Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 31.10.2019

Helferin auf dem Weg ins Leben

Maria Christine Gantschnigg hat mit dem Hebammenzentrum Voitsberg eine neue Anlaufstelle für Schwangere und Jungmamas geschaffen. Was die STEIRERIN-AWARD-Gewinnerin am Hebammen-Beruf liebt, welche Rolle Väter bei der Geburt spielen und wie Fruchtbarkeit gelingt.

Bild 1909_ST_LE_Gantschnigg-1.jpg
Hebamme Maria Christine Gantschnigg hat bereits 4.000 Babys ins Leben geholfen. © Thomas Luef

Es ist der 15. Mai 2019. In der Seifenfabrik in Graz findet gerade die feierliche Gala der STEIRERIN AWARDS statt, bei der mitunter die Hebamme Maria Christine Gantschnigg einen Award in der Kategorie „Die Lokalheldin“ überreicht bekommt. Für die Gründung des Hebammenzentrums in Voitsberg, das seit der Schließung der Gebärabteilung im örtlichen Krankenhaus einen 24-Stunden-Hebammendienst und eine Anlaufstelle für Schwangere und frischgebackene Mütter aus der Region bietet. Sie nimmt den Preis entgegen, spricht freudig ihre Dankesworte und macht sich sogleich wieder auf den Weg in den Kreißsaal in der Privatklinik Ragnitz, um ein gesundes Mädchen, Paula, zur Welt zu bringen. Abrufbereit sein, zu jeder Tages- und Nachtzeit, gehört in ihrem Beruf eben dazu. Auch an Abenden wie diesen. „Ich liebe und lebe meinen Beruf schon seit 30 Jahren. Mit 14 Jahren war mir schon klar, dass ich den Hebammen-Beruf einmal ausüben möchte“, erinnert sich die freiberufliche Hebamme Maria Christine Gantschnigg. Seither hat sie rund 4.000 Babys auf dem Weg ins Leben geholfen. Und ihren Müttern beim Bewältigen der Geburt. Doch dazu gehöre laut Gantschnigg mehr, als nur Hebamme zu sein. Die Rolle der Freundin, Vertrauten, Helferin und des Ruhepols müsse die Hebamme ebenso einnehmen. „Ich möchte jeder Frau eine private Höhle mit dem für sie passenden Drumherum bieten. Jede Schwangere ist anders, jede Geburt braucht ihren intimen Raum und individuelle Maßnahmen, um aus dem Geburtserlebnis ein schönes zu machen.“ Die Geburten ihrer eigenen drei Kinder, als frau noch keinen intimen Platz in der Klinik hatte, um alleine zu gebären, haben sie selbst bis heute geprägt. Daher möchte die Wahlhebamme stets eine Wohlfühloase schaffen, in der die Gebärende in Ruhe Wehen verarbeiten und sich gehen lassen dürfe. Das gelingt etwa mit unterstützenden Methoden wie Craniosakraltherapie, geburtsvorbereitender Hypnose, Akupunktur mittels Laser und vielen mehr, in denen die Hebamme ebenso firm ist und so individuell Erleichterung schaffen kann. Eine Berufung statt bloß Beruf, wie sie selbst meint. Kein Wunder also, dass Maria Christine Gantschnigg ihre Leidenschaft zum Hebammen-Beruf an ihre Tochter weitergegeben hat.

Bild 1909_ST_LE_Gantschnigg-3.jpg
Die helfende Hand. © Thomas Luef

„Aber auch die Rolle des Mannes im Kreißsaal ist mir stark bewusst geworden“, erklärt Gantschnigg, die mittlerweile bei jeder ihrer Geburten die Väter mit dabei hat. „Man darf den Zeitpunkt nicht übersehen, wo der Mann während der Geburt zur Ablenkung für die Gebärende wird. Männer sollten im Kreißsaal eher die Rückenstärkung der Frauen sein und ihre Position hinter ihnen beziehen. Frauen wollen es nämlich nicht, dass ihre Männer zu viel sehen.“ Der Fluchtweg nach draußen steht den Männern dabei immer offen, auch wenn dieser heutzutage kaum noch genutzt wird. „Werdende Väter sind im Gegensatz zu vor 30 Jahren bei den Hebammengesprächen und bei der Geburt ihres Kindes dabei. Sie wollen Teil dieses Erlebnisses werden und auf ihre Weise Frauen unterstützen.“

Regionale Hilfe. Wie wichtig die Unterstützung für Schwangere ist, ist Maria Christine Gantschnigg 2013 auf ganz neue Art bewusst geworden, als die Gebärstation im Landeskrankenhaus Voitsberg geschlossen wurde: „Ich hatte das dringende Bedürfnis, etwas für die werdenden Eltern des Bezirkes zu tun, die plötzlich keine Anlaufstelle in näherer Umgebung mehr hatten, und habe zusammen mit zwei weiteren Hebammen, Doris Klug und Mirjam Neuhold, das Hebammenzentrum Voitsberg mit einer 24-Stunden-Rufbereitschaft gegründet“ – als Schnittstelle zwischen Schwangeren, Gynäkologen und Krankenhaus.

 

Die Rolle des Mannes im Kreißsaal
ist heute genauso wichtig.

Maria Christine Gantschnigg

 

Auf rund 80 m2 erstreckt sich das vom Land Steiermark geförderte Hebammenzentrum, in dem die drei Voitsberger Hebammen Schwangere und junge Mütter während den Öffnungszeiten empfangen. Und seit Juni steht ein weiterer großer Raum für Geburtsvorbereitungskurse, die Gantschnigg zusammen mit ihren Kolleginnen abhält, bereit. Sonst sind die Wahlhebammen 24 Stunden in telefonischer Bereitschaft, um Schwangeren aus dem Bezirk mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Danach werden Schwangere in das Krankenhaus nach Wolfsberg oder Graz weitergeschickt. „Auffällig ist, dass immer mehr schwangere Frauen für die Geburt ihres Kindes eine Zusatzversicherung abschließen, um im intimeren Umfeld zu entbinden.“ Rund 35 Prozent ihrer Klientinnen ziehen eine Privatklinik den Landeskrankenhäusern für die Entbindung vor.

Doch bis dorthin kann es ein langer Weg für Paare mit Kinderwunsch sein, weiß auch die Wahlhebamme: „Um die 20 Prozent der Frauen haben mittlerweile Probleme, spontan schwanger zu werden. Je länger das Schwangerwerden nicht funktioniert, desto mehr wird es zum Thema und dann spielt wiederum der Kopf eine große Rolle.“ Das zeigten ihr schon Klientinnen, die ihr erstes Kind mittels IVF auf die Welt brachten und danach doch nochmals spontan schwanger wurden. Ihr Hebammen-Tipp: „Das hat mit dem psychischen Loslassen zu tun. Man muss den Kindern selbst die Zeit geben, wann sie kommen dürfen, und sich nicht auf einen Monat fixieren.“

Bild 1909_ST_LE_Gantschnigg-2#1.jpg
Das Hebammenzentrum in Voitsberg ist Anlaufstelle für Schwangere und Jungmamas. © beigestellt