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Lifestyle | 21.09.2020

Die geborene Genießerin

Die erfolgreiche Food-Bloggerin Eva Kamper-Grachegg erzählt über die Gerüche und Geschmäcke ihrer Kindheit und verrät zwei ihrer besten Rezepte.

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Food-Bloggerin Eva Kamper-Grachegg © Amelie Chapalain

Mei liabste Speis“ heißt der Food-Blog von Eva Kamper-Grachegg und er sieht aus wie Omas Küche – ins Internet verlagert. So heimelig, dass man sich am liebsten sofort eine Kochschürze umbinden und eines ihrer Rezepte ausprobieren würde. Viele sind steirisch – es ist die Küche, mit der Eva aufgewachsen ist. Sie kommt aus Graz und verbrachte viel Zeit bei ihren Großeltern in der Weststeiermark.  Eigentlich wollte sie nie weg, aber ein Projekt in der PR-Branche lockte sie in jungen Jahren nach Wien und das Fachhochschulstudium Marketing und Sales ließ sie letztendlich dort bleiben. Was Eva mitgenommen und in ihren liebevollen Blog verwandelt hat: die steirische Küche und die große Liebe zum Essen. „Ich wurde als Genießerin geboren“, stellt sie fest. „Es gibt keine Erinnerung, die nicht mit Genuss  zu tun hat. Ich war immer das Kind, das irgendwo saß und eine zermatschte Biskotte in der Hand hatte.“ Es sind die bodenständigen, richtig ursteirischen Dinge, die ihr am meisten im Gedächtnis geblieben sind. „Wenn ich die Augen schließe und mich an meine Kindheit erinnere, fällt mir sofort der Geruch von Kernöl ein“, sagt sie. „Wir hatten sehr oft Käferbohnensalate mit Kernöl in allen Varianten. Und Backhendl! Den Geruch von Backhendl verbinde ich ganz stark mit meinem Zuhause, genau wie den von Sterz. Wir hatten früher oft Heiden­sterz in der Suppe mit Grammeln oder in einer guten Wintersuppe mit getrockneten Steinpilzen. Die Steinpilze hatten wir selbst gesammelt. Aber ich weiß noch, dass ich den Sterz als Kind gar nicht so sehr mochte“, erzählt sie.


Preisgekrönter Food-Blog.

Mit „Mei liabste Speis“ erreichte Eva 2018 beim Austria Food Blog Award den ersten Platz. Was anfangs nur eine Möglichkeit zum Festhalten von Rezepten war, ist heute ein handfestes Business – zusätzlich zu ihrer Selbstständigkeit als Beraterin für Branding und Markenmanagement. In der Zeit des Lockdowns stellte sie für ihre Leser das E-Book „Kochen aus der Vorratskammer“ zusammen. So kocht Eva selbst ohnehin immer am liebsten, wie sie erklärt: „Ich schaue mir an, was ich in der Vorratskammer und im Kühlschrank habe, und mache was da­raus.“ Was sie für ihren Blog kocht, wird auch von der Familie gegessen. Großen Wert legt sie auf Saisonalität und Regionalität der Produkte. „Das hat ethische und ökologische Gründe, ist aber auch eine Geschmacksfrage. Du kannst gar nicht fremdländische Produkte in der Qualität importieren, die du hast, wenn du in den Wald gehst und einen frischen Steinpilz findest“, erklärt sie.


Ihren Kochstil bezeichnet Eva mit einem einzigen Wort: „Einfach! Ich mag nichts Kompliziertes! Das Leben ist kompliziert genug. Wenn gute Lebensmittel im Mittelpunkt stehen, braucht es nicht viel. Das steht für sich alleine!“ Einfache Rezepte, frisch Kochen und bewusstes Essen – das ist der Kern von „Mei liabste Speis“. Der Aspekt des Bewussten bedeutet für Eva einerseits, dass man sich dem Essen voll und ganz widmet, andererseits aber auch, sich über die Herkunft von Lebenmitteln und deren Konsequenzen im Klaren zu sein. Eva findet, dass unsere Gesellschaft sich in Verbindung mit Essen Fragen nach sozialer, kultureller, moralischer und ökologischer Verantwortung stellen muss. Frühere Generationen hätten diese Möglichkeit noch gar nicht gehabt, weil es bei ihnen noch ums Überleben ging und die permanente Verfügbarkeit aller Lebensmittel im Supermarkt nicht gegeben war. Die Lebensmittelsicherheit und -qualität war niemals höher als jetzt. Was sich geändert hat, sind die Fragen, die wir uns dazu stellen. „Ich glaube schon, dass wir für die ständige Verfügbarkeit von allem als Gesellschaft einen Preis bezahlen. Was heißt denn das, wenn wir alle unsere Guacamole essen wollen?“, gibt Eva zu bedenken. „Die Avocado ist die Frucht rund um die Geldwäsche und die Frucht, wegen der die Menschen in Brasilien ausgebeutet werden, damit mehr Avocadoplantagen angelegt werden können. Das sollten wir bedenken, bevor wir unseren schicken Avocado-Toast für Instagram essen. Essen ist das, was uns am Leben erhält. Ich glaube, dass Dinge, die unter unwürdigen Umständen produziert wurden, keine Lebensenergie geben können.“


Schmecken muss es.

Nicht besonders instagrammy, wie sie meint, aber ein toller Tipp von Eva sind gekochte heurige Erdäpfel, die halbiert, mit Salz bestreut und mit kalter Butter auf den Schnittflächen serviert werden. „Das schmeckt so köstlich! Ich esse es heute noch sehr gerne“, schwärmt sie. Die Achtsamkeit für einfache Dinge und das bewusste Genießen will sie mit ihren Rezepten an ihre Leser weitergeben. Oder, wie ihre Oma immer gesagt habe: „Setz dich hin und schau einmal, wie gut das ist!“

www.meiliabstespeis.at