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Lifestyle | 14.09.2020

Gesundheit fängt im Kopf an

Klara Fuchs hat sich einem großen Thema gewidmet: ganzheitlicher Gesundheit. Mit Sport, Mentaltraining und Stressprävention möchte sie Impulse geben, zu mehr Selbstwertgefühl zu finden.

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© Klara Fuchs

Am Anfang stand ein Onlinetagebuch. Spätestens als die junge Sportwissenschaftlerin 2015 einen Blogger-­Award in der Kategorie Gesundheit gewann, wurde das anfängliche Hob­by allmählich zum Beruf. Ihre Hauptthemen blieben dabei ganz persönlich: Ihr Fokus auf Mentaltraining baut auf ihrem früher sehr schlechten Selbstwertgefühl auf, der enorme zeitliche Druck mit Blog, Studium, Job und Sport machte Stressprävention zu einem weiteren Herzensthema. Heute schreibt sie nicht nur über ihre Erfahrungen, sondern hat auch diverse Ausbildungen absolviert, gibt Seminare für Firmen, hat einen Onlinekurs entwickelt und sogar ein Buch geschrieben.

STEIRERIN: In deinem Buch „Powerful Mind“ beschreibst du deinen Zugang zu ganzheitlicher Gesundheit.
Klara Fuchs: Die große Vision war es, nicht nur ein Sportbuch mit Trainingsübungen zu schreiben, sondern auch zum Thema Selbstwertgefühl. Viele Frauen fangen mit Sport an, weil sie abnehmen und schöner werden möchten, nicht weil es ihnen Spaß macht oder es gut für ihr Lebensgefühl ist. Wir sporteln für Anerkennung, nicht für uns selbst. Gesundheit fängt aber im Kopf an, daher geht es auch um Mentaltraining und Ernährung.

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© Julian Koch

Kann Sport beim Thema Selbstliebe helfen?
Durch Sport kann man auch sein Selbstbewusstsein stärken. Du merkst, dass es dir besser geht, wenn du statt nur einer Liegestütze auf einmal drei schaffst. Du fühlst dich gelassener, wenn du dich auspowern kannst. Es ist ein kleiner Kreislauf, der sich gegenseitig beeinflusst.

Welche Botschaft versuchst du deinen Followern zu vermitteln?
Dass sie mutiger sein, sich mehr zutrauen und sich nicht so viele Gedanken machen sollen, was andere denken. Lieber auf wenige Menschen fokussieren, deren Meinung zählen darf, und sich nicht so viele Gedanken über die unwichtigen Dinge machen.

Warum haben wir oft ein mangelndes Selbstwertgefühl?
Viele Menschen haben einfach Angst, authentisch zu sein und so zu sein, wie sie sein wollen. Wir sind soziale Wesen, wollen in der Gruppe dazugehören. Wenn ich raussteche und anders bin, habe ich auch Angst davor, abgelehnt zu werden. Da schwingt auch unser Urinstinkt mit, dazugehören zu wollen.

Wie überwinden wir diesen Zwiespalt?
Ein großer Schritt ist die Bereitschaft, verletzlich zu sein. Männer zeigen nur ihre starken Seiten, Frauen haben eine perfekte Schutzhülle, die alles meistert und unter einen Hut bekommt. Wir haben Angst, Schwächen zu zeigen, obwohl unsere Emotionen und die Frage nach Hilfe keine Schwächen sind. Sich einmal verletzlich zu zeigen und einzusehen, dass man nicht immer alles alleine meistern kann, bewirkt eine große Veränderung in uns.

Emotionen nicht unterdrücken

Beim Versuch, perfekt zu sein, unterdrücken wir unsere Wünsche und unser Verlangen. Dadurch entstehen Probleme wie emotionales Essen, Alkoholabhängigkeit, exzessiver Sport, Überarbeitung. Alle sind Kompensations- und Schutzmechanismen. Wir sollten unsere Gefühle stärker zulassen, besser wahrnehmen und den Schmerz spüren, anstatt ihn zu unterdrücken.

Sich selbst vertrauen

Wir suchen immer außen nach Lösungen und fragen andere um Rat. Dabei vergessen wir oft, auf unsere eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Wir sehen immer nur das, was wir noch nicht erreicht haben. Sich einfach mal klarmachen: Ich habe schon viel gemacht, viel überstanden. Vielleicht weiß ich noch nicht, wie ich diese Situation meistern werde, aber irgendwie schaffe ich es schon.

Bereitschaft für Verletzlichkeit

Der erste große Schritt ist es, sich verletzlich zu machen. Wir spüren diese Verletzlichkeit, wenn wir den Job verlieren oder bei einer Trennung. Zu akzeptieren, dass es wichtig ist, verletzlich zu sein; Mut zu haben, etwas zu machen, was nicht viele machen.

Atemtechniken lernen

Das klingt fast zu einfach – wir atmen automatisch, der Körper macht das für uns. Aber unter Stress und Nervosität wird der Atem flach und schnell. Mit unserem Atem können wir sehr viel steuern. Beim Einatmen ganz bewusst bis vier und beim Ausatmen bis acht zählen – dann merken wir, wie wir langsam ruhiger werden und wieder klarer denken. Regelmäßig an unserem Atem zu arbeiten hilft uns, runterzukommen und bessere Entscheidungen zu treffen.

Wir sind nicht allein

Unser Perfektionismus sagt uns, wir dürfen immer nur unsere starke Seite zeigen und nicht um Hilfe bitten. Sich einfach mal sagen, ich muss nicht alles alleine meistern. Das macht uns wieder verletzlich, ist aber auch wichtig: So können wir viel Vertrauen und bessere Beziehungen zum Gegenüber aufbauen.