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People | 08.06.2018

Frauen ­Power

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Im Falle Sebastian Kurz ist es die Grazerin Lisa Maria Wieser. Wie sie dem Bundeskanzler den Rücken stärkt, erzählt sie im Interview.

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Lisa Maria Wieser mit Sebastian Kurz in New York – sie begleitet ihn zu jedem seiner Termine. © Jacob Glaser

STEIRERIN: Sie arbeiten bereits seit sieben Jahren mit Sebastian Kurz zusammen. Wie wird frau die „rechte Hand“ eines Polit-Stars?

Meine beruflichen Anfänge hatte ich in der Grazer Stadtpolitik unter Siegfried Nagl. 2010 bin ich aus privaten Gründen nach Wien gezogen und direkt in das Kabinett der damaligen Innenministerin Maria Fekter eingestiegen. Zusammen mit einem Kollegen war ich für den Bereich Integration zuständig. Die Politik hat mich seither nicht mehr losgelassen. Im April 2011 entstand im Rahmen der Regierungsumbildung das Staatssekretariat für Integration und Sebastian Kurz musste über Nacht sein ganzes Team aufstellen. Da ich davor ja schon im Innenministerium tätig war, konnte ich so meine Erfahrungen einbringen und startete als seine persönliche Assistentin – und bin jetzt seine Büroleiterin im Bundeskanzleramt. Ich bin meist an seiner Seite und auch sonst laufen bei mir alle Fäden zusammen.

Sie waren schon Teil des politischen Start-ups und stehen seither hinter Sebastian Kurz. Wo setzt er heute noch stark auf Sie?

Es ist natürlich so, dass man in sieben Jahren viel voneinander lernt. Wenn man mich kennt, dann weiß man, dass ich für Disziplin stehe und ich unangenehme Dinge nicht aufschiebe, sondern lieber gleich erledige. Ich habe definitiv gelernt, dass man alles schaffen kann, wenn man an sich glaubt und sich voll reinhängt.

Was hat sich mit dem Bundeskanzleramt für Sie verändert?

Der Arbeitsalltag hat sich nicht wirklich verändert. Der erste Schritt in der Früh ist der Griff zum Handy, um die Lage zu checken: Was hat sich in der Nacht getan; wer benötigt welche Informationen; verläuft der Tag wie geplant … Auch wir als Team haben uns nicht wirklich verändert, außer einem grauen Haar dort und da (lacht).

 

 

"Ich sehe meine Arbeit nicht als Job.
Es ist über die Jahre hinweg
eine Freundschaft geworden."

- Lisa Maria Wieser

Und wie stärken Sie Ihrem Chef dabei den Rücken?

Wir wissen beide schon voneinander, wie der andere tickt – das ist in vielen Situationen sehr hilfreich und ich glaube, ihm so den Rücken gut freihalten zu können und Dinge zu erledigen, bevor sie überhaupt Thema werden.

Braucht es da nicht auch eine gemeinsame Wellenlänge?

Ich sehe meine Arbeit gar nicht als Job, es ist über die Jahre hinweg eine Freundschaft geworden. Und natürlich will man da immer nur das Beste für den anderen. Wenn man in seinem Alltag so viel Zeit wie wir miteinander verbringt, muss das Verhältnis im Team schon ein gutes oder eben auch freundschaftliches sein.

Wie sieht ein typischer Alltag an der Seite des Bundeskanzlers aus?

Jeder Tag birgt neue Herausforderungen und Chancen. Das ist es, was ich an meiner Arbeit schätze. Büroleitung, Terminvorbereitungen, Reise-organisationen, Koordinierung des Teams und nebenbei das Terminmanagement und die Organisation rund um Sebastian Kurz zählen zu meinen Aufgaben. Ich verlasse das Büro wie Sebastian zwischen 19 und 22 Uhr.

Dabei verbringen Sie rund 14 Stunden mit Ihrem Chef?

Wir sind auf jeden Fall über 14 Stunden verbunden – ob im Büro, in den Bundesländern, im Ausland oder einfach telefonisch. Das Wichtigste ist ein gutes Management – man muss die Zeit, die einem privat bleibt, bewusst wahrnehmen und auch gut nützen.

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Seit sieben Jahren ist sie die starke Frau hinter Sebastian Kurz: Lisa Maria Wieser. © Dragan Tatic

 

Um einen erfolgreichen Mann im Hintergrund zu stärken, braucht es doch auch selbst viel Kraft. Welche ist Ihre?

Ich bin auf jeden Fall ein Organisationstalent und ich denke, das ist, was Sebastian an mir schätzt. Wenn ich einen Plan habe, dann verfolge ich diesen auch bis zur Perfektion.

Da muss man sich in stressigen Polit-Zeiten sicherlich einen Ausgleich schaffen?

Das Wichtigste ist, zu wissen, wie man seine Kraft auch wieder auflädt und darauf achtet – das ist bei mir der Sport oder die Zeit mit Familie und Freunden.

Wie vereinbaren Sie für sich selbst eigentlich Widersprüchliches aus der Parteilinie?

Bei uns ist es prinzipiell so, dass Themen, bevor sie an die Öffentlichkeit kommen, im Team diskutiert werden. Sebastian ist unsere Meinung sehr wichtig. Klar kann es hin und wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommen, aber dann wird eben länger diskutiert. Am Ende gibt es dann eine gemeinsame Meinung.

Wie wichtig ist dabei die weibliche Komponente in der Männerdomäne Politik mittlerweile?

Sebastian sieht prinzipiell immer auf den einzelnen Menschen und seine oder ihre Leistung. Wir sind viele Frauen bei uns im Kabinett, das hat Kanzlerin Merkel in Berlin auch schon freudig wahrgenommen (lacht).

Ist Familienplanung überhaupt eine Option in Ihrem Beruf?

Natürlich ist das eine Option – keiner weiß, was die Zukunft bringt!