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People | 26.10.2019

Wir sollten einiges über Bord werfen

Eva Rossmann legt in ihren Kriminalromanen ihre Finger auf die Wunden der Gesellschaft. In ihrem neuen könnte das Thema nicht heißer sein: Es geht um den Klimawandel.

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© Manfred Buchmann

Die Autorin Eva Rossmann ist gebürtige Grazerin und lebt seit vielen Jahren im Weinviertel. Mit „Heißzeit 51“ hat sie ihren 20. Roman geschrieben, in dem sie wieder ihre Kommissarin Mira Valensky auf Tätersuche schickt. Es geht um eine ermordete Klimaaktivistin und das brandaktuelle Thema Klimaschutz.

STEIRERIN: Frau Rossmann, Sie wirken immer fröhlich, dabei haben Sie mit Ihren Themen, über die Sie schreiben, stets einen Finger auf den Wunden unserer Gesellschaft.

Eva Rossmann: Ich beschäftige mich halt mit einem kleinen Stückerl unserer Welt, das kann man nicht nur positiv sehen. Doch meine Protagonistin Mira Valensky und ich sind Optimistinnen. Wir müssen tun, was geht, und das ist noch eine ganze Menge.

Sie sind ja ein sehr politischer Mensch. Schreiben Sie Romane, weil Sie dort Handlungen besser steuern können als in der Realität?

Das wäre schön, nein, im Gegenteil: Ich kann in Romanen zwar etwas über einen Teil der Welt schreiben, letztlich müssen die Leser entscheiden, was sie daraus machen und wie sie damit umgehen. Ein fiktiver Fall im Krimi hat ja auch etwas Befreiendes, viele Menschen lesen sie deshalb, weil immer ein kleines Bisschen gelöst wird. Das wirklich Böse ist ja so gut wie nie fassbar, leider auch nicht durch unsere Gesetze. Im Krimi wird der eine oder andere überführt, das hat schon was. In Zeiten, wo so vieles unsicher ist, glaubt man ja, die Bösen kommen nie dran.

Und was sagt die politische Person Eva Rossmann über die Gesellschaft?

Leider ist österreichische Innenpolitik zu wichtig, um sich darüber lustig zu machen – was ich oft am liebsten tun würde. Aber sie bestimmt nun einmal, wie wir miteinander leben, deshalb müssen wir uns damit beschäftigen. Nehmen wir das Thema Klimaschutz, da glaubt ja eine Partei noch immer, dass die Welt eine Scheibe ist. Und andere Parteien halten die Menschen für zu dumm, um ihnen wichtige Sachen zuzumuten, etwa den Umbau des Steuersystems, damit die Welt für alle gerechter wird.

Gerade in puncto Klima sieht es ja nicht gerade rosig aus. Woher nehmen Sie Ihre positive Haltung?

Weil wir auch sehen, wie man es besser machen könnte. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in einer Welt leben, in der es uns unglaublich gut geht. Gerade in Österreich, in Europa, haben wir selbst so viel in der Hand und können es für künftige Generationen noch regeln. Und warum sollen nicht einmal die Vernünftigen die Oberhand bekommen? In meinem Buch habe ich den Satz verfasst: „Es ist gar nicht so einfach, die Welt zu retten“, was ironisch gemeint ist und eigentlich bedeutet: „Was sollen wir sonst noch alles tun?“ Aber ich denke, es zahlt sich aus zu kämpfen, allein schon für künftige Generationen. Die Welt ist zu schön und der Erde ist es wurscht, ob es uns gibt oder nicht, dem Klima auch.

Wie sehen Sie hier die junge Generation?

Ich hoffe auf die Jugend! Bei einer der letzten Lesungen waren junge, gescheite Frauen von Fridays for Future, die unglaublich gut diskutiert haben. Es ist ihnen wichtig, respektvoll mit einem Thema umzugehen, und sie haben es begriffen. Wenn wir es schaffen, Klimaschutz modern zu machen, haben wir schon viel gewonnen.v

 

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„Heißzeit 51“ heißt der neue Roman von Eva Rossmann. Er ist erschienen im Folio Verlag.

Sie kochen ja gelegentlich im Gasthaus Zur Alten Schule in Riedenthal im Weinviertel, wo Sie wohnen. Brauchen Sie das zum Ausgleich?

