Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 23.11.2019

Bio? Logisch!

Zurück zu den Wurzeln, aber das mit extrem modernen Ansätzen – Hotelchefin und STEIRERIN-AWARD-Gewinnerin Ulli Retter hat ihr Hotel zum Leitbetrieb in puncto Nachhaltigkeit gemacht.

Bild 1911_ST_ME_Retter-2.jpg
© Mia's Photoart

Diese Frau brennt für die Sache, und das spürt man – beim Spaziergang über die Quittenbaumhänge, in der Brotbackstube, beim Verkosten der selbstgemachten Eiscreme oder bei der Besichtigung des Hotels. Wenn Ulli Retter, ihres Zeichens Chefin im 4-Sterne-Seminar- und Wellnesshotel Retter in der Ost-steiermark, beim gemeinsamen Rundgang über ihren Retter erzählt, ist die Leidenschaft dafür förmlich greifbar.
Nachhaltigkeit ist im Hotelbetrieb am Pöllauberg nicht nur eine wohlklingende Worthülse, sondern ein in jedem Essen, jedem neu gesetzten Baustein, in jedem Mitarbeiter verinnerlichtes Konzept. Treibende Kraft dahinter: Ulli Retter. „Wir versuchen, die Sehnsüchte der Menschen zu erfüllen. Jeder will auf Urlaub fahren, aber will gleichzeitig dabei keinen großen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Dazu können wir einen Beitrag leisten.“

Von der Pike auf. Ihre Liebe zum sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln und ihren intensiven Kontakt zur Natur hat die dreifache Mutter schon als Kind mitbekommen. Aufgewachsen als Tochter von Gastronomen in Nestelbach bei Graz, wurde immer ein geschlossener Lebensmittel-Kreislauf vorgelebt. Verschwendet wurde nichts. „Wir hatten immer Sommerfrischler zu Gast. Das Essen, das übrig geblieben ist, haben dann die Schweinderl bekommen. Rüben und Kukuruz haben wir selbst angebaut, die Oma hat einmal in der Woche Brot gebacken und die Schweine wurden dann auch irgendwann geschlachtet. Es war einfach alles wertvoll. Und diesen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln haben wir schon als Kinder inhaliert.“

 

Bild 1911_ST_ME_Retter-1-3.jpg
© Mia's Photoart

Moderne Wurzeln. Vor 27 Jahren hat Ulli Retter mit ihrem Hermann die große Liebe gefunden und konnte im Familienhotel ihre Prinzipien und Ideen weiterverfolgen. Die Küche ist seit 2004 bio-zertifiziert, Eis, Kräuter, Säfte, Schnäpse, Brot und vieles mehr werden selber im Haus hergestellt, Plastik-Strohhalme oder Möbel aus Kunststoff sucht man vergeblich, das Regenwasser wird gesammelt und für die Klospülungen genutzt, in die Decke eingebautes Wasser wird zum Kühlen und Heizen der Räumlichkeiten verwendet, technische Hilfsmittel lokalisieren mögliche Energiefresser, Lebensmittel, die nicht selbst hergestellt werden können, werden von Lieferanten aus der Region bezogen … die Liste der Nachhaltigkeits-Maßnahmen könnte noch lange fortgesetzt werden. „Wichtig ist uns, zurück zu unseren Wurzeln zu gehen, aber dabei total modern zu sein.“
Der letzte große Meilenstein ist mit der Fertigstellung des Retter Bio-Guts gelungen. Gleich neben dem Hotel-Hauptgebäude gelegen, können hier selbst gebackenes Brot, Speiseeis, Kräuter, Marmeladen, Destillate und Produkte von mehr als 40 Biobauern der Region gekostet, gekauft und genossen werden. Außerdem werden Seminare wie Bienenwiegenbau-Kurse, Bokashi-Workshops, Brotback-Kurse, vegane Kochkurse, Kräuterworkshops sowie Führungen durch die Produktion und das energieoptimierte Gebäude geboten. „Wir haben rund 1,2 Millionen Euro in unser Bio-Gut investiert. Das amortisiert sich natürlich nur sehr langsam, aber es erfüllt uns dermaßen mit Freude, vor allem weil es für die Gäste alles so gläsern macht, und um das geht es mir. Der Gast kann sich bei uns einfach sicher sein.“

 

 

Der respektvolle Umgang
mit Lebensmitteln
ist uns besonders
wichtig.

