reden wie mit vermutlich keinem anderen Menschen auf der Welt.

Wie oft seht ihr euch?
Beide: Wir treffen uns in Graz bei den Eltern oder machen ab und zu ein Schwestern-Wochenende in Wien oder ein Reitwochenende in Bayern. Gott sei Dank gibt es whatsapp, da werden täglich jede Menge Fotos und Videos verschickt, um up to date zu bleiben.

Gab es eine Zeit, in der ihr euch auseinandergelebt habt?
Beide: Es gab kurze Phasen, in denen wir etwas Abstand gesucht haben. Wie damals im Vatikan (beide lachen).

Was war?
Nadine: Wir wussten auf die Schnelle nicht, wie der aktuelle Papst heißt. Darüber konnten wir so intensiv diskutieren, dass wir das nicht mal das Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle gesehen haben.

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Gemeinsam lachen ist das Schönste.

Was lässt dich auf Nadine stolz sein, Valerie, was dich auf  Valerie, Nadine?
Valerie: Jetzt werde ich gleich sentimental.
Nadine (lacht): Hallo, ich bin die Sensible!
Valerie: Es hat Zeiten gegeben, in denen es dir nicht gut ging. Das hast du alles super gemeistert, weil du sehr stark bist. Du warst auch immer für mich da, warst nie nachtragend und würdest alles für mich tun.
Nadine: Du ja auch für mich! Jede hatte ihre schwierigen Zeiten, wir haben uns immer geholfen. Ich bin ich stolz, wie du mit 18 allein nach Deutschland gegangen bist, sieben Autostunden von zu Hause entfernt, keine Menschenseele gekannt und dein Ding durchgezogen hast, egal was andere dazu gesagt haben. Du hast es geschafft! Du hast immer so viel und hart gearbeitet und kannst jetzt anderen helfen.
Valerie: Du bist ja auch so eine Vielarbeiterin!
Nadine: Das sind wir beide. Liegt wohl in den Genen.
Valerie: Nadine war immer Einserschülerin, ich habe in der Schule gemacht, was ich musste. Ich hätte gern Nadines Selbstdisziplin. Ich bin schon stolz, wenn ich sehe, dass sie in ganz Österreich von Plakaten he­runterlächelt oder wenn ich den Fernseher aufdrehe und sie live moderiert, spontan reagieren muss und trotzdem so natürlich wirkt. Aber auch wie selbstsicher und charmant sie bei Events moderiert, einfach diese ganzen Jobs, die sie sich selbst erarbeitet hat. Jetzt, wo ich selbstständig bin, sehe ich erst, welche Herausforderung das ist.

Wie sehr haben euch eure Eltern bei den Lernprozessen des Lebens unterstützt?
Valerie: Papa hat früher mit schwierigen Jugendlichen zusammengearbeitet und sagte zu mir oft im Scherz, „daheim ist’s schlimmer“. Egal, was mir passiert ist, ich konnte es ihm sagen. Wir haben geredet, er hat erklärt und reflektiert.
Nadine: In unseren Gesprächen mit den Eltern konnten wir lernen, Ansichten zu hinterfragen. Und uns wurde vermittelt, dass wir Träume auch leben sollen. Dabei haben sie uns immer unterstützt.

Wie und wo seht ihr euch, wenn ihr beide über 90 seid?
Nadine: Wir sind im Kopf noch immer jung.
Valerie: Und wir streiten uns immer, wenn wir uns sehen.
Nadine: … laufen uns mit den Stöcken nach …
Valerie: … oder verfolgen uns mit dem Rollator über die Wiese!

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Valerie (links) und Nadine (rechts)

Valerie

Die Goscherte

Valerie Friedrich, 26, ist geboren in Graz, mit ihrer Schwester Nadine (33) in Graz-Wetzelsdorf aufgewachsen. Mit 18 Jahren ging sie nach Deutschland, um dort ihrer Berufung nachzugehen: mit Pferden zu arbeiten. Sie ist Westernpferdetrainerin, reitet Turniere und ist als Sport- und Mentalchoach tätig.

www.mental-stark-reiten.com

 

 

„Nadine war immer
für mich da. Egal,
was passierte.“

 

 

Nadine

Die Sensible

Nadine Friedrich, 33, studierte in Wien Publizistik, stieg danach beim Fernsehen ein. Aktuell ist sie Anchorwoman bei oe24 TV, moderiert dort die Nachrichten und den Hauptabend. In der Sendung Supernowak auf Puls 4 kämpft sie an der Seite von Reinhard Novak für Konsumenten um Gerechtigkeit. Sie ist die Halbschwester von Valerie, was sich nicht so anfühlt, sagt Nadine.

www.nadinefriedrich.com

 

„Ich glaube, wir
sind mit 90 noch
immer jung im Kopf.“

 

 

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Zusammenhalt bis ans Lebensende
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