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People | 10.10.2018

Das Auge isst mit

Thomas Schauer hat sich als Food-Fotograf in New York einen Namen gemacht, shootet mit Starköchen und dreht spektakuläre Spots. Für die Inszenierung heißt das: Der Teufel steckt im Detail.

Text: Elke Jauk-Offner • Fotos: © Thomas Schauer/studio for photography LLC

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Wenn der Wildoner Thomas Schauer Essen in Szene setzt, dann kostet das bis zu 125.000 Dollar pro Shooting-Tag. Vor zwei Jahren hat er mit Partner Tim Case die Filmproduktionsfirma „Taste in motion“ gegründet. Rund 50 Personen vom Food-Stylisten bis zum Special-Effects-Experten sind bei einem Werbespot-Dreh mit der akribischen Planung und Umsetzung beschäftigt, denn alles ist minutiös geplant.

Da geht es unter anderem um Details wie die Berechnung des richtigen Winkels, in dem Pralinen auf eine Fläche aufprallen müssen, um entsprechend  aufsehenerregend zu zerschellen. Oder in welcher Position sich Tropfen in der Luft treffen sollten, damit spektakuläre Bilder möglich werden. Da werden Speziallinsen mit Schnorchel und Lichtquellen im Bier versenkt, sogenannte Prop-Meister bauen Katapulte und Abschussrampen. Sprengmeister, die sonst auf Filmsets 20 Autos in die Luft jagen, sind mit Special Effects im kleinen kulinarischen Rahmen beschäftigt. Kein Wunder, dass den meisten Videodrehs eine Vorbereitungszeit von rund zehn Tagen vorausgeht.

Den Weg von Wildon nach New York hat Thomas Schauer über den Arlberg genommen. Damals hat er dort Fotos für  den New Yorker Star-Koch David Bouley gemacht und wurde vom Fleck weg engagiert. 2001 bis 2003 hat er sein Kochbuch „East of Paris“ fotografiert.

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Gutes Essen war schon seit jeher eines der Lieblingsthemen von Schauer, „es verbindet einfach Menschen und Kulturen“. Noch heute verschafft ihm diese Passion einen Vorsprung gegenüber seinen amerikanischen Kollegen. Die Selbstverständlichkeit der gepflegten europäischen Esskultur erleichtert die Kommunikation mit den Starköchen bei gemeinsamen Kochbuchprojekten. Denn während es im TV-Spot um den größtmöglichen Wow-Effekt geht, liegt den kulinarischen Masterminds die ins Bild gebrachte Echtheit und Authentizität ihrer Kreationen durchaus am Herzen.  „Das ist schließlich ihr Baby“, sagt Schauer. Und das Zeitfenster, in dem sich ein Gericht optimal für die Linse präsentiert, ist knapp – Timing also alles. „Oft hat man nur wenige Minuten. Aber Kunden schätzen es besonders, wenn man die Frische ins Bild bringt.“ Farbe und Textur verändern sich schnell, besonders Getränke sind eine große Herausforderung. Sein Buch „Cocktails“, das in Zusammenarbeit mit der Apotheke Bar in New York und damit Hausherr und Wildoner Albert Trummer entstanden ist, erhielt 2012 den begehrten „Gourmet World Cookbook Award“.

Mit 21 Jahren hat sich Thomas Schauer bereits selbstständig gemacht, seit acht Jahren hat der 48-Jährige nun seinen Lebensmittelpunkt im Big Apple – gemeinsam mit Ehefrau Sahinaz, die die Fotoproduktionsfirma managt, „sie ist mein Boss“.  Ob so eine enge Zusammenarbeit auch Herausforderungen bringt? „Auf alle Fälle“, schmunzelt Schauer, „das liegt vor allem an mir, weil Beruf und Hobby sich bei mir decken“. Dass er so schnell in die Champions League der Foodfotografie vorgedrungen ist, verdankt er auch einem Quäntchen Glück: „Man muss einfach auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Mundpropaganda verhalf ihm von einem Projekt zum nächsten, darunter auch zur Zusammenarbeit mit Starkoch Daniel Boulud. Portfolio hat er in den letzten Jahren jedenfalls nie eines herzeigen müssen, schmunzelt er.

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Sein Faible für das Bewegtbild zelebriert Thomas Schauer auch in der Food-Fotografie. „Ich halte gerne Momente fest, die aus einer Bewegung heraus entstehen, ein Tropfen, der in ein Glas fällt, ein Küchenchef, der einem Gericht den letzten Schliff verpasst, das Steak am Grill, von dem Rauch aufsteigt.“

Heute hat er drei Agenten in den USA, die ihn an der Ost-, Zentral- und Westküste vertreten, und Aufträge für Marken wie die Burger-Lokale Carl’s Jr., Beckenridge Beer, die Pizzakette Papa John’s, Nespresso und Uncle Ben’s realisiert. Mit dem New Yorker Konditor Dominque Ansel entstand ein aufwendiger Spot, bei dem 2.000 Bilder in der Sekunde geschossen wurden. „Weil dafür extrem viel Licht notwendig ist, waren wir alle ständig mit Sonnenbrillen am Set unterwegs“, erzählt Schauer über seinen beruflichen Alltag, in dem sich manchmal alles um mit Goldstaub besetzte Trüffeln dreht, aus denen sich genau im richtigen Moment genau die richtige Menge an flüssiger Schokolade den Weg ins Freie bahnen muss. „Dazu gehören einfach auch mathematische Berechnungen.“

Zuletzt hat er bei einer Ausschreibung von Pepsi ein Konzept eingereicht, „ich habe den zweiten Platz gemacht, aber das ist freilich der erste Verlierer“, lässt er keinen Zweifel an seinen Ambitionen. So eine Einreichung fasst durchaus Ideen auf einem Umfang von 40 bis 50 Seiten zusammen und wird durch eine Reihe von Mood-Fotos ergänzt. „Wir engagieren manchmal bereits im Vorfeld Storyboard Artists und Digital Artists. Wenn man die Ausschreibung gewinnt, geht die Arbeit natürlich erst richtig los.“  Oft begleiten Anwälte die Drehs zu den Werbespots, denn es gibt genaue Vorgaben, was wie in der Zubereitung oder Verarbeitung oder Präsentation von Produkten gezeigt werden darf, „das ist ausgesprochen heikel“.

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Immer wieder einmal werkt Thomas Schauer auch in seinem Studio in Wien, mit der österreichischen Heimat ist er fest verwurzelt, die Eltern leben in Wildon. Auf Studienreisen holt er sich neue Inspirationen, auch wenn das bedeutet, dass man, wie in Tokio, in einem Schnapsglas schwimmende Baby-Aale samt aufgeschlagenem rohen Ei kosten muss. „Das war ehrlich gesagt schon eine ziemliche Überwindung.“

Gerade arbeitet Thomas Schauer wieder mit Lior Lev Sercarz an einem Kochbuch, für ihn hat er bereits „The Art of Blending“ und „The Spice Companion“ umgesetzt. Ob die Starköche sich öfter einmal von einer schwierigen Seite zeigen? „Das wird vielfach behauptet, ich kann das allerdings gar nicht bestätigen. Meistens geht es um das magische erste Bild. Wenn sie das sehen und zufrieden sind, ist alles easy und sie sind happy. Dann ist auch das Vertrauen da.“

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Der Steirer Thomas Schauer ist in Wildon aufgewachsen und lebt seit sieben Jahren als Food-Fotograf in New York.