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People | 15.01.2019

Daheim bei neuen Freunden

Das Künstlerpaar Christof und Jacqueline Spörk fand im Südburgenland sein Paradies. Das sechsköpfige Familienleben im Kuba-Style, die Liebe und ihre Lieblingsplätze in der neuen Heimat.

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© Ramona Hackl

Die Fotos an zwei Lieblingsplätzen, bei neugewonnen Freunden. Das hatten sich die Spörks bei unserer Anfrage gewünscht. Und zum Abschluss ein gemütliches Interview. Das Resultat des halbtägigen Abenteuers präsentieren wir in drei Kapiteln: So lebt das Künstlerpaar Christof und Jacqueline Spörk – er prominenter Kabarettist, sie Musikerin – im Südburgenland.

Station 1: Bei den Bücseks in Ober-Henndorf. Trompeter wollte Richard Bücsek werden, der frühe Tod vom Papa zwang ihn, die Träume zu reduzieren. Die Welt bereiste er trotzdem: als Masseur bei Olympischen Spielen oder beim „Race Across America“ mit Behindertensportlern. Marianne, seine Frau, und er bauten in Ober-Henndorf Stück für Stück ein besonderes Kleinod auf. Ihr Gästehaus besteht aus mehreren Gebäuden, darunter auch ein liebevoll eingerichtetes Holzhaus. Wir bekommen eine Einladung zum Kaffee im Frühstücksraum. Jacqueline Spörk reibt sich die Hände. „Jetzt wird es richtig kalt.“

Du lebst seit fast 20 Jahren in Österreich. Hast du dich an die Winter gewöhnt?

Jacqueline: Ja, schon. Ich habe gelernt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung (lacht).

Wie oft fliegt ihr nach Kuba?

So oft wie möglich; sicher mindestens einmal im Jahr.

Ihr habt vier Kinder …

Ja, und bevor die Frage kommt: Alle vom gleichen Mann (lacht).

Wieso der achtjährige Abstand zwischen den zwei „Pärchen“?

Christof: Der Turbo kam tatsächlich, als wir hier hergezogen sind.

Ihr seid viel unterwegs, wie organisiert ihr eure Großfamilie?

Jacqueline: Ich koche gerne, sonst bin ich im Haushalt eher chaotisch. Im Management der Familie aber sehr gut.

Christof: … und eine Bruthenne bist du sicher auch nicht.

Jacqueline: Die Kinder haben einen starken Bezug zu uns, aber sie sollen sich frei fühlen, andere Menschen kennenlernen. Das ist in meiner Kultur normal. Als wir hier hergezogen sind, haben mir die Leute gesagt: Du musst aufpassen, deine Kinder laufen auf der Straße herum. – Ja, genau deswegen sind wir aufs Land gezogen! (Lacht)

Die Angst spielt wohl eine Rolle …

Ja, viele Eltern führen ihre Kinder überall hin. Aber damit sind sie abhängig. Unsere Kinder werden selbstständig, aber auch frech, weil sie Grenzen austesten. Das ist anstrengend für mich, aber ich mag das. Ich möchte keine unterdrückten Kinder.

Du bist also eher entspannt?

Ja, vielleicht auch, weil ich aus Kuba komme und andere Schwierigkeiten kenne. Das Wichtigste ist mir, dass wir ihnen viel Liebe zeigen. Auch physisch, dass wir kuscheln. Und dass sie immer zu uns kommen können.

 

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Vierfache Eltern. „Die wichtigste Entscheidung in deinem Leben ist deine Partnerin“, sagt Christof Spörk. Sie nennt ihn „mi amor“. Der Kabarettist und die Musikerin Jacqueline sind seit 20 Jahren ein Paar. © Ramona Hackl

Wie unterhaltet ihr euch daheim?

Jacqueline: „Spandeutsch“ (lacht). Die Großen verstehen schon sehr gut Spanisch; wir waren auch letzes Jahr für drei Wochen in Kuba und haben dort die Kultur richtig genossen.

Christof: Obwohl Ferien waren, sind sie jeden Tag um acht aufgestanden; dann gab es eine Stunde Spanisch, eine Stunde Percussion und dann Tanzen. Wir haben schon gedacht, dass es ihnen zu viel wird, aber sie waren begeistert.

Jacqueline: Paula wollte gar nicht mehr weg, obwohl sie das Leben hier liebt.

Nächster Halt: Maria Bild, Bioweingut Oberkofler. „Zuagroaste“ wie die Spörks sind auch Patrizia und David Oberkofler aus Südtirol. Sie hatte in Innsbruck Psychologie studiert, er Biologie. Sie träumten von einem Bauernhof; heute sind sie Bio-Weinbauern.

Christof, du hast in Wien gelebt – und bist aus der Großstadt aufs Land gezogen. Wie geht es dir damit?

