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People | 08.07.2020

Vorhang auf!

Kunst, Kultur, Events – Covid-19 bedeutete eine Vollbremsung für die sonst so bunte Szene. Erste Lockerungen geben nun Hoffnung. Gespräche über ungewisse Zeiten und konkrete Vorsätze.

Text: Lissi Stoimaier, Stephanie Gaberle Fotos: Chris Singer, Lupi Spuma, Peter Gordebeke, Lisa Maria Trauer

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Marie Kreutzer
Filmregisseurin und Drehbuchautorin

Filmdrehs sind eine teure Angelegenheit und müssen gut und meist lange im Voraus geplant werden. Diese dann plötzlich zu unterbrechen, ist nicht nur organisatorisch schwierig, sondern vor allem finanziell eine große Herausforderung. Normalerweise decken Versicherungen etwaige Drehunterbrechungen ab. Aber mit Covid-19 rechnete wohl niemand – und so sind die Stopps auch nicht durch die Versicherungen abgedeckt.

Auch die renommierte Grazer Filmregisseurin Marie Kreutzer, bekannt für Filme wie „Die Vaterlosen“, „Was hat uns bloß so ruiniert“ oder „Der Boden unter den Füßen“ war aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen seitens der Regierung gezwungen, ihr aktuelles Projekt, den Landkrimi „Vier“, auf Eis zu legen. Sie weiß, wie hart die Maßnahmen die Branche treffen. „Gerade in der Filmbranche gibt es sehr unterschiedliche Arbeitsverhältnisse. Viele hat es sehr schwer getroffen. Und ich kenne nicht wenige, die beim Härtefallfond durchgefallen sind und jetzt mit wirklich existenziellen Problemen zu kämpfen haben.“ Die Absage der vielen Filmfestivals, wie der Diagonale Graz, war ein weiterer Schlag. „Filmfestivals sind einfach der Moment, wo man endlich sein fertiges Werk herzeigen kann. Das ist wie eine Belohnung für die Arbeit, die man hineingesteckt hat.“

 

Viele wurden von
den Maßnahmen
sehr schwer getroffen.

 

Fortsetzung folgt … Groß ist nun die Erleichterung bei Marie Kreutzer und ihren Kollegen, dass sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Im Herbst wird auch beim neuen Landkrimi weitergedreht. Aber warum erst im Herbst? „Wir hatten schon im März begonnen zu drehen. Dieses Material möchte ich auf jeden Fall auch verwenden. Eine sommerliche Naturkulisse wäre dabei nicht passend.“ Im Allgemeinen ist die Grazerin schon gespannt, wie die Sicherheitsmaßnahmen beim Dreh umzusetzen sind. „Die Abläufe werden sicher anders sein müssen. Bei Filmdrehs arbeiten viele Leute gleichzeitig. Das ist oft chaotisch – wenn auch ein organisiertes Chaos. Wie gut die neuen Abläufe unter Einhaltung etwa der Abstandsregeln funktionieren werden, weiß noch niemand so genau.“


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Paenda
Musikerin

Einmal nichts tun kann Paenda nicht – nicht einmal in dieser speziellen Zeit. Vor Kurzem hat Musikerin aus Horn ihre neue Single „Best of it“ veröffentlicht und demnächst folgt der nächste Coup. Die Ausgangsbeschränkungen hat die 32-Jährige sehr zweigeteilt erlebt. „Ich bin ja eher eine Stubenhockerin, also hat sich für mich zunächst nicht viel verändert. Und da man als Kreativschaffende die gewohnten Ups und Downs kennt, bin ich für die Zeit mit meiner Schwester zusammengezogen. In den sozialen Medien konnte man beobachten, dass sich die Inhalte verändern, auch Bekannte haben mir das bestätigt. Wenn man nicht die ganze Zeit up to date sein oder draußen was Spektakuläres leisten muss, fällt auch der Druck von vielen ab.“ Auch das Gefühl, immer nach links und rechts schauen zu müssen, wurde schwächer. „Man lernt ein bisschen, sich auf sich selbst zu konzentrieren.“
Ihre Tätigkeit als Gesangslehrerin konnte sie dank Online-Unterricht fortsetzen und konnte dabei selbst viel lernen. „Auch für uns war das zuerst nicht leicht, aber meine Schüler haben so viel dazugelernt und solche Fortschritte gemacht, dass ich richtig beeindruckt war. Und viele haben auch gesagt, dass ihnen unser Austausch in der Zeit geholfen hat.“

