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People | 15.08.2019

Vom Träumen & Schäumen

Die STEIRERIN-AWARD-Gewinnerin in der Kategorie „Die Trendsetterin“, Gabriele Maier, mengt ihren Naturseifen modische wie gesundheitsfördernde Zusätze bei und kreiert in ihrer Seifenmanufaktur „Kräuterschön & Hanfschön“ moderne Seifenkunst.

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STEIRERIN-AWARD-Gewinnerin in der Kategorie „Die Trendsetterin“, Gabriele Maier. © Thomas Luef

Völlige Stille. Nur das monochrome Rühren durchbricht sanft die ruhigen Abendstunden, während der schwüle Duft von hochwertigen Pflanzenölen und Seife in die Nase steigt. Ruhe braucht es, um Seifen herzustellen. Die totale Konzentration und die Möglichkeit, über offene Türen die Kinder zu hören, die bereits schlafen, wenn Mama in ihrer heimischen Werkstätte auf kreative Weise Lauge und Fett zu Seife wandelt. So ist es zumindest bei Gabriele Maier von „Kräuterschön & Hanfschön“, mitten im grünen Joglland. Im Takt ertönt ein feines „Kling“, immer und immer wieder. Mindestens zwölf Mal hintereinander, dann ist ein ganzer Seifenblock in gleichmäßige Stücke geschnitten und jedes Stückchen gibt den Blick auf ein malerisches Innenleben, das jedes Seifenelement zum unikaten Kunstwerk macht, frei. Es ist ein vertrauter Ton für die Familie, dieses „Kling“, das aus der Seifenmanufaktur hallt und sogar bis ins obere Stockwerk des Hauses zu vernehmen ist. Dann arbeitet Gabriele „unten“ und haucht einem alten Handwerk zeitgemäßes Leben ein – mit Kräutern, Farbpigmenten, Düften, modellierten Details und mit Hanf. Gabriele Maier ist nämlich Seifensiederin, Kräuterpädagogin, Pionierin, STEIRERIN-AWARD-Gewinnerin … und Mutter.

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Seifenkunstwerke aus biologischen Zutaten und in hübschen Designs. © Thomas Luef

„Die Kultur eines Volkes richtet sich nach dem Verbrauch an Seife“, sagte einst Freiherr Justus von Liebig. Dass diese zur eigenen Kultur von Gabriele Maier wurde, schreibt sie eher ihrer Liebe zur Natur zu. Diese habe sie, so die Seifenmacherin, nie losgelassen, so lange nicht, bis sie sich ihr hauptberuflich hingegeben habe. Das begann zunächst mit der Ausbildung zur Kräuterpädagogin, die sie neben dem Betrieb ihres Kosmetikstudios absolvierte, auch heute noch führt und den Höhepunkt in der Seifenmanufaktur fand, die sie professionell zu Hause im Keller des Hauses eingerichtet hat. Dort avancieren biologisch zertifizierte Seifen zu gestalterischen Meisterwerken, die optisch wie kleine Süßspeisen anmuten. In 47 Seifensorten. „Selbst die Herstellung gleicht der Tätigkeit einer Zuckerbäckerin. Somit hat meine Schulzeit in der Tourismusschule wohl doch Sinn gemacht“, scherzt Gabriele Maier und zeigt auf einen noch ungeschnittenen, braunen Seifenblock, der an Tiramisu erinnert. Den Durchbruch vor erst zwei Jahren schaffte sie mit ihrer „Rosenschön“-Naturseife, bei der die Steirerin ihre künstlerische Ader auslebt. „Seifenleime werden zur Seife weiterverarbeitet, bis sie sich leicht modellieren lassen. Das ist dann wie Marzipanformen.“ So fertigt sie kleine, rote Rosenblüten und platziert diese als schmuckes Topping auf jedem Seifenstück. Das Seifensieden hat sie im Blut, autodidakt erlernt, gibt sie jeder Seifensorte mit besonderen Farbverläufen, Verzierungen und gestalterischen Raffinessen wie mit Einlegearbeiten einmalige Optik mit. Das ist neu daran. Aber auch die Verarbeitung mit Hanfölen, die ihre speziellen Hanfseifen veredeln und bei diversen Hautproblemen helfen. „Keine zwei Minuten von hier gibt es einen Hanfbauern. Ich fragte: ,Franz, hast du ein Hanföl?‘, und so war die Idee für meine Hanfprodukte geboren.“ Heute stellt sie aus Hanföl nicht nur Seife her; auch aus der Wasserdampfdestille gewonnenes Hanf-Hydrolat, das als pflegendes Gesichtswasser oder Haarpflege verwendet wird, erweitert ihr Naturkosmetik-­Sortiment.

Seifen herstellen
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Schön dekoriert machen die Seifen gleich noch mehr her. © Shutterstock

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Mit viel Liebe zum Detail entsteht das Seifen-Topping. © Shutterstock

Heimarbeit. Welche heilenden Wirkungen und Bräuche mit Kräutern verbunden sind und was sich aus dem, was vor der Tür wächst, alles machen lässt, zeigt Gabriele Maier auch Schulkindern im Joglland. In Wenigzell, um genau zu sein. Ihrer Heimat. Und weil ihre Heimarbeit bereits über die Grenzen hinaus geht, möchte sie auch die Kräuterkunde bald in vielen weiteren Schulen unterrichten. Das tut Gabriele Maier mit aktiven Kräuterwanderungen, mit Seifenherstellung, Räuchern und einer Sonnenwendfeier, bei der Brauchtum ein Thema ist. „Kinder kennen heutzutage kaum noch Wald- und Wiesengewächse. Dabei ist Natur ein elementarer Teil von uns und sollte den Kindern nahegebracht werden.“

Welche Ideen sie noch hat, wollen wir von der „Trendsetterin“ wissen: „Viele Betriebe melden sich bei mir, damit ich aus ihren Produkten wie Honig, Wein, Schnäpsen und sogar Alpakawolle Seifen produziere“, so Maier. „Und ja, mit so allerhand lässt sich Seife originell veredeln.“ Die passenden Rezepturen dazu kommen aus ihrer Feder, genauso wie weitere Ideen mit dem Gewächs Hanf. „Für die Gala der STEIRERIN AWARDS habe ich extra ein Kleid designt und aus Hanfstoffen herstellen lassen. Daher denke ich jetzt auch schon an eine kleine Hanfkleider-Kollektion.“ Was fix folgen wird, ist der eigene „Kräuterschön & Hanfschön“-Onlineshop. Damit Träume nicht nur (Seifen-)Schäume bleiben.

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Gabriele Maier bietet im Bereich Kräuterpädagogik Workshops für Schulkinder an. © Thomas Luef