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People | 10.09.2019

Der Ton Macht die Musik

Gabriele Kolar ist die neue steirische Landtagspräsidentin. Ab Herbst wird sie in politischen Diskussionen mitunter zur Ordnung rufen. Ein Gespräch über Politik, Gesellschaft und gutes Benehmen.

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© Thomas Luef

Wenn es um die Form des gesellschaftlichen Miteinanders geht, hat die neue Landtagspräsidentin Gabriele Kolar ihre Prinzipien. Gutes Benehmen gehört unabdingbar dazu. Ihren Job als Lehrerin hat Kolar zugunsten der Politik an den Nagel gehängt, sie war Landtagsabgeordnete und Vizebürgermeisterin von Judenburg. Seit Bettina Vollath in die EU-Politik gewechselt ist, bekleidet Kolar das Amt der Ersten Landtagspräsidentin. Sie ist überzeugt, auch als dortige Hausherrin den guten Ton in politischen Diskussionen bewahren zu können. Seit Sommer ist sie in Amt und Würden, Urlaub gab es keinen, sie nutzte die vergangenen zwei Monate, um sich in der neuen Aufgabe einzufinden. „Ich freue mich, wenn es im Herbst losgeht“, sagt sie, auch wenn eine heiße Periode zu erwarten sein wird – was das brandheiße Thema Klimaschutz betrifft, wo es Entscheidungen brauche, sowie den anstehenden Wahlkampf.

 

"Egal ob in der politischen
Diskussion oder mit Schülern:
Es braucht mehr Respekt."

– Gabriele Kolar


Ruhe bitte! Als Landtagspräsidentin wird sie ab Herbst das eine oder andere Mal die Glocke zur Hand nehmen müssen, um zur Ordnung zu rufen. Ob es dabei große Unterschiede gäbe zwischen Schülern und Politikern? Kolar lacht und meint, dass es durchaus Ähnlichkeiten gebe. Ihr Schlüsselwort ist Respekt. Den brauche es nicht nur bei Kindern, sondern auch in politischen Diskussionen: nie unter die Gürtellinie gehen, Wertschätzung zeigen, das Gegenüber ernst nehmen, die Meinung in höflichem Ton formulieren. „Ich habe beispielsweise nie Schüler vor der ganzen Klasse gemaßregelt, notwendige Gespräche fanden immer unter vier Augen statt“, erklärt Kolar. „Wie heißt es so schön? Wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück. Das ist und war für mich immer eine wichtige Grundlage.“
Den Frust vieler Wähler über die politische (Un-)Kultur versteht sie. Talkshows, in denen wahllos durcheinandergeredet wird, in denen ausschließlich parteipolitische Interessen verfolgt werden, ohne auf die eigentliche Sache einzugehen, Populisten, die mit fragwürdigem Verhalten Wahlen gewinnen, einfach weil sie die lautesten waren und die griffigsten Slogans hatten. „Die Menschen wollen doch Lösungen und keine parteipolitischen Streitereien, dass das nicht begriffen wird?“

Menschen einbinden. Ob sie der zunehmende Populismus traurig macht? „Ich verstehe es nicht. Schließlich hatten wir es schon einmal in der Geschichte, dass wir auf Populisten hereingefallen sind.“ Umso wichtiger sei es, die Demokratie zu schützen und der Bevölkerung Ängste zu nehmen, statt sie zu schüren. „Bei den Wahlergebnissen sieht man das ja immer schön: Populisten gewinnen dort, wo es die Probleme, die sie gerne beklagen, gar nicht oder nur kaum gibt.“
Für mehr Verständnis für Demokratie und gesellschaftliches Miteinander gehörten die Menschen stärker in die politische Arbeit eingebunden werden. Kolar spricht zudem die Einladung aus für notleidende, arme oder kranke Menschen, die sich nicht melden, obwohl wir Hilfe geben könnten. „Von denen gibt es leider sehr viele in unserer Gesellschaft.“ 

 

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© Thomas Luef

Kinder sind klug. Was Demokratie oder gesellschaftliche Verantwortung bedeute, könne man den Kindern schon ab dem Kindergartenalter beibringen, „ich bin überzeugt, dass das in den Einrichtungen auch schon geschieht“, sagt die frühere ehrenamtliche Vorsitzende der Volkshilfe Murtal. „Generell bin ich der Meinung, dass Eltern mit ihren Kindern schon früh über ernstere Themen sprechen können – ohne Handy oder Fernseher nebenbei“, betont sie. Kinder lernen – in der Schule, vom Verhalten der Eltern, die immer Vorbilder seien.

Ihr Lottosechser. Positiv denken und versuchen, zu helfen, wo es geht: Das ist das Selbstverständnis der neuen Landtagspräsidentin. Sehr stolz ist sie auf die beiden Söhne, die mit ihren Partnerinnen und jeweils zwei Kindern in Berlin und Wien leben. Zwei Prämissen hatte sie damals bei der Erziehung: Liebe und Konsequenz, „man muss Grenzen setzen“. Bei manchen Entscheidungen erbat sie sich Bedenkzeit über Nacht, „als Eltern, die es gut mit den Kindern meinen, sagt man schnell einmal Nein, wenn das vielleicht gar nicht berechtigt ist“. Ihre persönlichen Lottosechser: „Das sind meine Söhne und die Tatsache, dass ich in Österreich geboren bin.“