 

Stillsitzen kann
ich nicht gut.

 

Nonstop Musik. So gut der Online-­Unterricht funktionierte, so schwer war die Situation rund um mögliche Konzerte. „Normalerweise will man live spielen, wenn man seine Musik bewerben will, das Ganze hat bei vielen Kunstschaffenden also auch Auswirkungen auch auf das Release ihres neuen Projekts. Es wird natürlich auch viel in puncto Livestream-Konzerte ausprobiert. Das finde ich cool, aber man spürt schon fast eine gewisse Überschwemmung mit Home-Konzerten, da verliert man fast den Überblick.“ Bei Paenda ist die neue Single für Ende Juni/Anfang Juli geplant und, so viel sei schon verraten, es wird etwas ganz Besonderes und Sommerliches sein. Die nächste Single folgt im Herbst und ist ein weiterer Vorgeschmack für ihr Album in der Pipeline, das Anfang 2021 rauskommt. „Es gibt immer was zu tun“, lacht die Steirerin. Das Verschieben der Projekte kam nicht in Frage. „Ich bin ein Mensch, der versucht, das Beste aus Situationen herauszuholen. Als ich das Lied geschrieben habe, wusste ich natürlich noch nicht, wie gut das einmal passen wird, auch für die Krise – denn es geht ja um Beziehungen. Wir wollten eine Seite einer Partnerschaft zeigen, die jeder kennt: Man verbringt eigentlich jeden Tag miteinander, lebt aber nur nebenher. Diese Idee wollten wir auch mit dem Video aufgreifen – das alltägliche Leben zu zweit.“

Lernen für die Zukunft. Ja, in der Krise kann man viel lernen, aber hat auch die sympathische Musikerin neue Seiten an sich entdeckt? „Nein leider, backen und kochen ist einfach nicht mein Ding. Ich brauche natürlich meinen Sport und konnte da auch was beobachten: Ich wohne schon so lange in der Stadt und gehe laufen und radfahren – aber noch nie waren so viele Leute draußen wie jetzt. Wir lernen wohl erst, wie schön unser Umfeld ist und was wir haben, wenn wir mal nicht raus können. Vielleicht hilft uns das, auch unsere Umwelt bewusster wahrzunehmen und die Klimakrise nach der Coronakrise nicht zu vergessen. Es wäre doch schön, wenn wir uns alle etwas Gutes aus der Zeit mitnehmen – auch für die Zukunft.“


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Evamaria Salcher
Schauspielerin

Festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Graz: Seit der Spielzeit 2015/2016 ist Evamaria Salcher festes Ensemblemitglied am Schauspielhaus Graz und begeisterte in Produktionen wie „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard, „Der Zauberberg“ nach Thomas Mann oder „Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nestroy das Publikum. Doch aktuell bleiben die Bretter, die die Welt bedeuten, für die Schauspielerin versperrt und die Sitze leer. „Die Maßnahmen, die aufgrund von Covid-19 gesetzt wurden, waren wie eine Vollbremsung für die Szene“, erinnert sich die gebürtige Wienerin an den plötzlichen Auftritts-Stopp zurück.
Doch die persönliche Beschränkung der äußeren Freiheit nutzte Salcher zur Entdeckung der inneren Freiheit. „Als Schauspieler ordnet man sehr vieles dem Job unter und lebt nach einem sehr geregelten Tagesablauf. Proben, lernen, essen, Ruhezeiten, Vorstellungen – das sind die Hauptelemente des Alltags. Und plötzlich war da sehr viel Zeit.“ Doch das befreite auch auf eine gewisse Art und Weise. „Ich bin sehr viel spazieren gegangen, habe viel gelesen und auch wieder mehr geträumt.“

 

Auch in Ketten
können wir tanzen.

