Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 08.08.2018

Gemeinsam verschieden

Drei Schwestern, zwei Interview-partner und eine Verletzung. Holding Graz-Vorständin Barbara Muhr und Schwester Uschi Muhr im Gespräch mit der STEIRERIN über Zusammenhalt, Zeit und Zäsuren im Leben.

Bild 1807_ST_ME_Schwestern-10.jpg
Vor dem Akademischen Gymnasium in Graz: Mit diesem Ort verbinden Barbara (r.) und Uschi Muhr viele gemeinsame Erinnerungen. © Thomas Luef

Treffpunkt Tribeka in der Grazer Kaiserfeldgasse. Geplant ist ein entspanntes Schwesterngespräch mit Holding Graz-Vorständin Barbara Muhr und ihren Schwestern Uschi und Ute. Mir gegenüber sitzen aber „nur“ zwei Drittel des Drei-Mäderl-Hauses.


Was ist passiert?

Barbara: Unsere Schwester Ute hat sich leider bei der Gartenarbeit verletzt und kann deshalb heute nicht dabei sein. Aber nachdem wir eh fast alles über sie wissen, können wir für sie mitreden (lacht).


Also haben Sie drei ein sehr inniges Verhältnis?

Uschi: Ja. Obwohl wir doch sehr unterschiedlich sind, haben wir uns immer mehr als gut verstanden.

Barbara: Ich habe unsere Kindheit in total lustiger Erinnerung, zumal wir uns die meiste Zeit auch gemeinsam ein Zimmer geteilt haben. Ich habe mich nur manchmal als Jüngste benachteiligt gefühlt, wenn die beiden älteren sich miteinander verschworen haben.

Uschi: Wenn sie schlimm war, haben wir ihr mit dem Knochenmaxi gedroht.

Barbara: Ich weiß bis heute nicht, wer das war. Aber es hat funktioniert (lacht).


Uschi, Ute und … Barbara. Was hat es mit der Namensgebung auf sich?

Barbara: Eigentlich hätte ich eine „Ulrike“ werden sollen, passend zu den beiden anderen Namen. Aber als ich zur Welt gekommen bin, kam mein Vater nach Hause und meinte eher scherzhaft: „Eure Schwester heißt Barbara.“ Dabei ist es dann geblieben. Aber ich bin heute sehr froh, dass ich eine Barbara bin.

Wo sind Sie aufgewachsen?

Uschi: Wir sind alle in Graz geboren, in Graz aufgewachsen und haben immer hier gelebt. Ur-Grazer sozusagen.

Barbara: Wir sind in einem Hochhaus in Liebenau aufgewachsen, ein klassisches Siedlungsleben. Das habe ich total genossen. Ich war die ganze Zeit mit den Kindern im Hof oder habe mit dem Tennisschläger den Ball so lange gegen die Garagen-Holztür geschlagen, bis sich jemand aufgeregt hat.

 

Bild 1807_ST_ME_Schwestern-9.jpg
© Thomas Luef


Tennis war also schon sehr früh Ihre Leidenschaft?

Barbara: Ja, meine Leidenschaft zum Sport habe ich von meinem Vater. Er war selbst Leistungssportler – Fußball und Leichtathletik. Er war sogar Österreichischer Staatsmeister über 1.500 Meter.

Uschi: Aus diesem Grund hat er auch Sport sowie Geographie studiert und war dann 41 Jahre im Akademischen Gymnasium in Graz Professor. 

Barbara: Dort sind wir auch alle zur Schule gegangen. Das war sehr prägend für uns. Die Grundbasis meiner Netzwerke hat dort begonnen. Es vergeht selten ein Tag, an dem ich nicht jemanden treffe, denn ich von damals kenne.


Beruflich haben Sie aber nach der Schule sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen?

Uschi: Ja, Ute ist Volksschullehrerin, ich habe eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin gemacht und Barbara hat Jus studiert?

Barbara: Ja, Jus eher unfreiwillig.


Wieso das?

Barbara: Eigentlich wollte ich Tennisprofi werden, das war mein absolutes Lebensziel. Ich war auch kurz davor, es zumindest zu probieren. Aber ich habe mich dann leider mit 15 schwer verletzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon gemeinsam mit Thomas Muster die Einberufung zum ÖTV in die Südstadt ins Österreichische Leistungszentrum, wo man auf die Profikarriere vorbereitet wird. Zwei, drei Tage vor der Abreise – es war schon alles gepackt – dann die schwere Verletzung.  Damals musste ich das Thema Profitennis abhaken.


Wie sind Sie damit umgegangen?

