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Lifestyle | 15.02.2017

Natur in Bestform: Superfood

Sie sind in aller Munde: Der Hype um die nährstoffreichsten Früchte und Samen der Welt ist groß. Aber auch regionale Kraftbomben können es leicht mit exotischen Heilsbringern aufnehmen.

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Superfood ist in aller Munde. © Shutterstock

An Superfood kommt man derzeit kaum vorbei. Mittlerweile bietet praktisch jeder Supermarkt Lebensmittel mit Super-Zutaten. Sie tragen so klingende Namen wie Açai, Chia, Goji, Quinoa, Spirulina oder AFA-Alge und versprechen Gesundheit, Schönheit und Vitalität. Entsprechend groß ist die Nachfrage. Das ist die eine Seite der Medaille. Vielfach sind sie jedoch teuer, weit gereist, unter fragwürdigen Produktionsbedingungen hergestellt oder mit Schadstoffen belastet.

„Eine gesundheitsrechtlich verbindliche Definition von Superfood gibt es nicht“, verweist Ernährungswissenschaftlerin Sandra Holasek darauf, dass das Mäntelchen der Vermarktung keinen unwesentlichen Anteil am Hype hat. Fest steht: Der Begriff meint Lebensmittel, die außergewöhnlich reich an wertvollen Inhaltsstoffen sind. Genau solche Pflanzen wachsen auch direkt vor unserer Haustüre. Die steirischen Kraftbomben, die mit Superlativen glänzen, heißen beispielsweise Aronia-Beere, Hirse, Hanfsamen, Heidelbeere, Kürbiskern, Walnuss oder Leinsamen. Sie punkten etwa mit Vitaminen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen in Form von Duft- und Farbstoffen.

„Von großer Bedeutung ist ein möglichst geringer Verarbeitungsgrad der Produkte. Neben Bio-Qualität sollte vor allem auf Rohkostqualität geachtet werden“, betonen Lulit und Mabon Wunder. Die Allgemeinmedizinerin und der Diätologe betreiben den Laden „SuperFood“ in Graz, haben allerdings auch Exotiker, „wir schauen da aber genau auf die Hersteller“. Sind die Superlebensmittel vermahlen, sollte dies bei Temperaturen unter 32 Grad Celsius passiert sein, damit die Inhaltsstoffe möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Die heimische Natur ist jedenfalls voll von Superfood. „Leinsamen hat mit seinen wertvollen Omega-3-Fettsäuren und seinen antioxidativen Eigenschaften dieselbe Wirkung wie Chia-Samen, kostet viel weniger und wurde nicht über derart lange Strecken transportiert“, sagt Nicole Zöhrer. Die Ernährungswissenschaftlerin hat mit ihren Kolleginnen Daniela Grach, Caroline Schlinter und Marlies Wallner als Schlankmacher, Jungbrunnen und Gesundheitsbooster gepriesene Lebensmittel im „Schwarzbuch Superfood“ (Leopold Stocker Verlag) unter die Lupe genommen.

Dunkle Beeren können es als Vitaminwunder leicht mit der Goji-Beere aufnehmen, Quinoa ist mit heimischer Hirse zu vergleichen, wertvoll sind auch Sanddorn, Weizengras und Wildkräuter. „Letztere sind schon allein deshalb zu empfehlen, weil sie auf besonders nährstoffreichen Böden wachsen“, sagt Wunder.

Achtsamkeit ist gefragt. Bei aller Begeisterung für einzelne Inhaltsstoffe, rät Holasek: „Ein Lebensmittel muss immer gesamt bewertet werden. Es mag vielleicht wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe beinhalten, das Produkt kann aber dennoch fett- oder zuckerreich sein.“ Die Krux: Der Mensch tendiert schon evolutionstechnisch zu hochkalorischen Lebensmitteln – der tägliche Kampf um Sein und Nichtsein in Urzeiten lässt grüßen. Das Bewusstsein für energieärmere Produkte zu schärfen sei daher wichtig, „und das sind eben vor allem die pflanzlichen Produkte“, betont Holasek.

