Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 12.06.2018

Das geht unter die Haut

Es braucht viele Arbeitsschritte und noch mehr Zeit, um Leder natürlich zu gerben. Klaus Traninger beherrscht das alte Handwerk.

Bild 1806_ST_FR_Aussee21.jpg
© Marija Kanizaj

Im Schuppen stapeln sie sich dicht an dicht, Haut über Haut. Das ist er also, roh und ungeschönt, der Stoff der Träume, aus dem die samtig-feine Hirschlederne gemacht ist. Hier, in der Gerberei Traninger. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter, arbeitsintensiver Weg. Dabei muss man sich ordentlich die Hände schmutzig machen und darf auch nicht die Nase rümpfen angesichts des intensiven, ja oft beißenden Geruchs, der auch Klaus Traninger manchmal die Tränen in die Augen treibt.
Er beherrscht das Handwerk wie schon sein Vater, inzwischen ist der Gerber zu einem aussterbenden Beruf geworden. Auch Traninger selbst konzentriert sich mittlerweile vor allem auf den Eigenbedarf für seine Lederhosenerzeugung und verstärkt auf die finalen Schritte im Arbeitsprozess. Aber die große Leidenschaft, mit der er die Handgriffe tut, die ist ungebrochen.

 

Bild 1806_ST_FR_Aussee18.jpg
© Marija Kanizaj
Bild 1806_ST_FR_Aussee19.jpg
© Marija Kanizaj
Bild 1806_ST_FR_Aussee52.jpg
© Marija Kanizaj

Atmungsaktiv. Das selten gewordene Sämischleder, das hier in der Werkstatt direkt an der Altausseer Traun in Bad Aussee entsteht, hat eine besondere Qualität. „Es ist atmungsaktiv und passt sich dem Körper an“, erklärt Traninger. Der Vorgang nimmt mehrere Wochen in Anspruch, für die Gerbung werden natürliche Produkte verwendet, unter anderem Salz, Ameisensäure und Dorschfett. Der Semischtran wird im Gerbfass über Stunden wiederholte Male in die Hirschhaut gewalkt, wieder ausgewaschen, vom Wasser befreit, zum Trocknen aufgehängt. Allein das Gerbfass kommt im Arbeitsprozess zwölf Mal zum Einsatz. „Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis das Leder fertig ist“, lässt Traninger keinen Zweifel am Aufwand für sein Handwerk. Oft sind erst am Ende vieler Arbeitsstunden qualitätsmindernde Fehler im Leder ersichtlich. Damit hadert der Gerber nicht, vielmehr liegt es für ihn in der Natur der Sache. „Leder ist ein reines Naturprodukt, das gehört dazu.“ Gefärbt wird im Ausseerland in den Farben schwarz oder altschwarz, der südamerikanische Blauholzbaum liefert dafür die entsprechenden Nuancen.

Langlebig. Dass eine Lederhose umso schöner erscheint, je speckiger und gebrauchter sie ist, unterschreibt der Bad Ausseer nicht unbedingt. „Von Zeit zu Zeit sollte man sie durchaus reinigen lassen. Denn zu viel Fett in der Lederhose macht die Haut brüchig.