 

Tanzen in Ketten. Doch die Sehnsucht nach der Bühne lässt die Schauspielerin nicht los. „Ich freue mich schon auf die Begegnungen mit meinen Kollegen, den künstlerischen Austausch und natürlich die Vorstellungen.“ Die neuesten Lockerungen der Covid-19-Maßnahmen machen dies nun auch möglich. „Mit Anfang Juni starten langsam unsere Proben wieder.“ Nach der Vollbremsung geht es jetzt zumindest im Schritttempo wieder los. Wenn alles nach Plan verläuft, wird Salcher in der österreichischen Erstaufführung von „dritte republik“, die die Spielzeit 20/21 am 11. September eröffnen wird, zu sehen sein. „Das Stück hätte eigentlich schon im April Premiere gefeiert, musste aber natürlich verschoben werden.“ Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und so hofft das gesamte Ensemble, wieder mit voller Kraft loslegen zu können. „Auch wenn es Einschränkungen geben wird, werden wir wieder auf der Bühne stehen, denn auch in Ketten können wir tanzen.“


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Sandra Thier
Moderatorin und Unternehmerin

Eine Branche steht still. Gerade die Eventbranche haben die Maßnahmen der Regierung besonders hart getroffen. Veranstaltungen jeglicher Art waren nicht möglich. Aktuelle Lockerungen lassen nun endlich einen deutlichen Hoffnungsschimmer am Horizont erkennen. Auch für Moderatorin, Produzentin und Unternehmerin Sandra Thier waren die letzten Wochen eine Herausforderung. „Beruflich konnten wir in den letzten Wochen nicht drehen, das läuft jetzt zum Glück langsam wieder an. Privat waren die letzten Wochen geprägt von Entschleunigung und Sport, was auch einmal guttat. Diese Zeit war aber sicher nicht für alle Menschen leicht.“ Vor allem zu Beginn war die Situation sehr angespannt, da es jeden Tag andere Informationen gab und man unternehmerisch schauen musste, wie man alles regelt. „Die vielen Video-Calls mit Kunden und Mitarbeiter – daran musste man sich erst gewöhnen. Aber alles geht, wie man sieht“, versucht die Unternehmerin positiv zu denken. Sicherlich ein großer Vorteil für die Steirerin ist, dass sie mit ihrem Unternehmen „diego5 studios“ – eine digitale Video-Content-Agentur, die sie vor fünf Jahren gemeinsam mit Rudi Kobza gegründet hat – ein zusätzliches Geschäftsfeld hat und breit aufgestellt ist. „Das Influencer-Marketing funktionierte wirklich sehr gut und diego5 konnte sogar neue Kunden gewinnen.“

 

Krise heißt
auch Chance.

 

Chance nutzen. Wenn die Moderatorin einen Wunsch frei hätte, wäre es der Wunsch nach einer raschen Abwicklung der versprochenen Zahlungen an alle, die es benötigen. Denn wirtschaftlich ist es für viele eng und nicht einfach. Trotzdem versucht Thier immer den positiven Aspekt zu finden: „Krise heißt auch Chance, Zeit neu zu denken und mit neuen Produkten innovativ zu sein.“

Und auch wenn sich der Alltag langsam wieder vom Krisen-Modus verabschiedet, gibt es noch Punkte, die der Steirerin besonders abgehen: „Sich mit lieben Menschen unbeschwert zu treffen – ohne Maske und Regeln – und natürlich wieder reisen zu können. Darauf freue ich mich jetzt wirklich schon.“