Barbara: Es war schwierig. Meine erste richtige Zäsur im Leben. Aber ich war sehr stur und habe einfach auf links umgelernt. Und nach einem Jahr spielte ich schon wieder in der Meisterschaft. Zwar nur in einer unteren Liga, aber das habe ich gebraucht, um es mir selbst zu beweisen. Außerdem hatte ich immer die tollsten Fans, die man sich vorstellen kann – meine Familie. Uschi kommt heute noch zuschauen, wenn ich Tennis spiele.

Uschi: Barbara war schon immer die Ehrgeizige von uns, Ute ist der familiäre Typ und ich bin sicher die Ruhigste von allen.


Spielen Sie selbst auch Tennis?

Uschi: Eher hobbymäßig (lacht).

Bild 1807_ST_ME_Schwestern-11.jpg
Da waren Ute, Barbara und Uschi (v. l.) noch klein. © Privat

Vor gar nicht langer Zeit gab es wieder eine große Zäsur in Ihrem Leben.

Uschi: Unser Vater ist vor knapp zwei Jahren gestorben. Seither ist die Familie rund um unsere Mutter noch enger zusammengerückt. Es gehört zum Leben dazu, ist aber trotzdem ein ziemlicher Einschnitt.

Barbara: Mein Vati war mein Ein und Alles, ich war das totale Vati-Kind. Das kam natürlich auch durch den Sport. Die Wochenenden haben wir jahrelang immer gemeinsam verbracht. Ich bin mit all meinen Problemen immer zu ihm gegangen. Er war für mich ein Kumpel.

Uschi: So habt ihr euch auch genannt.

Barbara: Bei mir hat es eine ziemliche Lücke aufgerissen. Ich habe heute noch manchmal das Gefühl, so, jetzt rufe ich ihn an, weil das muss ich ihm erzählen.

Uschi: Ja, so geht es mir auch oft.


Die Unterstützung in der Familie war bei Ihnen immer sehr groß. Wie haben Ihre Eltern damals auf Ihr Outing reagiert?

Barbara: Im ersten Moment haben sie geschluckt, so geht es wahrscheinlich vielen Eltern. Aber danach ging unser Familienalltag ganz normal weiter. Wir haben uns immer alle sehr gegenseitig in unseren Entscheidungen unterstützt.

Wenn Sie sich treffen, was machen Sie dann gerne gemeinsam?

Beide: Essen. Wir sind alle kulinarisch angehaucht.

Uschi: Wir sind mit einer sehr hohen kulinarischen Qualität aufgewachsen. Unser Vater hat immer am Wochenende gekocht. Er war leidenschaftlicher Hobbykoch und hat unzählige Kochkurse besucht.

Und alle drei Schwestern kochen gerne?

Uschi: Ich nicht (lacht).

Barbara: Ich esse wahnsinnig gerne, aber setze mich lieber zum fertigen Essen dazu.

Uschi: Wer aber wahnsinnig gut kocht, ist Ute. Sie hat viele Rezepte von unserer Mutter und Großmutter. Da ist man gerne zu Besuch.

Barbara: Ich habe vor Kurzem aber meine Leidenschaft fürs Grillen entdeckt.

Haben Sie einen Grill-Geheimtipp?

Barbara: Ich probiere einfach gerne alles aus. Unglaublich gut schmeckt Spargel vom Grill.

Uschi: Das kann ich bestätigen.

Grillen am Abend … ist das ein guter Ausgleich zum wahrscheinlich oft stressigen Job?

Barbara: Ich empfinde mein Leben nicht als stressig. Ich habe viel zu tun, unbestritten. Aber das, was ich mache, macht mir im Großen und Ganzen Freude. Stress empfindet man oft nur, wenn man nicht gut organisiert ist. Ich schätze auch meine ehrenamtliche Funktionen.

Welche Funktionen wären das?

Barbara: Ich bin unter anderem Hospizbotschafterin, Botschafterin für Antidiskriminierung, Iris-Botschafterin und natürlich – was am meisten Zeit braucht – Präsidentin des Steirischen Tennisverbandes mit 250 Vereinen und 25.000 Mitgliedern. Tennis, das ist halt einfach meins (lacht).

In dieser Funktion freuen Sie sich wahrscheinlich auch sehr, dass vom 14. bis 16. September der Davis-Cup Station in Graz macht.

Barbara: Die Freude ist sehr groß.

Uschi: Das wird ein schöner Pflichttermin für die ganze Familie.     


Uschi Muhr

Pharm.-kaufmännische Assistentin

Geboren: 12.12.1960
Ist leidenschaftliche Tante und baldige Hunde-Besitzerin

Barbara Muhr

Holding Graz-Vorständin

Geboren: 7.9.1966
Lebt in einer Partnerschaft mit Evelyn Fauth