Superfood alleine macht noch keine Superernährung. „Mit einem einzelnen Lebensmittel kann man nicht wiedergutmachen, was man in der täglichen Ernährung verpatzt“, sagt Zöhrer. Lulit Wunder verweist zudem auf die Bauchgesundheit, „auch die Verdauungsleistung muss stimmen“. Superfood macht die Ernährung vollwertiger, bunter und ausgewogener. Und es hat ein zusätzliches Schutzpotenzial für die Gesundheit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Superfood
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Aroniabeeren: Der Newcomer als steirisches Superfood enthält Anthocyane und Proanthocyanidine. Sie geben den Beeren die dunkle Farbe und das antioxidative Potenzial. Es übersteigt jenes von Heidelbeeren um mehr als das Fünffache. Am besten als Saft oder getrocknet. © Shutterstock
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Leinsamen: Die Kombination aus Alpha-Linolensäure, Ballaststoffen und Lignanen verdichtet Leinsamen zum Superfood. Entzündungsreaktionen werden vermindert, die Verdauung wird gefördert. Am besten frisch geschrotet verwenden, um Inhaltsstoffe gut zu verwerten. © Shutterstock
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Kürbiskerne: Der Gesamtfettgehalt liegt zwar bei über 98 Prozent, mehr als 80 Prozent bilden aber ungesättigte Fettsäuren. Im Kampf gegen freie Radikale unterstützen das reich enthaltene Vitamin E und polare Phenole. Schmeckt pur, getrocknet oder als Kürbiskernöl. © Shutterstock
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Hirse: Vom hohen Eisenanteil profitiert man, wenn man Hirse mit Vitamin C konsumiert. Sie eignet sich für glutenfreie Ernährung, weil sie kein Klebereiweiß hat. Hirse ist reich an Kieselsäure, das ist gut für Knochen, Haut, Haare. Sie wird in Flüssigkeit gegart. © Shutterstock
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Walnüsse: Keine andere Nuss enthält so viele Omega-3-Fettsäuren wie die Walnuss. Sie besteht zwar zu 65 Prozent aus Fett. Das günstige Fettsäureprofil mit den vorwiegend ungesättigten Fettsäuren beeinflusst den Cholesterinspiegel aber positiv. Einfach knabbern. © Shutterstock
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Hanfsamen: Als wertvolle Eiweißquelle eignen sich Hanfsamen zum Beispiel fürs Müsli. Die optimale Zusammensetzung von Fettsäuren schützt das Herz. Aus dem Pressrückstand von kalt gepressten Samen wird Hanfmehl gewonnen. Es wird zum Backen und Kochen verwendet. © Shutterstock
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Sanddorn: Die Früchte gelten als wichtige Vitamin-C-Quelle. Der Gehalt ist mit 600 mg pro 100 g Früchte besonders hoch. Die Beeren werden frisch oder getrocknet gegessen bzw. sind weiter verarbeitet. Extrakte des Sanddorns werden auch in der Kosmetik eingesetzt. © Shutterstock
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Heidelbeeren: Dunkle Beeren dürfen sich grundsätzlich in die Kategorie Superfood einreihen. Die Heidelbeere punktet dank der färbenden Pigmente mit entzündungshemmenden, antikanzerogenen und herzschützenden Eigenschaften. In diesem Sinn: idealerweise frisch genießen. © Shutterstock
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Käferbohnen: 100 Gramm getrocknete Bohnen liefern 20 Gramm Eiweiß. Käferbohnen sind wichtige Eiweißlieferanten für Vegetarier und Veganer. Der hohe Ballaststoffanteil fördert die Verdauung und bewirkt eine längere Sättigung. Reich an sekundären Pflanzenstoffen. © Shutterstock
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Kren: Die steirische Traditionswurze glänzt nicht nur durch ihre Schärfe. Die ätherischen Öle mit dem Wirkstoff Sigrin wirken antibiotisch, enthaltene Senföle antibakteriell. Zum Beispiel frisch gerieben zur Jause. Hitze und langes Stehenlassen vermeiden! © Shutterstock