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People | 21.03.2019

Yes, we can

STEIRERIN-AWARD-Gewinnerin Lisa-Maria Sommer hat als Kind gelernt, an sich selbst zu glauben, aber auch an die Kraft des ­Miteinanders. Heute kümmert sie sich in ihrem Business um andere.­

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"Es wäre schön, wenn wir nicht über Geschlechterrollen redeten, sondern über Individuen." Lisa-Maria Sommer © Bubu Dujmic

Mit Mitte 20 hat die Steirerin Lisa-Maria Sommer nicht nur gewusst, was sie will, sondern auch, was Österreich braucht: Während viele die Flüchtlingsbewegung 2015 als Gefahr für den heimischen Arbeitsmarkt sahen, gründete sie das Start-up „More Than One Perspective“. Das Projekt, das asylberechtigte Menschen an passende Unternehmen vermittelt, erhielt auch international Anerkennung: Im Vorjahr wurde Sommer mit der Mitgründerin Nina Poxleitner von Forbes in die besten 30 unter 30 aufgenommen – der dritte Begründer, Julian Richter, war schon über 30.

Dass sie als Frau etwas erreichen kann, war für Lisa-Maria Sommer immer klar. Aufgewachsen ist sie mit zwei Brüdern und Eltern, die zu Hause die Gleichberechtigung vorgelebt haben. Nicht zuletzt galt es, sich gegen die beiden älteren Brüder durchzusetzen. Schon mit 15 Jahren verbrachte Sommer ein Auslandssemester in England und fuhr einmal die Woche zur Tanzstunde nach Wien. „Ich habe schon früh Dinge selbst in die Hand genommen“, erinnert sie sich. Die Eltern haben den Kindern viele Freiheiten gelassen.

Nach der Matura studierte Sommer, die in ihrer Freizeit gerne Ski fährt und Zeit mit ihrer Familie verbringt, Volkswirtschaftslehre und Psychologie, bevor sie zwei Jahre lang bei einer Bank tätig war. Inspiration für ihr eigenes Projekt fand sie schließlich, als sie sich am Projekt Teach for Austria, das die Bildung sozial benachteiligter Kinder forciert, beteiligte. Durch diese Arbeit kam sie in Kontakt mit Kindern aus verschiedensten Ländern und erkannte, welche zentrale Rolle eine gute Integration ihrer Eltern für die Zukunftschancen der jungen Menschen spielte. „Schon bei Kindern muss man beginnen. Was man da schafft, wirkt sich auf die ganze Lebenslaufbahn aus“, meint sie. Darum gründete sie im Jahr 2015 gemeinsam mit Nina Poxleitner und Julian Richter, die sie bei Teach for Austria kennengelernt hatte, das Start-up „More than one perspective“ (MTOP). „Wir wollten unseren Beitrag leisten, dass Integration besser funktioniert“, erinnert sie sich heute.

 

© Bubu Dujmic



Das Unternehmen unterstützt Geflüchtete, vornehmlich mit Hochschulabschluss, auf ihrem Weg in die Berufstätigkeit in Österreich. Neben Weiterbildungsprogrammen in den Bereichen Technik, Wirtschaft und IT, die die sogenannten Associates über einen Zeitraum von sechs Monaten auf den Arbeitsmarkt vorbereiten, bietet ihnen MTOP auch Informationen zu Arbeitsrecht oder Bewerbungsverfahren und versucht Wege zu finden, wie die Asylberechtigten von ihrer vorhergehenden Ausbildung auch hierzulande profitieren können. Ziel ist es, die Menschen an passende Unternehmen zu vermitteln, wo sie ihr Potenzial ausschöpfen können. In den letzten zwei Jahren nahmen 130 Associates an den Programmen teil; wie viel Zeit eine Vermittlung in Anspruch nimmt, ist unterschiedlich.

Der Ritterschlag durch die Aufnahme in die Forbes-Liste macht Sommer natürlich stolz, wobei es der Unternehmerin trotz ihres selbstbestimmten Weges bewusst ist, dass man nur im Team erfolgreich sein kann. So wurde die Auszeichnung auch als Teamerfolg gefeiert. Die Unternehmerin macht sich oft Gedanken über Geschlechterrollen. Sie würde sich wünschen, dass Männer und Frauen nicht mehr in Schubladen geschoben, sondern als Individuen betrachtet werden. In einem Kampf gegen Männer solle das auf keinen Fall enden, vielmehr sollte ein neues Gefühl des Miteinanders erzeugt werden. Um neue Lösungen zu finden, müsse laut Sommer die Rolle der Frau auch im privaten Umfeld, mit Freunden, Familie und am Arbeitsplatz, diskutiert werden. Die erfolgreiche Unternehmensgründerin ist sich sicher: „Frauen gehören einfach mehr vor den Vorhang geholt.“ 

 

Text: Vilja Schiretz