Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 03.09.2018

Nie den Mut verlieren

Martina Rötzer ist eine echte Kämpferin: Ihre beiden Kinder leiden an einer schweren Erbkrankheit. Die erfolgreiche Unternehmerin schöpft ihre Kraft vor allem aus ihrer Familie.

Bild 1809_ST_ME_Roetzer-2.jpg
Martina Rötzer, Preisträgerin bei den STEIRERIN AWARDS in der Kategorie „Die Kämpferin“, mit Ehemann Robert und Tochter Mirabell. © Thomas Luef

Mit Dingen, die einem selbstverständlich erscheinen, geht man oft leichtfertig um. Mit Gesundheit etwa. Oder mit Zeit zum Beispiel. Martina Rötzer hat das Schicksal etwas anderes gelehrt: Die Unternehmerin ist Mutter von Raffael und Mirabell. Raffael ist zwei Jahre, Mirabell zehn Monate alt. Beide Kinder leiden an der Erbkrankheit Spinale Muskelatrophie. Sie bedeutet einen Muskelschwund, der dadurch verursacht wird, dass motorische Nervenzellen absterben. Tragische Konsequenz: 90 Prozent der Kinder erleben den zweiten Geburtstag nicht.

Familienzeit hat für Martina Rötzer und Ehemann Robert eine Bedeutung gewonnnen, die andere nur erahnen können. „Es ist nicht so, dass wir keine Pläne machen. Aber die Krankheit ist wie ein Schatten, der dich immer verfolgt“, sagt die Gastronomin. Die Familienzeit ist aber auch ein Pool an Energie, Zuversicht und Kraft, aus dem die „Parks“-Chefin schöpft.

Seit dem Vorjahr ist in Europa eine neue Therapie zugelassen, die der Familie viel Hoffnung gibt. Mirabell erhielt die erste sogenannte Spinraza-Gabe einer lebenslänglich notwendigen Medikation mit Krankenhausaufenthalt bereits kurz nach ihrer Geburt. Bei ihr machen sich derzeit keine Symptome bemerkbar, „das gibt uns Mut, diesen Schicksalsschlag zu überstehen“. Raffael bekam die erste Dosis erst kurz vor seinem ersten Geburtstag. Der Weg zur Diagnose im Alter von neun Monaten war langwierig. „Mir fiel auf, dass seine Bewegungen so mühsam aussahen. Da er ein Frühchen war, wurden wir lange beruhigt, dass das schon im Rahmen liege.“ Die Gewissheit traf sie wie ein Keulenschlag: „Man ist wie erstarrt und befindet sich wochenlang

Bild 1809_ST_ME_Roetzer-1.jpg
Martina Rötzer in ihrem "Parks". © Thomas Luef

Von der Krankheit hatten die Eltern bis dahin noch nie gehört, sie wussten auch nicht, dass sie beide Träger sind. Das bedeutet eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein gemeinsames Kind daran erkranken kann. Zum Zeitpunkt der Diagnose erwartete Martina Rötzer bereits ihr zweites Kind. Auch darauf war sie nicht vorbereitet, „man hatte mir gesagt, dass ich auf natürlichem Weg nicht schwanger werden kann. Bei Raffael hatte es dank einer künstlichen Befruchtung geklappt“.
Die Familie bietet dem Schicksal gemeinsam Paroli. „Unser Sohn ist ein Kämpfer, er geht über seine Grenzen. Wir kämpfen mit ihm, ermutigen und unterstützen ihn.“ Seine kleine Schwester motiviert ihn dazu, vieles nachzuahmen. Was für andere Kinder seines Alters selbstverständlich ist, verlangt ihm große Anstrengungen ab. Gerade hat er zu sitzen gelernt, ob das Aufstehen mit Hilfsmitteln möglich wird, ist ungewiss. Tag für Tag stehen physiotherapeutische Übungen auf dem Programm, mit einer speziellen Maschine wird die Lungenmuskulatur trainiert. Für Martina Rötzer ist das Alltag. Wie schafft man das? „Man wird immer wieder selbst von den Kräften überrascht, die man hat. Schwache Momente gibt es nie tagsüber. Die Kinder brauchen starke Eltern.“

Ihr beruflicher Alltag beweist, dass die 39-Jährige mit einer besonderen Portion an Stärke ausgestattet ist: Ihren Mann Robert hat die gebürtige Slowakin und Marketingfachfrau in Kroatien kennen und lieben gelernt, hat ihren Lebensmittelpunkt nach Graz verlegt und betreibt seit 2011 mit ihm das „Parks“ als vegetarisch-veganes Konzeptlokal in der Zinzendorfgasse. 2013 wurde die zweite Filiale in der Griesgasse eröffnet. Weitere sind nicht ausgeschlossen. Soziales Engagement im Unternehmen ist für Martina Rötzer selbstverständlich – davon zeugen Menschen im Team, die in der Arbeitswelt nur mühsam Fuß fassen können. „Wir wollen einen Beitrag leisten, und das bereichert sehr.“ Kleinigkeiten hat sie sehr zu schätzen gelernt: „Wir sind für alles, was wir erleben, sehr dankbar.“ Das rät sie auch Mitmenschen: „Man sollte sich nicht so oft über sein Leben beschweren, wenn man aufstehen und einfach loslaufen kann. Negative Energie bringt uns nicht wirklich weiter.“