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People | 08.10.2018

Blühende Idylle

Margrit de Colle, die Perle vom Hügel, hat ebendort ihr Paradies gefunden. Umgeben von Tausenden Blumen macht sie, was sie schon als Kind liebte.

Fotos: © Thomas Luef

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Margrit De Colle, Gewinnerin der STEIRERIN AWARDS 2018 in der Kategorie "Die Nachhaltige".

Die Lebensgeschichte von Margrit De Colle ist so bunt wie ihre 140 Blumensorten, die sie auf drei Hektar Fläche anbaut. Ihr Name ist Bestimmung: Margrit De Colle, übersetzt „die Perle vom Hügel“. Die heute 43-Jährige wollte schon als Kind Blumenpflückerin werden, hätte es dieses Berufsbild gegeben. Sie absolvierte die Modeschule in Graz, studierte Soziologie und arbeitete im Bereich PR und Veranstaltungsmanagement und machte sich vor zehn Jahren auf die Suche nach ihrem Hügel. Sie fand ihn in Erbersdorf bei St. Ruprecht/Raab, wo sie als Erste und Einzige in Österreich Bioblumen und -kräuter kultiviert, erntet und zu Kränzen, Sträußen und Gestecken bindet. Seit heuer bewirtet sie in ihrem Blühparadies mit Namen „Vom Hügel“ Blumenfreundinnen und -freunde in ihrem Gartencafé. Mit ihrem Partner, einem Gemüsebauern, veranstaltet sie Workshops über Gemüse-, Blumenanbau und -verarbeitung. Ihn lernte sie auf einem Bauernmarkt kennen, „ich war das einzige bunte Blumenstandl neben dem einzig bunten Gemüsestandl“, lacht sie.

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Mit Blick auf Blumenfelder erzählt De Colle über ihr Leben, ihre Leidenschaft Blumen und wie ihr die Farbpracht ihrer Lieblinge Kraft gibt. Kündigt sich ein melancholischer Zustand an, kann es schon sein, dass sie ein langes „Vollbad“ in einem knallgelben Narzissenfeld nimmt. „Eine herrliche Therapie“, sagt sie. Am liebsten sieht sie ihre Blumen eingebettet in die Rituale des Lebens, die bei einer Hochzeit romantisch stimmen, bei einer Beerdigung tröstend oder energiereich, wenn die Kraft einmal nachlässt. Ihre Lieblingsblume ist die Dahlie, 700 Kisten mit Zwiebeln gräbt sie im Herbst aus und pflanzt sie im Frühling wieder ein. Früher händisch, ihr Ehemann (ein „Geschenk“, wie sie betont) bastelte eine Egge, mit der die Zwiebeln ohne Blessuren aus- und eingegraben werden können. Und im Winter? „Da ruhe ich mich aus und gehe gern um acht Uhr schlafen“, gibt die Steirerin-­Awards-Gewinnerin 2018 zu. So schön die Arbeit mit den Blumen sei, ab Oktober müsse sie ihre Kraft gut einteilen.

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Nicht zuletzt, weil Margrit De Colle Perfektionistin ist. Wie sich eine Soziologin stets im weitesten Sinne mit der Gesellschaft auseinandersetzt, so sind für sie Blumen nicht nur Pflanzen. Jahrelang studierte sie die Wachstumseigenschaften ihrer Schützlinge, ihre Einsatz- und Kombinationsmöglichkeiten. In ihrer Floristenausbildung hat sie gelernt, die Perfektion des Blumenbindens lässig und heimelig wirken zu lassen. Ikebana, die japanische Kunst des Blumenarrangierens, hat sie gelehrt, gezielt zu reduzieren und wegzulassen. Beim Blumenbinden verzichtet sie auf Steckschaum und weicht auf abbaubares Material um. Im Winter gibt es keine frischen Blumen, auch hier denkt sie nachhaltig.

Im Handel sind ihre Blumen nicht erhältlich. „Das tue ich ihnen nicht an“ schmunzelt sie. Dass Österreich in puncto Biolandwirtschaft Vorreiter ist, sie sich aber mit ihrem Bioblumen­anbau immer rechtfertigen muss, versteht sie nicht. Man esse die Blumen ja nicht, bekommt sie oft zu hören. „Doch wer denkt an das Grundwasser, das beim Blumenanbau durch Fungizide und Herbizide verschmutzt wird?“

Rund fünf Jahre hat es gedauert, bis sie von ihrem Geschäft habe leben können, sagt De Colle. Jeder Euro wurde reinvestiert, für jeden verkauften Kranz kaufte sie Blumenzwiebel und Saatgut. Dazwischen schrieb sie noch ein Gartenbuch. Der letzte Höhepunkt ihres Schaffens ist ihr Gartencafé, in dem die Gäste in der Werkstatt vorbeischauen und den Mitarbeiterinnen beim Binden zusehen können. Oder sich mit Kaffee und selbstgemachtem Kuchen an der bunten Blumenpracht in den Feldern erfreuen können.

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