Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 22.05.2020

#stayoptimistic

Gesundheitlich, beruflich, persönlich … Covid-19 betrifft uns alle. Steirer*innen erzählen, wie das Virus ihr Leben beeinflusst und was sie aber trotzdem Gutes für die Zukunft daraus mitnehmen.

Bild 2005_ST_EM_Vida.jpg
Vida Noa

Vida Noa
Sängerin

Nach Wochen des Bangens ist mittlerweile klar, dass das gesamte Musik-Jahr 2020 von massiven Ausfällen betroffen sein wird. Sängerin Vida Noa versucht, die positiven Aspekte in der Krise zu suchen – auch wenn das nicht immer leicht ist. Wie geht es ihr gerade als junge, aufstrebende Musikerin und wie kann sie ihre Kreativität in der Zeit trotzdem einsetzen? Wir haben nachgefragt.

Seit über 17 Jahren macht Vida Noa Musik. Im Jahr 2017 gewann sie den Fender Paramount Singer/Songwriter-Contest und war bei Soundportal mit zwei ihrer Singles auf Platz eins. Für 2020 waren unzählige Konzerte und Begegnungen geplant, doch wie es in der Branche nun weitergeht, ist ungewiss. Aktuell sitzt die 27-Jährige – wie so viele – zu Hause. Wie geht es ihr damit? „Ich bin ehrlich: Die Motivation lässt gerade zu wünschen übrig, aber ich mag mich auch nicht ständig zur Produktivität zwingen und lebe eher so in den Tag hinein. Das Unterbewusstsein ist in einer Dauerbelastung, also liege ich hin und wieder auch nur herum oder breche nach ein paar Tagen eine Yoga-Challenge ab. Es kann einem in dieser Situation nicht immer nur gut gehen – das lasse ich auch zu.“

Bewusster leben. Mittlerweile hat sie erkannt, dass es sich manchmal besser anfühlt, den Tag einfach intuitiv zu gestalten. „Ich höre viel in mich hinein und versuche wirklich herauszufinden, worauf ich im Moment Lust habe. Egal ob es um Schreiben, Musik, Yogamachen oder Spazieren geht – früher war das immer so ein leichter Zwang, das alles noch zu erledigen, um einen ‚erfolgreichen Tag‘ zu haben. Jetzt hör ich mehr auf mich, das fällt mir schon auf. Auch meine Mahlzeiten haben eine andere Bedeutung bekommen. Ich koche und esse viel bewusster, und das fühlt sich gut an. Mehr Schokolade als sonst nasche ich natürlich auch.“

Bild 2005_ST_EM_Vida#1.jpg
© Vida Noa

Chancen erkennen – Menschen erreichen. Vida Noa macht normalerweise Musik, die unsere Gedanken auf Reisen schickt – das funktioniert auch von daheim aus. Kürzlich hat sie mitten in der Krise ihre emotionale Single „Build a Bed in my Car“ veröffentlicht, am 8. Mai folgt das dazugehörige Album. Viele Musikschaffende verstärken gerade ihre Online-Präsenz durch Livestream-Konzerte oder diverse Challenges und auch die 27-Jährige hat sich mit Social Media angefreundet. Dem Thema stand sie davor lange skeptisch gegenüber, mittlerweile übt sie sich in Balance und lernt viel über sich selbst dazu. „Ich habe mich jetzt darauf fokussiert, die Menschen zu erreichen, die sonst zu meinen Konzerten gekommen wären. Lange hatte ich das Gefühl, dass mir Social Media meinen inneren Frieden nimmt. Nach ein bisschen Herumprobieren habe ich es jetzt als Tool akzeptiert und die Chance darin erkannt, mich mit den Menschen, die meine Musik hören, noch intensiver zu verbinden. Das ist die höchste Stufe der Nähe, die ich gerade geben kann.“ Diese Interaktion gilt es auszubauen ­– in der Musikbranche entstehen zurzeit verschiedenste originelle Ideen, um mit dem Publikum verbunden zu bleiben.

Self Love Club. Auch Vida Noa möchte die Beziehung zu ihrer Hörerschaft aufrechterhalten, deswegen hat sie auf Facebook die Gruppe „Self Love Club“ gegründet. Ihr geht es dabei nicht um das Sammeln von Likes, sondern um das Teilen von Emotionen. „Ich habe dadurch wieder erkannt, wie viel Spaß mir das kreative Schreiben macht. Ich weiß zwar, dass einige Menschen dieser introspektive Ansatz vielleicht nicht so interessiert. Aber ich denke, dass die Leute, die das bewusst lesen, sich zum Teil in meinen Gedanken wiederfinden können. So kann ich vielleicht die ein oder andere Person berühren. Trotz Social Distancing.“ Worauf sich die Musikerin wieder am meisten freut? „Auf Live-Konzerte hautnah. Ich will den Menschen wieder in die Augen schauen können.“ Und was ihr in der Zwischenzeit jeden Tag mit Sicherheit ein Lächeln ins Gesicht zaubert? „Ganz klar: Mein Hund. Mein Hund macht einfach alles besser.“


Bild 2005_ST_EM_StayStrong.jpg
© Harald Eisenberger

Petra Großschädl
Sax Eis

Diese Frau versüßt uns den Alltag. Beim Gedanken an die kreativen Kreationen wie Sesam-Honig, oder Safran-Pinie von Sax-Eis-Chefin Petra Großschädl wird es Eis-Fans warm ums Herz. Doch Covid-19 ging auch an der Grazer Unternehmerin nicht spurlos vorbei. „Natürlich waren die Auflagen wirtschaftlich nicht einfach für uns. Mit unserem Lieferservice haben wir, die Zeit so gut es geht überbrückt.“

