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People | 16.11.2019

Neue alte Lieblinge

Individualität braucht nichts Neues, findet Lydia Kramberger. Mit ihrem Vintage-Label „Beaux Chouchous“ verkauft das Grazer Model Second-Hand-Mode.

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Bild 1911_ST_KuBs.jpg
© Oleg Borisuk

Beaux Chouchous, das bedeutet schöner Liebling. Ein Name als Symbol für alte Schätze, die zu neuen Lieblingsstücken werden. Seit einem Jahr verkauft die 19-Jährige Fundstücke aus Kleiderschränken und Flohmärkten über ihren Onlineshop und Instagram und lebt auch selbst im #thrifted-Trend: Neu gekauft wird nur in Ausnahmefällen. Die STEIRERIN hat die kreative Studentin in ihrem Atelier in Graz besucht.

Wie bist du auf Vintage gekommen?

Ich wollte etwas Gutes tun. Und wenn man was träumt, ist die Chance da, es zu verwirklichen.
Durch meine Modelagentur in Wien bin ich weiter in die Modebranche reingeschlüpft. Ich wollte aber nichts Neues machen, weil unsere Welt schon genug Neues hat. Da kam die Idee, neue Outfits aus alten Sachen zusammenzustellen. Es kommt ja alles wieder in Mode. Unsere Generation strebt so nach Individualität: Mit Second-Hand kann man aus vielen verschiedenen Kategorien unterschiedlichste Stile kreieren. Man muss demnach nichts neu Fabriziertes kaufen, um individuell zu sein. Hinzu kommt der Umweltschutz, die große Geld­ersparnis, endlose Kreativität durch ausbleibende Kombinationsgrenzen und der Spaß, sich mit Dingen zu beschäftigen, die schon eine Geschichte haben.

Kaufst du noch „normal“ ein?

Zu 100 rozent „thrifted“ schaffe ich es noch nicht, aber im letzten Jahr habe ich vielleicht zwei Teile neu gekauft. Immerhin: Wenn eine Freundin einen coolen Pulli ein paar Jahre trägt und dann nicht mehr will, nimmst du ihn sofort, oder? Man wäscht ja alles gründlich durch, dann sehe ich keinen Grund, warum etwas Gebrauchtes schlechter sein sollte als etwas Neues. Dass die Klamotten so viele Jahre halten, spricht zudem für ihre Qualität. Ich war erst auch vorsichtig, aber irgendwann gab es nichts mehr, was gegen Second-Hand sprach – bis auf das Mindset. Du musst dich halt da­rauf einstellen können, die Dinge haben ihre Energie. Ich finde das aber schön.

Woher bekommst du die Mode für Beaux Chouchous?

Bis jetzt bin ich viel auf Flohmärkte gegangen, oft fragen mich auch Bekannte, ob ich was abnehmen kann. Ich schaue mir die Sachen dann durch und spende das, was ich nicht brauche, an Humana oder Carla. Die Klamotten stelle ich dann in den Onlineshop und auf Instagram, wo sie erworben werden können. Irgendwann hätte ich aber gerne einen eigenen Shop – ich muss Stoffe immer fühlen, bevor ich sie kaufe.

Du bist selbst ziemlich modisch unterwegs.

Für mich ist es eine eigene Kunst, Outfits zusammenzustellen. Wie ein Kostümbildner: Du kannst jeden Tag jemand anderes sein, deine Stimmung hervorheben oder sie beeinflussen. Heute bin ich zum Beispiel ganz in Gold, weil ich mich strahlend fühle und strahlen will. Es macht mir Spaß, etwas richtig Krasses anzuziehen. Ein Outfit muss nicht immer viel Haut zeigen und sehr eng sein, damit man Aufmerksamkeit bekommt. Es muss einfach „bäm“ sein.

Wenn du dein Outfit so trägst, als würdest du gerade von einer Fashion Week kommen, wird man dir das auch abkaufen. Du musst dich darin wohlfühlen, es gibt keine Regeln und keiner darf darüber urteilen, was gut und was schlecht ist. Also trau dich ruhig mal was!

www.beauxchouchous.com