Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 30.04.2019

Geht nicht gibt's nicht

Ihre Eltern prägten sie politisch, Tito-Anhänger traf daheim auf Kapitalismus-Befürworter. Heute ist Michaela Grubesa selbst Politikerin, die ihren eigenen Weg gefunden hat.

Bild 1904_ST_LE_Grubesa-1.jpg
© Thomas Luef

Sie gilt als kritischer Kopf in der Landes-SPÖ, und sie scheut keinen Konflikt: Michaela Grubesa, Landtagsabgeordnete und umtriebige Kämpferin für Frauenthemen aus Aussee. Ihre politische Prägung hat sie in ihrer Familie erfahren. Die Eltern stammen aus Ex-Jugoslawien, daheim wurde mit Leidenschaft diskutiert, was nun die bessere Zukunft bedeute: Titos Kommunismus oder der Kapitalismus. Selbst hat sie früh begonnen, Zeitungen zu lesen und sich zu informieren, um mitdiskutieren zu können. Welche Meinung hat sie letztlich unterstützt?  „Ich war neutral, die Schweiz quasi“, sagt Grubesa lachend.

Politisch aktiv wurde die gebürtige Radstädterin in der Sozialistischen Jugend, von dort holte man sie in die Landespolitik. Die Mutter habe sie mit ihren feministischen und um Selbstständigkeit bemühten Ansichten sehr geprägt, deshalb habe sie schon früh ihre politische „Homebase“ in der SPÖ gesehen. Kämpferisch sei sie schon immer bei Themen rund um Antifaschismus gewesen, mit der ersten Blau-Schwarzen-Regierung im Jahr 2000 sei sie auch auf Demonstrationen gewesen, ein für sie probates Mittel, um Missstände aufzuzeigen – wie aktuell die Schülerdemos für den Klimaschutz. Politische Verdrossenheit bei jungen Menschen nimmt Grubesa nicht wahr, auch wenn die Themen auf der persönlichen Agenda rasch wechselten: War es im Vorjahr die Zentralmatura, stehe man heute für Klimaschutz auf.

 

Ich kenne genug Alleinerzieherinnen,
für die es finanziell schwierig ist,
Jolly-Stifte zu kaufen.

Michaela Grubesa,
Politikerin

 

Für die schwächelnde Sozialdemokratie sieht Grubesa genügend Themen, die man besetzen müsse, die „fehlende Frauenpolitik“ der aktuellen Regierung beispielsweise oder der Familienbonus, der letztlich nicht jenen zugute kommt, die ihn dringend bräuchten. „Ich kenne genug alleinerziehende Mütter, für die es finanziell schon schwierig ist, Jolly-Stifte zu organisieren“, betont sie. Armut sei immerhin zu 70 Prozent weiblich. „Die aktuelle Regierung ist darauf bedacht, heterosexuellen, intakten Familien Geld zukommen zu lassen. Und wo wird gespart? – Bei Frauen, vor allem bei Alleinerzieherinnen.“
Als Frau mit Migrationshintergrund sieht sie manche politischen Themen aus einem anderen, liberaleren Blickwinkel, letztlich sind es aber  Frauenthemen, die sie antreiben, etwa aufzuklären, dass Erwerbstätigkeit finanzielle Unabhängigkeit und Schutz vor Armut bedeutet. Frauen bräuchten wirkliche Wahlfreiheit, wie sie ihr Leben verbringen wollen, ohne dafür angegriffen zu werden, betont die Politikerin. Diese Diskussionen ließen sich mit der Ganztagsschule ohnehin vermeiden, ist sie überzeugt.

Dass Fremdbetreuung letzten Endes gerne angenommen wird, erlebt sie immer wieder, oft in Gemeinden mit konservativer, meist männlicher Führung. „Da heißt es gern: ‚So etwas brauchen wir nicht, wir haben eh die Oma.‘ Und gerade in diesen Regionen platzen die Einrichtungen innerhalb kürzester Zeit aus ihren Nähten“, schildert Grubesa. Letztlich müssten sich die Gemeindeführer fragen, warum Landflucht ein weibliches Phänomen ist und gut ausgebildete Frauen in die Städte zögen.

Als politisches Vorbild nennt Grubesa „ex­trastarke Feministinnen“, wie Johanna Dohnal es war. Sie sieht es auch als ihre Aufgabe an, aktiv auf Frauen zuzugehen, um sie für politische Teilhabe zu gewinnen. „Wir sollten Quoten schaffen, dass 40 bis 50 Prozent der Gremien weiblich besetzt sind.“

Auf ihre Ziele in der Politik befragt, antwortet sie spontan: „Ich wäre gern eine Frau, über die meine Tochter einmal sagt: Ich bin stolz auf das, was sie gemacht hat. Ich selbst bin meiner Mutter sehr dankbar für das, was sie mir mit auf den Weg gegeben hat.“

Bild 1904_ST_LE_Grubesa-3.jpg
© Thomas Luef