Aber kein Schatten, wo nicht auch Licht ist. So hat die dreifache Mutter die diktierte Ruhe ums Geschäft dazu genutzt, über ihre Wünsche im Leben nachzudenken. Mit der Erkenntnis, einen neuen Abschnitt zu starten – im Gesundheitsbereich. „Berufstechnisch komme ich ja ursprünglich aus diesem Bereich. Ich habe vor rund 30 Jahren mit der Ausbildung zur Krankenschwester begonnen, diese dann aber aufgrund des immer besser gehenden Eisgeschäftes abgebrochen.“ Trotzdem begleitete sie die Medizin mit Tätigkeiten im diesem Bereich noch viele weitere Jahre.

Wertigkeiten ändern sich. Der Wunsch, „mehr zu tun“, schlummerte schon lang in der Unternehmerin. So wurde sie in den letzten Jahren auch vermehrt ehrenamtlich tätig, unter anderem für den Verein Lichtblick. Jetzt folgt der nächste Schritt. „Das Eis­geschäft macht mir nach wie vor große Freude. Wir gehen auch hier wichtige innovative Schritte – noch mehr Fokus auf Regionalität und die ohnehin schon sehr hohen Hygienestandards, zum Beispiel mit einem kontaktlosen Bezahlsystem, bei dem man auch mit Bargeld  zahlen kann. Das Unternehmen steht zum Glück so stabil da, dass es mir möglich ist, nicht mehr zu 100 Prozent vor Ort sein zu müssen. Diese Freiheit möchte ich nutzen und meine Ausbildung zur Krankenpflegerin fertig machen.“

Ein Wunsch, der auch aus persönlicher Betroffenheit in letzter Zeit verstärkt wurde. „Leider hatte ich im vergangenen Jahr in meinem engsten Umfeld zwei geliebte Menschen, die ich mithalf zu pflegen und die an Krebs verstorben sind.“ Schwere Erfahrungen, die Petra Großschädl aber nun bestärken, als Krankenpflegerin oder Hospizbegleiterin aktiv zu werden. „Ich bin gerne für Menschen da.“ Und das Alter? „Sehe ich als Vorteil. Ich bin fast 50 und habe viel Lebenserfahrung, die ich im Pflege- und Hospizbereich einbringen kann. Noch habe ich genug Zeit und Kraft, um für andere da zu sein, und diese Zeit möchte ich bestens nutzen.“


Bild 2005_ST_EM_Optimistic_.jpg
© Conny & Dado

Conny & Dado
Tanzlehrer

Als einer der Ersten in der Steiermark infizierte sich Tanzschullehrer Dado mit Covid-19. Für Ehefrau Conny kam viel auf einmal zusammen. Der einjährige Sohn Finn wurde zu den Großeltern gebracht. So konnte sich Conny voll auf Dado konzentrieren, der fast 18 Tage mit Corona kämpfte, und auf die Tanzschule, die immerhin 50 Mitarbeiter zählt und geschlossen werden musste. „Tag und Nacht waren so verschwommen – alle sind mit ihren Ängsten zu uns gekommen.“ Zu den Sorgen, die andere an sie kommunizierten, kamen die eigenen Sorgen um Dado, dem es stetig schlechter ging, und die Frage, ob sie mit Finn das Virus bei der Familie eingeschleppt hatten. Bis es Dado wieder besser ging und sie Finn holten, war auch die Tanzschule im sicheren Hafen. Trotz der vielen Unterstützung war die Zeit keine leichte. „Hier im Haushalt mit Sorgen und Ängsten bist du alleine.“

Familiengeschenk. Trotz der Strapazen rund um Covid-19 bringt die momentane Ruhe gerade viel Positives.  „Wir sind total dankbar, weil es auch geschenkte Zeit mit Finn ist.“ Dado unterrichtet sonst fast jeden Abend, arbeitstechnisch sind beide Eltern viel unterwegs. Diese Auszeit, die sie jetzt ihrem Sohn widmen, hätten sie sich sonst nie nehmen können. „Das ist ein großes Geschenk.“

Familienzeit. Schon vor Corona hatte die Familie ihre Alltagsrituale. „Wir unterhalten uns täglich darüber, wofür wir dankbar sind. Das hat sich sehr verstärkt.“ Söhnchen Finn soll die schönen und kleinen Dinge des Lebens ganz bewusst kennenlernen. „Wir waren immer ein bisschen unter Strom, da hatten wir nicht diese Muße, ihm alles in dieser Form zu zeigen.“

Dass einem zu Hause auch mal die Decke auf den Kopf fallen kann, versteht Conny gut. „Das Gedankenkarussell läuft immer weiter. Man sollte sich Momente nehmen, um für sich zu entdecken, wie man dieses Karussell stoppt und Grenzen zieht.“ Sie selbst nimmt dann ein Bad. „In dieser Phase muss man noch extremer auf sich aufpassen.“
Und zum Schluss? „Das Leben ist ein Tanz – dieser Leitsatz hat uns immer gut beraten. Das Leben ist Rhythmus und Probleme sind wie Rhythmusveränderungen: Man muss in Resonanz gehen und versuchen, die Harmonie zu finden. Dann hat man doch noch ein schönes Erlebnis.“