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Lifestyle | 16.07.2020

Zu Fuß durch die Steiermark

Zum Start in die Urlaubs- und Ferienzeit durchqueren wir gemeinsam mit Elisabeth Zienitzer und Silvia Sarcletti die ganze Steiermark von Nord bis Süd. Der Weitwanderweg „Vom Gletscher zum Wein“ bietet für jeden Geschmack die ideale Etappe: vom Genuss-Wanderer über die Familie bis hin zum sportlichen Wanderer. Schuhe zubinden und los geht’s!

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Fotos: © WEGES, Rother

Elisabeth Zienitzer und Silvia Sarcletti sind die steirischen Wanderspezialistinnen schlechthin. Seit Jahren publizieren sie sehr erfolgreiche Wander- und Schneeschuhführer. Einschlägige Fachmagazine setzen auf ihre Expertise. Mit ihrer Firma „Weges“ widmen sie sich ganz der Liebe zu Bewegung und Natur. Der Name setzt sich zusammen aus „Weg“ und den Vornamen der beiden Gründerinnen, die sich im Lauf der Jahre gemeinsam die ganze Steiermark erwanderten. Aktuell arbeiten sie an ihrem neuen Buch über die Oststeiermark, das im Frühjahr 2021 erscheinen wird.

In diesem etwas außergewöhnlichen Frühsommer packen besonders viele Menschen den Rucksack und machen sich auf, zu Fuß die Steiermark zu erkunden. „Wir bekommen extrem viele Anfragen zu Wanderungen“, bestätigt Zienitzer. Zum Glück sind die Möglichkeiten geradezu unerschöpflich. Die Steiermark bietet einfach alles: „Vom Gletscher zum Wein“ – der Name dieses von Steiermark Tourismus ins Leben gerufenen Weitwanderwegs ist Programm. Er nimmt seinen Ausgangspunkt bei der Dachstein-Seilbahn. 60 Etappen führen Wanderer auf einer Nord- und einer Südroute an die schönsten Plätze der Steiermark. Die STEIRERIN hat gemeinsam mit den Wanderprofis Zienitzer und Sarcletti Tipps für jeden Wandertyp entlang des Weges „Vom Gletscher zum Wein“ zusammengestellt. Egal ob Sie es am liebsten gemütlich angehen, mit Kindern unterwegs sind oder den Adrenalinkick suchen – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

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Der Genuss-Wanderer

Wer beim Wandern vor allem die Einkehr im Blick hat, bleibt am besten bei einer Miniwanderung oder einem Spaziergang über einfaches Gelände, Wald- und Wiesenwege und Forststraßen bis auf 200 Höhenmeter. Ein Rucksack ist für eine ein- bis zweistündige Wanderung nicht notwendig – allenfalls vielleicht eine Jacke. Strategisch klug ist es für den Genuss-Wanderer, eine Strecke mit Einkehrmöglichkeiten am Beginn, am Ende und mit einer Hütte oder einem Almgasthaus in der Mitte der Route zu wählen. Im Idealfall gibt es unterwegs viele schöne Fotopoints und Rastmöglichkeiten, um Bilder für Instagram, Facebook & Co. zu machen. Durch ein einfaches Markierungssystem mit genauen Beschreibungen vor Ort können sich Sonntags- und Schönwetterwanderer ganz auf die Einkehr-Vorfreude konzentrieren. Auch Wanderevents wie eine Schman­kerlwanderung oder der Hofer-Wandertag sind für den Genuss-Wanderer optimal.

Tipp: Klöch / Traminerweg
Perfekt geeignet für den Genuss-Wanderer ist der einfachste und letzte Teil der Nordroute des Weitwanderweges „Vom Gletscher zum Wein“. Auf dem Traminerweg von Klöch in Richtung Bad Radkersburg wandert es sich so komfortabel, dass man schon beinahe Spazierengehen sagen kann. Der Weg führt ein Stück weit direkt an der österreichisch-slowenischen Grenze entlang, markiert durch den Grenzbach Kutschenitza. Auch ein alter Grenzübergang liegt auf der Strecke. Am Ende kann man sich an der Burg orientieren und in einer geraden Linie nach Bad Radkersburg wandern. Dort empfehlen sich zum Einkehren das Gästehaus Ferk und der Gasthof Metzgerwirt.