Christof: Wien war für mich als Prägezeit ganz wichtig, ich möchte es nicht verteufeln. Aber heute habe ich hier eine andere Lebensqualität. Mir ist nicht wichtig, dass ich dort bin, wo die Musi spielt. Die Musi spielt dort, wo wir sind (lacht).

Bitte nicht falsch verstehen: Ihr seid auf unterschiedliche Art alle vier Exoten. Wie wurdet ihr aufgenommen?

David und Patrizia unisono: Sehr, sehr positiv. Wir wurden ständig gefragt, ob wir etwas brauchen: Hilfe oder einen Traktor. Als der Bürgermeister zu seinem 60er mehr oder weniger das ganze Dorf eingeladen hat, dankte er der „Träumerei“, die Hochzeiten veranstaltet, und uns, dass wir das Dorf so bereichern. Er hat uns auch gesagt, er ist froh, dass wir dieses schöne alte Haus herrichten. Das ist schon toll.

Christof: Aber das seid auch ihr, weil ihr auf die Leute freundlich zugeht. Das macht es aus. Unser Haus war ja früher ein Gasthaus. Als wir eingezogen sind, sind Leute einfach so vorbeigekommen. Wir haben sie reingelassen, ein Schnapserl getrunken.

Jacqueline: Natürlich war anfangs auch ein bissl Neugier dabei. Aber ich bin offen, mich hat das nicht gestört. Das hat mich an meine Heimat Kuba erinnert. Die Leute haben auch Eier oder Kürbisse gebracht.

Christof: Mittlerweile fällt es mir schwer, wenn ich in einer Großstadt unterwegs bin, nicht alle Leute zu grüßen! (Alle lachen)

 

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Zuagroaste-Connection. Die Spörks mit ihren Freunden, den Neo-Winzern Oberkofler, in Maria Bild. © Ramona Hackl

Die Kirchenglocke läutet. „Ich muss in die Musikschule!“, sagt Jacqueline und herzt ihren Mann zum Abschied, der uns noch ein paar Einblicke gewährt.

Ihr seid seit 20 Jahren ein Paar; wie war das Kennenlernen?

Christof: Ich habe in Kuba meine Dissertation in Politikwissenschaft gemacht; ich habe Spanisch mitstudiert, Lateinamerika hat mich interessiert. Dort, wo die Leidenschaft ist, findet man auch die Partnerin. Das versuche ich meinen Kindern mitzugeben: Macht das, was euch interessiert, dann trefft ihr die Leute, die euch interessieren. Jacqueline und ich haben viele Gemeinsamkeiten; die liegen in der Musik, im kulturellen Interesse, in Wertehaltungen, die sich auch gemeinsam entwickeln. Die wichtigste Entscheidung im Leben ist deine Partnerin, dein Partner.

Dein aktuelles Programm trägt den Titel „Kuba“; wie viel hat es mit deiner Frau zu tun?

Diese Frau-Mann-Witze im Kabarett, das ist für mich eine No-go-Area. Es ist vielmehr so, dass es um zwei Perspektiven geht, die ich eben dank meiner kubanischen Frau und meiner halbkubanischen Familie habe. Eine zweite Perspektive, ob aus Kuba, Afrika, Moldawien oder welcher Region auch immer, erhellt vieles. Das ermöglicht mehr Tiefe. Ein Beispiel: In Kuba gibt es wenig Autos, aber viele Menschen, die irgendwo hinwollen. Autostoppen gehört dazu. Als junger Erwachsener habe ich auch viel autogestoppt; das gibt es bei uns heute nicht mehr. Das ist ein Zeichen für die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Warum geht das nicht mehr? Hat jeder ein Auto? Hat man Angst, dass die Fußmatte schmutzig wird?

… oder dass ihnen etwas passiert?

Ich hab’ schon früher gesagt, wenn ich eingestiegen bin: „Umbringen können Sie mich auch; ich habe das doppelte Risiko, ich weiß ja nicht, wie Sie fahren.“ Im Stau sieht man so viele Autos mit nur einer Person. Wozu unser Reichtum, wenn man nur Angst hat?

Wie politisch ist dein Programm?

Es geht mir weniger um Tagespolitik, dieses Gekeife interessiert mich nicht. Aber Politik im weiten Sinn: Was bewegt uns weiter? Welche Ziele haben wir? Wo kann es hingehen? Unser Handeln ist immer politisch, jeder Einkauf zum Beispiel. Da bin ich alles andere als perfekt. Aber wenn man alles über Amazon kauft, dann darf man sich nicht aufregen, dass wir im Ort keine Geschäfte haben und keine Arbeitsplätze. Also: Wurscht, was ich mache, es ist immer politisch (lacht).