Es ist eine perfekte Ergänzung. Ich habe schon mit 13 Jahren gern gekocht. Es professionell zu machen, kam mir durch den Kriminalroman „Ausgekocht“. Ich recherchierte dafür, wie es in Profiküchen zugeht. Gründliches Recherchieren ist mir wichtig, weil man das, worüber man schreibt, auch wirklich kennengelernt hat. So bin ich in Manfred Buchingers Küche gekommen. Im Anschluss machte ich noch die Kochprüfung, ich bin also ausgebildete Köchin. Von Entspannung ist man in einer Profiküche weit weg, man lernt aber, im Team zu arbeiten. Wenn ich schreibe, ist das ja eine einsame Arbeit.

Was fasziniert Sie am Kochen?

Wenn ich koche, muss es sehr schnell sein, kreativ und ein gutes Ergebnis bringen, das schnell gegessen wird. Beim Schreiben dauert es ein Jahr, bis ich das Ergebnis vor mir habe. Ich finde beides fein.

Sie tun einfach, was Ihnen Spaß macht, oder? 

Ja, aber ich habe gute Voraussetzungen dafür. Das wäre sicher anders, wenn ich für Kinder oder eine Familie zu sorgen hätte, Menschen oder einen Hof zu pflegen. Ich brauche relativ wenig Rücksicht nehmen. Mein Mann hat selbst Geld, ich habe immer gut verdient. Somit kann ich tun, was ich will Man muss manchmal einfach Neues machen. Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben, gerade Frauen sollten sich mehr zutrauen.

Sie waren Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens. Was würden Sie Frauen diesbezüglich sagen wollen?

Eine wirkliche Wahlmöglichkeit im Leben geht nur über ein eigenes Einkommen. Zudem sind Beziehungen glücklicher, wenn man finanziell nicht aneinander hängt, weil man frei entscheiden kann. So habe ich Emanzipation immer verstanden, es kommt ja aus dem Lateinischen „emanzipare“, aus der Hand befreien. Ich persönlich möchte nicht an der Hand genommen werden, wenn ich eh gehen kann, sondern selbst entscheiden, mit wem ich Hand in Hand gehe.

 

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© Mannfred Buchmann

Um beim Klimathema zu bleiben: Das hatten wir ja schon in den 1980ern, Angst vor Waldsterben, vor dem Ozonloch. Was ist der Unterschied von damals zu heute?

Ich hoffe ja ganz stark, dass das Thema nicht als Hype gesehen wird. Da geht es um die Zukunft, das muss unsere Handlung prägen und bestimmen. Die gute Nachricht ist, dass das noch möglich ist. Für meinen Roman „Heißzeit 51“ habe ich viel recherchiert und auch Fakten dazu niedergeschrieben. Mir war wichtig, dass ich Lesern und Leserinnen nicht meine Meinung unterbreite, sondern dass ich das gesamte wissenschaftliche Spektrum ausführe. Schon im 19. Jahrhundert hat ein Wissenschafter den Zusammenhang zwischen Erderwärmung und CO2 in der Luft nachgewiesen und bestätigt, dass das menschengemacht ist. Er konnte nachweisen, dass die fossilen Brennstoffe die Ursache sind.

Was können Sie, was kann ich, was können die Leserinnen beitragen?

Da ist einiges zu tun, das ist nicht unbedingt eine negative Nachricht, denn es gibt vieles, was man über Bord werfen könnte, ohne von heute auf morgen klimaheilig zu werden. Viele Wege etwa sind in Städten zu Fuß lustiger als mit Öffis, manche mit Öffis angenehmer als mit dem Auto. Früher bin ich oft nach Deutschland zu Lesungen geflogen, heute fahre ich lieber mit dem Zug. Denn Fliegen ist ja auch nicht unaufwendig. Man muss nicht auf so viel verzichten, sondern überlegen, ob es nicht einfach bessere Alternativen gibt. Beim Essen etwa tut es uns nicht besonders gut, amerikanisches Rind zu essen, das seit einem halben Jahr tiefgefroren ist. Es ist doch feiner, Fleisch vom Bauern zu kaufen, den ich auch noch kenne. Weniger Fleisch, mehr Gemüse, das alles schränkt uns nicht wirklich ein und ist gesünder. Gleichzeitig tut es der Welt gut.

Ein schönes Leben ist für Sie …?

Gemeinsam mit Menschen zu sein, die ich mag, schauen, reden, essen, genießen, Neues entdecken, einfach offen bleiben für die Welt. Bei einem guten Leben, das wir uns in Europa immer noch leisten können, geht es um positive Gemeinschaft und darum, immer wieder das Kleine, das Neue zu entdecken und weniger das Große, Spektakuläre. Und das geht bei uns im Weinviertel und in der Steiermark besonders gut.