Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 22.04.2019

Der Sound ihres Lebens

Petra Stambolija aus Deutschlandsberg schreibt Lieder, seit sie zehn Jahre ist. Unter ihrem Künstlernamen Vida Noa veröffentlicht sie die erwachsenen Songs auf ihrem neuen Album.

Bild 1904_ST_FR_Vida-2.jpg
© Thomas Luef

Manch musikaffiner Mensch ist ja der Meinung, musikalisches Temperament finde man nur am Balkan, wo das Gefühl für Rhythmus und Leidenschaft mit der DNA weitergegeben wird. So in etwa war es bei der kroatischstämmigen Petra Stambolija, deren Vater in Deutschlandsberg ein Musikgeschäft führte und der Tochter alles für eine musikalische Karriere Nötige mitgab. Als Vida Noa startet sie jetzt mit ihrem ersten gleichnamigen Album durch, Vida ist ihr zweiter Vorname und Noa klingt einfach gut dazu.

Während also der Papa Musikinstrumente verkaufte oder als Musiker auf Hochzeiten aufspielte, sang die Tochter daheim vor sich hin. Irgendwo im Internet, erzählt Petra, kursiert noch ein Video, in dem sie mit fünf Jahren Britney Spears „Hit me baby one more time“ singt, der Papa hatte die Tochter damals in seinem Homestudio aufgenommen. Sie lernte Keyboard in der Musikschule, ließ das aber bald bleiben und brachte sich Gitarrespielen selbst bei. Der Vater zeigte ihr die ersten drei Akkorde von „Knocking on Heavens Door“, den Rest erledigte quasi besagte DNA. Die ersten Lieder, die sie mit Freundinnen schrieb, hatten noch Spaßfaktor, mit den Jahren wurde die Musik ernster. Was Sound und Styling betrifft, war ihr Vorbild lange Zeit Avril Lavigne samt ihrer Baggypants. „Sie selbst“ wurde Stambolija in der Pubertät, die Melancholie des Erwachsenwerdens verarbeitete sie musikalisch: Herzschmerz, Beziehungen, die in die Brüche gehen, kurz: „die Buben“. Mit 15 sang sie ihrem Vater ein sehr persönliches Liebeslied vor, der meinte, das klinge „amtlich“, und der Freunde und Kunden engagierte, um gemeinsam den Song aufzunehmen. Superpeinlich sei es damals gewesen, erzählt Stambolija und lacht, aber letztlich eine gute Möglichkeit, um die Schüchternheit zu überwinden. Diese erste Studioerfahrung zeigte ihr auch, was es bedeutet, ein Lied von Anfang bis zum Ende zu produzieren. Dieser Auftritt war zudem ein Kick-off für ihre Schulband, mit der sie fortan live performte. 

 

Bild 1904_ST_FR_SFZ_P_Vida-1.jpg
Gerhard Burda fördert Talente. In seinem Music Incubator wurde auch das Album produziert. © Thomas Luef

Ihre Songs entstehen meist aus Gedichten, die sie vertont, nicht selten kommen die Ideen für eine passende Melodie in der Nacht. Die Grundstimmung ihres Songwritings beschreibt sie als emotional, aber nicht schwermütig, denn letztlich achtet sie darauf, dass ihre Sounds im Rahmen des Mainstreampops bleiben. Der englischen Sprache bleibt sie verbunden, nicht zuletzt, weil sie mit englischsprachiger Musik aufgewachsen ist. Zudem sei es um einiges einfacher, sich auf Englisch poetisch schön auszudrücken als auf Deutsch. Musik ist für sie auch Werkzeug, um sich besser verstehen zu können, sagt Stambolija. Das schönste Gefühl sei, beim Livekonzert genau das zu spüren, was einen angetrieben hat, den Song zu schreiben, und genau das dem Publikum zu vermitteln.

Ihr Studioalbum, das Mitte April auf den Markt kommt, wurde im Music Incubator am Schwarzlsee aufgenommen und von Max Bieder (Klimmstein) und Toti Denaro produziert, eine gelungene Zusammenarbeit, wie Stambolija betont. Wie ihre Lieder klingen sollen, habe sie im Kopf, Bieder ließ ihre Musik „atmen“, der Multi-Instrumentalist Denaro brachte sich kreativ ein. Am 17. Mai ist Album--Release im Grazer P.P.C.

Obwohl sie ihren Bachelor in Architektur fertig hat, ruhen diese beruflichen Ambitionen erst einmal. Die 26-Jährige gibt sich ein Jahr Auszeit, um festzustellen, ob sie von der Musik alleine leben kann. In kleineren Clubs groß geworden, die ihr die Kommunikation mit dem Publikum lehrten, wäre sie nun bereit für die größeren Bühnen. Dennoch bleibt sie bescheiden: Statt wie in Teenagerjahren die Welt erobern zu wollen, sei ihr nun wichtiger, die Freude an der Musik nie zu verlieren, „sie ist schließlich die einzige Konstante in meinem Leben“. Ihr Anspruch an Musik? Sie müsse fesseln und sollte im Idealfall ein „emotionaler Energieaustausch“ sein. Musik, egal ob von Frauen oder Männern gemacht, sollte der kreative Output von Menschen sein, die das Bedürfnis haben, sich selbst verstehen und über sich sprechen zu wollen, sagt Stambolija. Und das so ehrlich wie nur möglich.


Release

Das Album Vida Noa wird am 17. Mai um 19 Uhr im Grazer P.P.C. präsentiert.