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People | 09.10.2019

Mehr Toleranz

Er wolle nicht in einer Welt leben, in der Zäune um Länder oder Gärten gezogen werden, sagt Michael Schickhofer. Wir sprachen mit ihm und seiner Gattin über Werte, die schon Kinder brauchen.

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Ulrike und Michael Schickhofer. © Aldin Bektas

Michael Schickhofer wurde durch die Aufkündigung der Partnerschaft mit der ÖVP in einen vorzeitigen Wahlkampf gezwungen. Darüber ist er alles andere als glücklich. Mit der STEIRERIN sprach er darüber und gewährte mit Gattin Ulrike auch Einblicke in das Familienleben.

STEIRERIN: Reden wir bitte über Werte. Was ist aus den einenden Werten der Sozialdemokratie geworden: Gleichstellung, Ganztagsschule? Wir leben in einer Welt, die gefühlt in „wir“ und „die Anderen“ unterteilt ist und immer weiter auseinanderdriftet.
Michael Schickhofer: Das Verbinden und Zusammenführen ist uns nach wie vor ein wichtiges Anliegen. Mit der Absage an die Koalition wird nun ein Stil gepflegt, wo der Handschlag nicht mehr zählt. Wir stehen weiterhin für unsere Werte, wir wollen nicht in einer Welt leben, in der Mauern um Länder oder Gärten gezogen werden. Ich denke, unser Miteinander wird bestimmt durch einen Austausch, durch Zuhören, sich in andere Menschen hineindenken. Egal, ob das die Beziehung, Familie, die Politik oder Gesellschaft ist. In der Familie sollten wir es jedenfalls vorleben. Privat wie beruflich ist mir das Thema Gleichstellung wichtig. Beide haben wir unsere Karriere, ich freue mich über Ullis Weg als Steuerberaterin. Genauso wie ich meinen Job gerne mache, arbeitet Ulli gern. Das soll immer möglich sein. Ich bin ja für das 30:30-Modell, dass also jeder Partner 30 Stunden arbeitet. Damit müsste ein gutes Leben möglich sein.

Welche Grundwerte sehen Sie für Erziehung und Politik gleichermaßen?
Ulrike Schickhofer: Toleranz. Mein Mann und ich sind tolerant von Grund auf. Mir ist auch wichtig, das meinen Kindern (2, 8 und 10, Anm.) beizubringen. Vorurteile, Auseinandersetzungen kann man ihnen erklären, ohne in eine Wertung zu gehen. Wir reden viel und mir ist das gemeinsame Frühstück wichtig, die einzige Möglichkeit am Tag, wo alle zusammensitzen und reden.
M. Schickhofer: Uns ist dabei wichtig, dass sich nicht der Stärkere durchsetzt. Unser Gregor hat mit zwei Jahren auch seine Vorstellungen, die wir ernst nehmen.

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STEIRERIN-CR Daniela Müller im Gespräch mit Ulrike und Michael Schickhofer. © Aldin Bektas

Wie sieht es aus mit der Toleranz in der Politik?
M. Schickhofer: Wie Eltern einen Rahmen vorgeben, um den Kindern zu zeigen, was im Leben wichtig ist und wo sie Halt finden können, braucht es in der Politik Rahmenbedingungen, innerhalb derer man sich bewegt. Was das politische Miteinander betrifft, so ist es wichtig, jeden Menschen mit seinen Werten, Begabungen zu sehen, bevor man ihn oder sie in Kategorien einteilt.

Wie oft kommen Sie überhaupt mit Ihren Kollegen und Kolleginnen ins Gespräch?
M. Schickhofer: Man geht nach Verhandlungen noch etwas trinken, das habe ich im Nationalrat und im Landtag so gehabt. Sich zu unterhalten und gemeinsam Spaß zu haben, geht auch über die Fraktionsgrenzen. Miteinander kann so viel lösen, und das geht besser, als wenn man sich nur mit Drohungen begegnet. So gesehen bin ich enttäuscht über das Verhalten des Landeshauptmannes, der mir nie gesagt hat, dass er an unsere Partnerschaft nicht glaubt und andere Pläne hat. Eine gewisse Streitkultur gehört dazu,  in der Politik und der Familie.

Wie steht es um die Streitkultur bei Ihnen zu Hause, streiten Sie vor Ihren Kindern?
U. Schickhofer: Wir bemühen uns, es nicht zu tun, aber wenn es notwendig ist, muss es sein. Streiten ist nun einmal Realität. Ich lasse auch die Kinder ihre Probleme untereinander lösen, greife nur dann ein, wenn es wirklich sein muss.

Wie und wo nehmen Sie sich Auszeit?
M. Schickhofer: Ulli und ich waren letztens für ein paar Stunden in Blumau, wir wohnen gleich neben dem Märchenwald, wo wir oft mit den Kindern spazieren gehen. Das Durchatmen tut einfach gut. Mir wurde daheim für bestimmte Zeiten auch ein Handyverbot auferlegt (lacht), es darf dann nur mein Katastrophentelefon eingeschaltet sein.