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People | 10.02.2020

„Es machte mich stärker“

Plötzlich auftretende, teils schwarze Pigmentflecken ließen Ricarda Huber lange an ihrem Äußeren zweifeln. Der Weg zu Akzeptanz und Selbstbewusstsein war kein leichter, dafür aber umso befreiender.

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© Thomas Luef

An Spiegeln ging Ricarda Huber vorbei, ohne hineinzuschauen, im Café bemerkte sie, wie Leute über sie reden, und bei jeder Gelegenheit wurden ihr ungefragt Tipps gegeben, wie die Moderatorin denn diesen Makel endlich loswerden könnte. Diesen Makel, der Anfang 20 plötzlich in ihr Leben kam. Mit dem Wechsel der Pille traten bei der Steirerin plötzlich starke Pigmentflecken auf, zum Teil waren sie sogar Schwarz. „Das war vor elf Jahren. Anfangs habe ich es erst gar nicht mit dem Wechsel der Pille verbunden.“ Als man dann die Ursache herausfand, änderte es auch nichts mehr an der Tatsache, dass die Flecken bleiben würden. „Von der Ferne sah es aus, als ob ich einen Oberlippenbart hätte. Darauf wurde ich oft angesprochen.“ Schwer, gerade in einer jungen Phase des Lebens, wo das Selbstbewusstsein noch nicht so gestärkt war.

Fassade aufgebaut. Schon damals arbeitete die heute 31-Jährige als Moderatorin. Selbstbewusst auf der Bühne zu stehen wurde oft schwierig. „Ich hatte das Gefühl, man muss auf der Bühne makellos sein. Auch sonst sah man auf Bühnen oder im Fernsehen ja immer nur perfekte Menschen.“ Schminken, schminken, schminken war also angesagt. Das Make--up war schon mehr Camouflage als dezenter Teint-Schmeichler. „Ich habe mir im wahrsten Sinne des Wortes eine Fassade aufgebaut.“
Aber nicht nur das berufliche Leben beeinflussten die Flecken. Da Sonne die Flecken noch verstärkte, begann die junge Frau diese zu meiden, die 50+-Sonnencreme wurde zum ständigen Begleiter und wenn sie mit Freunden schwimmen ging, mied sie das Wasser. Es hätte ja sonst das Make-up abgewaschen werden können. „Ich habe von Cremen über Aufheller bis zu Kosmetikbehandlungen alles ausprobiert. Mich mit meinen Flecken schön zu fühlen, konnte ich mir einfach nicht vorstellen.“ Auch nicht verwunderlich, wurde sie doch immer wieder darauf angesprochen. „Für Special Olympics war ich ein Jahr in Abu Dhabi. Die intensive Sonne hat meine Pigmentflecken wieder verstärkt. Ich kann mich noch gut erinnern, als nach einem Meeting der Geschäftsführer eines großen Unternehmens zu mir kam und mir empfahl, doch einmal zur Enthaarung zu gehen. Das hat mich sehr getroffen.“

 

Bild 2002_ST_EM_Ricarda.jpg
© Privat

Unperfekt perfekt. Dass es auch unperfekt perfekt sein kann, musste Ricarda Huber erst lernen. „Es kam der Punkt, da wurde ich müde, zu versuchen, die Flecken zu verstecken. Ich dachte mir, vielleicht kann ich einfach stolz darauf sein, und so habe ich langsam begonnen, sie als Teil von mir zu akzeptieren. Ein langer Prozess. Aber ich kann sagen, dass er mich selbstbewusster gemacht hat, gerade weil ich diesen Kampf mit mir selber ausmachen musste.“

Liebe-volle Unterstützung. Eine große Hilfe dabei war ihr Freund Knut. „Bevor ich ihn traf, habe ich nie etwas Positives über meine Flecken gehört. Mit ihm ist das anders.“ Wenn die Moderatorin heute das Haus verlässt, werden die Pigmentflecken bewusst nicht abgedeckt. „Ich betone an mir, was ich mag, und bin stolz, so rauszugehen und nicht mehr das Gefühl zu haben, mich verstecken zu müssen.“ Und wenn sie wieder darauf angesprochen wird? „Dann erkläre ich gerne, wie es dazu kam und dass die Flecken ein Teil von mir sind – den ich jetzt sogar mag.“