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People | 18.09.2017

Ostrowski macht den Lend unsicher

Michael Ostrowski war dabei, als das Lendviertel begann, cool zu werden. Auch wenn er von dort fortgezogen ist, ist der Stadtteil für ihn noch immer ein „perfekter Ausgangs- und Absturzpunkt“. Die STEIRERIN begleitete ihn dabei.

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Zivil unterwegs: Schauspieler Michael Ostrowski. © Thomas Luef

Der Schauspieler Michael Ostrowski hat einige Jahre in Lend gewohnt, im dortigen Theater im Bahnhof begann auch seine Karriere. Heute lebt er in Graz-Umgebung, kommt aber immer wieder gern in die alte Heimstätte zurück, wie er im Gespräch mit der STEIRERIN betont.

STEIRERIN: Das Lendviertel –was bedeutet es für Sie?
Ostrowski: Mitte der 90er-Jahre, als wir mit dem Theater im Bahnhof gestartet sind, musste man lässige Lokale im Lendviertel suchen. Heute hat sich dort eine super Szene etabliert. Ein Architekt hat mir einmal gesagt, dass wir mit unserem Theater Mitauslöser für diese Entwicklung waren. So gesehen bin ich stolz, dabeigewesen zu sein, als sich alles zu verändern begann.

Ihre Lieblingslokale?
Ich bin gern im Mohrenwirt, das war immer ein Fixpunkt nach den Proben. Die Rezeption vom Hotel Mariahilf hatte ich unter anderem im Kopf, als ich das Drehbuch für Hotel Rock’n’Roll geschrieben habe.

Haben Sie überhaupt noch Zeit für das Theater im Bahnhof?
Leider nicht mehr so viel. Mit manchen Kollegen verbindet mich aber eine gute Freundschaft, mit Pia Hierz­egger beispielsweise.

Was gibt es beruflich Neues?
Ich schreibe an einem Drehbuch, einer Komödie, die in Kuba spielt. Ab September drehe ich zwei deutsche Kinofilme. Einmal den nächsten Rita-Falk-Krimi, Sauerkrautkoma, dort spiele ich wieder den Pathologen, und dann einen Film der „Wüstenblume“-Regisseurin Sherry Hormann in Südafrika.

 

„Ich freue mich, dabeigewesen zu sein, als alles begann.“

Schauspieler Michael Ostrowski

 

Gibt es eine Lieblingsrolle?
In der Trilogie Nacktschnecken, Contact High und Hotel Rock’n’Roll spiele ich dieselbe Rolle, zwischen dem ersten und letzten Teil sind 14 Jahre vergangen. Das finde ich spannend.

Welche Veränderung ist feststellbar?
Die Haare sind kürzer geworden!

Gibt es so etwas wie eine Wunschrolle? Vielleicht weg vom Lustigen?
Ich finde es nicht schlimm, lustige Rollen zu spielen. Warum nicht? Leute wollen das. Was aber nicht heißt, dass ich ausblende, was nicht so super läuft. Das ist ja das Gute am österreichischen Film, dass Lebensfreude und Lust gepaart mit Traurigem so gut funktionieren, siehe Helmut Qualtinger, Josef Hader oder das Theater im Bahnhof. Was die Wunschrolle betrifft, so bin ich zum Glück frei von Bedürfnissen. So lebt man glücklicher.

Was ärgert Sie? Strafzettel? Fragen nach dem Privatleben?
So ungefähr, in dieser Reihenfolge (lacht).

Was sorgt Sie?
Erderwärmung, Umweltzerstörung und Atomwaffen. Noam Chomsky hat die US-amerikanischen Republikaner als gefährlichste Organisation der Welt bezeichnet, weil sie auf die Vernichtung der Welt aus ist. Mich beschäftigt es sehr, wenn Menschen im Sinne des Kapitalismus ausgebeutet werden. Ich verstehe einfach nicht, wie offensichtlich für einige Wenige Politik gemacht wird, und genau diese Politiker dann von Massen gewählt werden. Ist ja bei uns in Österreich nicht viel anders. Das zeichnet sich ja jetzt schon im Wahlkampf ab.

Was würden Sie sich für Graz und das Lendviertel wünschen?
Ich sehe skeptisch, wenn in so hippen Vierteln wie Lend auf einmal die Preise steigen. Gutes Leben funktioniert nur, wenn Wohnen leistbar ist. Und nebenbei: Die Aufwertung des Viertels mit Lendwirbel etc. haben Initiativen ohne Geld ermöglicht.