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People | 21.11.2017

Finster auf der Burg

Dreharbeiten für den TV-Film „Recht oder Gerechtigkeit“ haben Schauspieler Robert Finster in seine Heimat geführt. Weshalb er jahrlang die Duschen bei Freunden benutzte, mit Graz noch eine Schauspielrechnung offen hat und gerne mal als Bildstörung fungiert.

Text: Elke Jauk-Offner   Fotos: Mia’s Photoart, Boesch Privatstiftung, beigestellt

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„Ich bin kein Kostverächter.“ Robert Finster, Schauspieler

Nichts wird später im Streifen auf die Wärmflasche, die da im Rücken von Jungschauspieler Enzo Gaier unter der Anzugjacke platziert wird, hinweisen. Nachvollziehbar ist sie allemal: Die Stimmung ist frostig, die niedrigen Temperaturen laden nicht gerade zu einem lauschigen Freiluft-Essen im Garten von Burg Strechau ein. Allerdings steht es so im Drehbuch von Konstanze Breitebner. Regisseur Michael Rowitz dreht hier gerade mit seinem Tross höchst konzentriert Szenen für die ORF/ARD-Anwaltskomödie „Recht oder Gerechtigkeit“.  Enzo Gaier mimt einen Adelsspross, die blaublütige Filmfamilie wird von „Soko Donau“-Gerichtsmedizinerin Maria Happel, den Schauspielern Krista Stadler und Johannes Krisch komplettiert. Heftiges Tischgespräch ist ein Abwesender: Bio-Bauer Fritz Lanner, der durch eine Testamentseröffnung kurzerhand zum Grafensohn befördert worden ist – nicht zum Wohlgefallen seiner neuen Verwandten.

Verkörpert wird Fritz Lanner vom Grazer Robert Finster. Der hat seinen Dreh als Häufchen Elend begonnen. „Gleich am ersten Drehtag kam die Szene, in der ich auf meinem Bauernhof zusammengekauert in der Ecke sitzen und Rotz und Wasser heulen soll.“  Wie versetzt man sich am besten in so eine Elendslage? „Da gibt es mehrere Methoden. Man kann zum Beispiel im emotionalen Gedächtnis etwas wachrufen, das dem ähnlich kommt, oder die Situation in der Fantasie real werden lassen. Als Unterstützung gibt es aber auch einen Menthol-Stift für unters Auge, dann rinnt das Wasser von selbst“, plaudert Finster aus dem Nähkästchen.  

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Drehteam: Regisseur Michael Rowitz mit den Schauspielern Martina Ebm, Robert Finster, Maria Happel, Johannes Krisch, Krista Stadler und Enzo Gaier auf Burg Strechau (v. l.).

Den Weg in die Schauspielerei hat er über Umwege gefunden. Die Eltern sind Musiker, als Kind fand er zwar Gefallen an Vorspielstunden auf der Geige und Chorgesang, atmete später Bühnenluft als Mitglied der Kabarettgruppe „Andritzer Treffpünkte“ und im Off-Theater, arbeitete schlussendlich aber in der Telekommunikationsbranche selbstständig im Außendienst. Die Exfreundin führte ihn durch beharrliches Nachfragen, ob das denn nun sein Lebensplan sei,  zurück auf den Pfad der Bühnenkunst. Der leidenschaftliche Grazer, der Billard-Lokale im Lendviertel sein Wohnzimmer nannte, wollte Schauspiel in seiner Heimatstadt studieren, wurde aber mehrmals abgewiesen. Um ein Haar wäre er der Jahrgang von Film-Ehefrau Maddalena Hirschal geworden. „Am Max-Reinhardt-Seminar hat es dann geklappt und ich bin in Wien geblieben.“ Das Grazer Schauspielhaus bleibt im Fokus.

Film oder Theater, ist das hier die Frage? „Ich bin kein Kostverächter. Der Unterschied zwischen Theater und Film, hat einmal jemand gesagt, ist folgender: Am Theater trägt man in den Proben die Konflikte aus, beim Film am Drehschlussfest.“ Das Theater erlaube viel Absurdes, der Film große Nähe, „die Bewegung eines Nasenflügels wird man auf einer Bühne nicht bemerken“.

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Burg Strechau

Rolle als Bildstörung

Gibt es eine Wunschrolle? „Ich würde wahnsinnig gerne einmal Richard III. spielen. Das ist schon eine fantastische Figur. Ich mag es, dass der liebe Richard so offensichtlich der Böse ist und trotzdem Sympathien abstaubt.“ Keinen Hehl macht Finster auch aus einer Affinität zu skurrilen Figuren – ob in hohen Schuhen, Vollbart und Unterwäsche oder laut eigener Definition als „Bildstörung“ in seinem letzten Film „Krieg“ mit Ulrich Matthes, der heuer beim Film-Festival in Venedig Premiere feierte. „Ich denke, durch meine kurze Szene ist ein leichter Moment entstanden, der dem Zuschauer hilft, den Film nicht zu schwer zu nehmen.“ Und wie erträgt sich Finster selbst auf der Leinwand? „Ich hasse es. Ich fürchte mich jedes Mal, bevor ich ins Bild komme.“ Ehrliche Kritik helfe da, etwa von seiner Mutter, „sie geht hart mit mir ins Gericht, aber das möchte ich auch gar nicht anders haben. Sie weiß, was echt ist und was nicht. Sie kennt ihren Buben halt.“

Für den von der Cine Styria in die Steiermark geholten Dreh zu „Recht oder Gerechtigkeit“ wird noch bis November um Admont, Rottenmann und im Ausseerland gearbeitet. Für die arbeitsärmere Zeit sucht Finster noch ein neues Hobby. Zuletzt hat er selbst mit Hilfe eine Dusche in seine Wiener Wohnung eingebaut. Davor lebte er jahrelang ohne eigenes Bad. Geduscht hat er bei Freunden, in öffentlichen Bädern und im Fitnessstudio. 

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Schauspieler Robert Finster im Interview mit STEIRERIN Redakteurin Elke Jauk-Offner.
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