– Hotelchefin Ulli Retter

Voller Energie für die Sache. Bei einem Hirschbirn-Saft g’spritzt – sozusagen der Signature-Drink des Hotels – erklärt die Hotelchefin, woher sie die ganze Energie nimmt, die Projekte umzusetzen und auch schon neue in Planung zu haben. „In unserem Beruf leben wir mit den Freuden der Menschen. Die Leute kommen zu uns zum Feiern, zum Genießen, zum Urlauben, für Seminare – und wenn man gibt, bekommt man so viel zurück.“ Viel positives Feed-back bekommt sie auch für das nachhaltige Konzept. „Es kommen auch häufig Schulklassen und schauen sich unser Hotel an. Ich finde es entscheidend, gerade bei der Jugend mit dem Thema Nachhaltigkeit anzusetzen.“ Da verwundert es nicht, dass Ulli Retter auch der „Fridays for Future“-Bewegung einiges abgewinnen kann. „Greta Thunberg stärkt das Bewusstsein für das Thema. Sie ist ein Vorbild für viele und bewegt viele. Das muss man als 16-Jährige einmal schaffen.“

Bild 1911_ST_ME_Retter-5.jpg
Ort des Genusses: Das Retter Bio-Gut. © Mia's Photoart

Man lernt nie aus. Das Interesse der Jugend merkt Retter auch bei ihren Lehrlingen. Wo andere Betriebe um junge Mitarbeiter kämpfen müssen, gibt es im Retter kein Problem, was den Nachwuchs anbelangt. „Alleine heuer haben wir wieder fünf tolle neue Lehrlinge aufgenommen. Dadurch, dass wir zu 100 Prozent bio und zu 100 Prozent regional arbeiten, verwerten wir nur Tiere, die wirklich im Freiland gelebt haben. Das ist gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel nur zwei Prozent aller Schweine in Österreich wirklich bio sind. Und genau dieser wertschätzende Umgang mit Lebensmitteln spornt die Lehrlinge an.“ Junge Menschen, von denen auch die arrivierte Hotelchefin noch gerne lernt. „Wenn ich etwas lernen will, dann gehe ich genau zu jenen Lehrlingen, die erst kurze Zeit da sind, und frage sie, was sie gut, aber auch was sie weniger gut im Betrieb finden. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie die jungen Leute mitdenken und was da für Antworten kommen. Sie sind meist sehr reflektiert und hinterfragen im Allgemeinen vieles sehr kritisch.“

Zukunftsaussichten. Da Stillstand ein Rückschritt ist – und wer Ulli Retter kennt, weiß, es geht bei ihr eher immer zwei Schritte nach vorne –, ist Neues schon in Planung. „Wir werden uns umbennen. Nachdem der Retter jetzt schon so ein großes Ganzes ist, mit der Bio-Landwirtschaft rundherum, mit der Bio-Zertifizierung, die wir seit 27 Jahren haben, und all den anderen Maßnahmen, ist es an der Zeit, dies noch mehr nach außen zu tragen. Deshalb werden wir uns in ,Bio Naturresort Retter‘ umbennen“ – ein weiteres Projekt, das konsequent von Ulli Retter umgesetzt wird und sicherlich nicht das letzte seiner Art sein wird. 

www.retter.at

Bild 1911_ST_ME_Retter-10.jpg

Homemade: Vom Brot bis zum Eis wird im 4-Sterne-Hotel Retter so
viel wie möglich selbst produziert. © Mia's Photoart

Bild 1911_ST_ME_Retter-1-4_02.jpg

Homemade: Vom Brot bis zum Eis wird im 4-Sterne-Hotel Retter so
viel wie möglich selbst produziert. © Mia's Photoart

Bild 1911_ST_ME_Retter-11.jpg

Homemade: Vom Brot bis zum Eis wird im 4-Sterne-Hotel Retter so
viel wie möglich selbst produziert. © Mia's Photoart