Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 09.09.2020

„Das schaffen wir gemeinsam!“

SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz ist überzeugt: In Sachen Gleichstellung ist noch ein weiter Weg zu beschreiten, zurücklegen könne man ihn allerdings nur gemeinsam.

Bild Bildschirmfoto 2020-08-13 um 10.21.00.jpg
© Shutterstock

STEIRERIN: Die Grenzen in Europa sind wieder offen, der Mund-­Nasen-Schutz ist aus den meisten Bereichen der Öffentlichkeit verschwunden. Nach Wochen des Ausnahmezustands beginnt sich das Leben in der Steiermark langsam zu normalisieren. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Hannes Schwarz: Ich denke, der Shutdown war für die meisten von uns eine große Herausforderung, vor allem aber für Frauen. Das Ausmaß an unbezahlten Arbeiten hat in dieser Zeit insbesondere in Familien mit Kindern immens zugenommen. Den Großteil dieser Tätigkeiten haben Frauen übernommen. Das hat auch eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien gezeigt: Mütter haben in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen im Schnitt täglich 9,5 Stunden unbezahlte Arbeit geleistet, Väter 7. Umso mehr geärgert hat es mich dann, wenn die Rede von „Entschleunigung“ war. Das war ein schlichtweg falsches Bild der Realität, das mit Sicherheit bei vielen Menschen viel Druck erzeugt hat.

Warum?
Weil damit der Eindruck des Versagens vermittelt wurde, wenn Eltern es nicht geschafft haben, in der Zeit zu Hause Homeoffice, Videokonferenzen, Unterricht, Kinderbetreuung – am besten mit aufwendigen Bastelprojekten und Experimenten –, selbstgemachtes Brot und Haushalt unter einen Hut zu bringen und dabei zu lächeln. Sogar unser Bundeskanzler meinte, es sei keine Schande, das Angebot in Kindergärten und Schulen zu nutzen, und vermittelte damit doch genau das. Es ist wie mit dem rosaroten Elefanten, an den man nicht denken soll. Die Folgen waren dann eine Zunahme von depressiven Symptomen, Angst und Schlafstörungen – vor allem bei Frauen.

Bild 2007_ST_ME_Feminismus-1.jpg
SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz © Land Steiermark/Peter Drechsler

Warum übernehmen die Männer dann nicht einfach mehr, damit weniger Arbeit auf den Schultern der Frauen lastet?
Es braucht ein Umdenken in der Gesellschaft. Ich höre viele Männer so oft sagen: „Ich helfe mit den Kindern und im Haushalt.“ Es ist aber keine Hilfe, es wäre viel eher unsere Aufgabe, 50 Prozent der unbezahlten Arbeiten in der Betreuung und im Haushalt zu leisten. Dasselbe gilt auch für die Wertigkeit der von Frauen geleisteten bezahlten Arbeiten: Leider ist es noch immer so, dass Jobs in Branchen, in denen viele Frauen arbeiten, schlechter entlohnt werden. Dabei sind gerade diese Branchen oft systemrelevant, wie uns die Corona-Krise gezeigt hat: Pflege, Einzelhandel, Reinigungskräfte. Dass diese Frauen zuerst gefeiert, ihre Forderungen nach einem Mindestlohn aber nun doch wieder ignoriert werden, ist für mich nicht hinnehmbar.

Neben einem Mindestlohn – welche Maßnahmen braucht es Ihrer Meinung nach aus politischer Sicht, um die Gleichstellung von Frau und Mann voranzutreiben?
Meiner Meinung nach zum Beispiel ein breit gefächertes Kinderbetreuungsangebot, vor allem im Sommer. Eine Sommerschule für Schülerinnen und Schüler, die in Deutsch Nachholbedarf haben, wird nicht reichen. Eine allgemeine Arbeitszeitreduktion, damit mehr Frauen in Vollzeit arbeiten und im Alter eine gute Pension haben. Und natürlich gleiche Bezahlung für gleiche Leistung.

Was bewegt Sie als Mann dazu, sich für die Anliegen der Frauen einzusetzen?
Ich sehe diese Dinge nicht als Anliegen der Frauen, sondern als Anliegen unserer Gesellschaft. Wenn eine Gruppe benachteiligt und/oder diskriminiert wird, muss man ihr nicht angehören, um Ungleichbehandlungen aufzuzeigen. Außerdem kommt es ja auch den Männern zugute, wenn wir uns von tradierten Geschlechterrollen verabschieden. Insofern finde ich, dass sich noch viel mehr Männer für Gleichstellung einsetzen sollten, auch innerhalb der Sozialdemokratie.

Ist das nicht der Fall?
Die Forderungen nach Fairness, Chancengleichheit und einem freien Leben liegen in der DNA der Sozialdemokratie. Insofern haben wir uns immer schon für die Gleichstellung von Frau und Mann eingesetzt. Der Frauentag, das Frauenwahlrecht, die rechtliche Gleichstellung von Ehefrau und Lebensgefährtin, die Fristenregelung – das sind alles sozialdemokratische Errungenschaften. Ich finde nur, wir sollten uns wieder ein wenig mehr auf die Problematik der Ungleichstellung besinnen. Mit den Maßnahmen, die wir setzen wollen, wie zum Beispiel dem Mindestlohn und der Arbeitszeitreduktion, verfolgen wir ohnehin schon den richtigen Weg. Gemeinsam schaffen wir das.