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People | 20.01.2020

Ein Tanz auf dünnem Eis

Mehr „Eiszeiten“ und einen Aufschwung durch die Eiskunstlauf-EM im Jänner wünschen sich die steirischen Staatsmeisterinnen – die erste sowie die bislang letzte – Sabine Wolfmajer-Paal und Denise Kögl.

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Text: Daniela Rittmansberger; © Thomas Luef

Die Eiskunstlauf-EM holt Sportler aus ganz Europa nach Graz. Wie wichtig ist diese Veranstaltung aus eurer Sicht?
Denise Kögl: Für den Grazer Eissport ist es enorm wichtig, dass in Erinnerung gerufen wird, dass es Eiskunstlauf noch gibt. Graz war immer eine Hochburg im Eiskunstlauf, wir haben Staatsmeister am laufenden Band produziert. In den letzten zehn Jahren – ich habe meine Karriere 2011 verletzungsbedingt beendet – ist das Ganze ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Die Erfolge sind ausgeblieben und die Eishalle ist von einer neuen Verwaltung übernommen worden. Deshalb ist es wirklich wichtig, dass das Thema medial aufgegriffen wird, um zu zeigen: Es gibt uns noch. Wir arbeiten hier nach wie vor mit Leidenschaft mit den Kindern bis hin zu den Erwachsenen. Die Europameisterschaft ist absolut wichtig und es ist bereits enormes Interesse da. Vielleicht bessert sich dadurch die Situation und wir bekommen wieder mehr Trainingszeiten zur Verfügung gestellt.
Sabine Wolfmajer-Paal: Ich finde es großartig, dass der Eiskunstlauf wieder aufgegriffen wird. Dieses Event gehört unbedingt promotet.

Wie hat sich der Eiskunstlauf im Laufe der Jahre verändert?
Sabine: Ich bin schon ein bisschen länger weg, 2005 habe ich das letzte Mal trainiert. Seither hat sich alles verändert. Eiszeiten (Trainingszeiten auf dem Eis, Anm. d. Red.) sind fast nicht mehr vorhanden. Früher haben wir drei bis vier Stunden am Tag trainiert. Damals war das ein richtig toller Sport. Heute habe ich den Eindruck, dass sich der Eiskunstlauf immer weiterentwickelt, was Technik und Leistung betrifft.
Denise: Eiskunstlauf hat sich vor allem mit der Einführung des neuen Wertungssystems geändert. Das ist mittlerweile fast 20 Jahre aus. Danach gab es einen Einbruch bei den Sprüngen, es wurde wenig ausprobiert. Aber dann ist es auf einmal explodiert, was Technik betrifft. Die Leistungen sind so fantastisch mittlerweile und man muss körperlich unglaublich gut trainiert sein, um international mithalten zu können. Mit unseren Eiszeiten ist es unmöglich, jemanden zur Staatsmeisterschaft zu bringen. Wir sind froh, wenn wir bei Hobbybewerben mitlaufen können. Es ist schwierig geworden, einen Vereinsbetrieb aufrechtzuerhalten, da es nicht mehr finanzierbar ist. Deswegen hört es nach und nach auf.


© Thomas Luef

Denise Kögl freut sich, dass bereits ein enormes mediales Interesse an der Eiskunstlauf-EM 2020 in Graz besteht.


© Thomas Luef

Talente finden und über die Jahre wieder aufbauen wäre der richtige Weg, findet Sabine Wolfmajer-Paal.

Was macht für euch diesen Sport aus?
Sabine: Eiskunstlauf ist günstig und es macht unglaublich Spaß, sich zu bewegen. Die Kinder kommen spielerisch in diesen Sport hinein. Ich bin eigentlich nicht so der extrovertierte Typ und trotzdem habe ich unglaublich gerne vor dem Publikum gezeigt, was ich gelernt habe. Meine aktive Laufbahn hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Die Zielstrebigkeit, das Nicht-Loslassen und das permanente Dranbleiben an einem Problem. Einen Sprung, der nicht funktioniert, übt man hundert Mal. Wenn man hinfällt, steht man wieder auf. Das alles habe ich gelernt. Und mit Misserfolgen umgehen zu können und mit Ungerechtigkeiten zurechtzukommen. Das alles macht einen stärker und für das spätere Berufsleben sind das unbezahlbare Werte.  
Denise: Wenn ich auf das Eis steige, spüre ich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe es geliebt, Sprünge und Pirouetten zu machen. Und ich habe es geliebt, die Musik auf dem Eis zu interpretieren. Das habe ich immer noch. Ich höre einen Song oder ein klassisches Stück und ich sehe mich selbst danach eislaufen. Es gibt wenig in meinem Leben, das mir ähnliche Glücksgefühle verschafft. Durch das Eislaufen habe ich eine unglaubliche Disziplin gelernt und die Welt kennengelernt. Ich habe mir viel mitnehmen können von den Erfahrungen, die ich gemacht habe. Mich fragen oft Menschen, ob ich nicht das Gefühl habe, etwas verpasst zu haben. Nein, das habe ich nicht.

Was müsste sich im Eiskunstlauf ändern?
Sabine: Man müsste sagen: Ihr kriegt jetzt wieder jeden Tag drei Stunden Training. Man müsste Talente finden, sie behalten und über die Jahre wiederaufbauen. Zu meiner Zeit gab es noch die Pflicht. Dabei musste man Figuren auf das spiegelglatte Eis zeichnen. Das war meine Passion und das habe ich drei Stunden am Tag üben dürfen. Heutzutage fehlt ohne die Pflicht mittlerweile oft die Basis des Eiskunstlaufs. Präzision hat man sicher durch dieses Training gelernt.
Denise: Wir haben gelernt, wirklich gut hauszuhalten, und trotzdem fehlt es am Geld. Das Wichtigste wäre, dass die Eismieten geändert werden und die Saison verlängert wird. Und die Awareness gegenüber dem Sport hat sich verändert. Viele Eltern sind nicht mehr bereit, Zeit und Geld zu investieren. Wenn das Kind talentiert ist, müssen die Eltern bereit sein, es zu unterstützen und einen Teil des eigenen Lebens aufzugeben. So ist das im Leistungssport.

Wie seid ihr selbst zum Eislaufen gekommen?
Sabine: Ich bin in einem Skiurlaub das erste Mal auf dem Eis gestanden und habe geschrien wie am Spieß. Ein Jahr später hat mich meine Mutter zum Eislaufkurs in die Halle in Liebenau gebracht und ich bin geblieben. Damals war ich vier Jahre alt. In der Volksschule hatte ich erst dreimal in der Woche Training, danach jeden Tag.
Denise: Ich bin quasi am Eis aufgewachsen. Meine Mutter hat selbst Eiskunstläufer trainiert und mich in der Trage mitgehabt. Mit 18 Monaten habe ich dann angefangen mit dem Eislaufen, weil ich das unbedingt wollte. Ich habe mit meiner Oma trainiert, die im Eiskunstlauf viel ins Leben gerufen hat. Und heute stehe ich nach wie vor vier Mal in der Woche mit meinem Baby in der Trage auf dem Eis.


Eiskunstlauf-EM 2020 in Graz

Vom 20. bis 26. Jänner findet die Eiskunstlauf-EM in der Eishalle in Premstätten-Schwarzlsee statt. 150 hochkarätige Sportler aus ganz Europa zeigen bei der Europameisterschaft Eiskunstlauf auf Weltklasseniveau. Karten sind über Ö-Ticket erhältlich.

Infos:
www.graz2020.com