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People | 22.09.2019

Film ab!

Andrea Dietrich, Creative Director bei Gonzomedia, über ihren unkonventionellen Weg in die Branche und wann es bei der privaten Selbstinszenierung auf Social Media weniger sein soll und mehr sein darf.

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Wissen, was man will – und was nicht: Andrea Dietrich setzt bei Gonzomedia Menschen in Szene. © Thomas Luef

Als gebürtige Gamlitzerin fand Andrea Dietrich das südsteirische Idyll zwar reizvoll, aber in seiner Überschaubarkeit doch zu eng für ihren Wunsch, sich kreativ auszuleben. „Meine Eltern haben mir den Freiraum gegeben, für mich selbst zu entscheiden“, erzählte sie. Und so sagte Andrea Dietrich dem elterlichen Weinbaubetrieb in Gamlitz Adieu und heuerte nach ersten Erfahrungen in der Gastronomie für ein Praktikum in Markus Rengers Grazer Agentur für PR, Videoproduktion und Events an.

Heute zeichnet die 24-Jährige bei Gonzomedia bereits als Chief Customer Officer Content Creation & Organisation für die gesamte Produktion von Videobeiträgen, Social-Media-Clips, Image-Filmen und mehr verantwortlich. Sie bereitet als Allrounderin Drehs akribisch vor, schreibt je nach Auftragsprojekt auch Drehbücher und sichtet oft stundenlanges Material. Wenn Kunden professionell in Szene gesetzt werden,  geht es für jeden von ihnen zuallererst um die Fragen: „Wer bin ich? Was will ich präsentieren? Was ist meine Botschaft? Wen will ich erreichen“, sagt Andrea Dietrich, „man sollte wissen, was man will.“ Das klinge zwar einfach, ist es aber nicht immer unbedingt.

Selfie-Time. Diese grundlegenden Fragestellungen lassen sich auch auf die boomende private Selbstinszenierung in Social-Media-Kanälen übersetzen. Welche Tipps kann Andrea Dietrich denn da für den Hausgebrauch geben? „Ich finde, Authentizität ist absolut wesentlich. Ich bin keine Freundin davon, alles glattzubügeln und zu Tode photozushoppen.“ Wenn man guten Content schaffen will, dann brauche es eine  durchdachte Story, die man erzählen will. „Ein Konzept ist wichtig. Es gibt natürlich unzählige Möglichkeiten, zu kopieren. Man sollte aber lieber seinen eigenen Stil leben.“

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Creative Director bei Gonzomedia, Andrea Dietrich. © Thomas Luef

Passiert dieser Findungsprozess allerdings erst im Zuge der öffentlichen Auftritte auf diversen Kanälen, so kann das durchaus schnell für Irritation beim Zielpublikum sorgen. „Es geht auch nicht darum, einfach alle Kanäle  mit einer Unmenge an Content ,vollzustopfen‘, nur um etwas zu posten. Oft ist weniger mehr.“ Natürlich sei es auch spannend, – wohl überlegt und dosiert – hinter Kulissen zu blicken,  Dinge zu erfahren, die man sonst nie erfahren würde: „Schönes und nicht so Schönes, Emotion schafft man durch echtes Leben. Aber Aufmerksamkeit um jeden Preis, über Leichen zu gehen für Klicks, das ist für mich undenkbar“, betont sie. Special Effects? Wenn es stimmig ist, durchaus, „für sehr emotionale Inhalte weniger, für Action-­Videos mehr“. Zu viel Inszenierung, zu viel künstliches Konstruieren hält sie für kontraproduktiv: „Wesentlich ist nicht, wie bringe ich viele Effekte unter, sondern wie erziele ich durch gekonntes Setzen von Schnitten die größtmögliche Bildwirkung auf  Zuschauer.“

Altbauabenteuer. Privat renoviert Andrea Dietrich gemeinsam mit ihrem Freund gerade eine Altbauwohnung in Graz. Bis auf wichtige Installationen und spezielle Arbeiten wie Sternparkettböden wird fast alles selbst gemacht. Bei diesem längeren Abenteuer gäbe es reichlich Stoff für Facebook, Instagram und Co. „Ich rücke aber lieber andere in den Mittelpunkt. Es muss nicht jeder alles wissen. Man sollte sich durchaus auch auf ein Privatleben ohne unentwegtes Internet besinnen.“