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Der ambitionierte Wanderer

Vier bis sechs Stunden sind die optimale Dauer für eine ambitionierte Wanderung in mittelschwerem, abwechslungsreichem Gelände auf bis zu 1.000 Höhenmeter. Die Ausrüstung sollte ein Erste-Hilfe-Set beinhalten. Eine Rucksackgröße von 38 Litern ist für solche Touren gut geeignet. Der ambitionierte Wanderer freut sich auf das Gipfelfoto, ist mit Portalen wie „outdooractive“ und „bergfex“ vertraut und sieht Einkehrmöglichkeiten als Nice-to-have, kommt aber auch ohne aus. Er findet sich auch mit spärlichen Wegmarkierungen gut zurecht, kann Karten lesen und hat einen guten Orientierungssinn. Zudem trackt er gerne die Daten seiner Tour, um sie auf Social Media zu teilen.

Tipp: Von Neuberg a. d. Mürz auf die Schneealpe
Der Weg „Vom Gletscher zum Wein“ hält mit der Etappe von Neuberg a. d. Mürz auf die Schneealpe eine schöne Herausforderung für den ambitionierten Wanderer bereit: 1.300 Höhenmeter sind hier zu bewältigen! Ausgangspunkt ist das Münster in Neuberg a. d. Mürz. Von dort führt der Weg über den Rastplatz Sieben Quellen zur Quelle Karlbrunn bis zur Knoppenwiese, dann weiter in Richtung Osten über wunderschöne Karstflächen Richtung Windberg auf 1.903 Metern mit Gipfelkreuz und beeindruckender Aussicht. Der Abstieg geht über die Michlbauerhütte zur Schneealpe.

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Der gemütliche Wanderer

Auch für den gemütlichen Wanderer empfiehlt sich eine kurze Strecke im einfachen Gelände mit sanftem Auf und Ab. Ein bisschen mehr verausgaben als der Genuss-Wanderer darf sich der gemütliche Wanderer aber durchaus: mit zwei- bis dreistündigen Touren auf bis zu 500 Höhenmeter. Eine Rucksackgröße von 25 Litern reicht für Regenbekleidung, Getränk und eventuell eine Jause. Jedenfalls einzuplanen sind Einkehrmöglichkeiten am Anfang und am Ende der Wanderung. Mit sehr guten Wegmarkierungen kann der gemütliche Wanderer auf Orientierung mittels GPS oder Karte weitgehend verzichten. Worauf er nicht verzichten möchte, sind schöne Fotopoints mit Aussicht und leckeres Hütten-Essen zum Posten auf Social Media. Der gemütliche Wanderer ist auch eher ein Sonntags- und Schönwetterwanderer, hält aber auch andere Wetterstimmungen aus.

Tipp: Vom Almenland ins Apfelland
Für eine gemütliche Wanderung an einem heißen Sommertag empfiehlt sich insbesondere die Etappe von Brandlucken im Almenland nach Anger bei Weiz, denn der Weg führt großteils durch schattenspendenden Wald. Auf einfachen Wegen und Forststraßen wandert man von der Brand­lucken in Richtung Süden über die Bendlerhöhe zur Eibishütte, die sich nicht nur für eine Einkehr, sondern auch wegen ihrer schönen Aussicht anbietet. Weiter geht es an einer Quelle vorbei in Richtung „Rauchstubenhaus / Anger“. Wer eine Pause braucht, macht einen Abstecher ins Gasthaus Almer. Der letzte Teil der Strecke führt dann durch einen wunderschönen Buchenwald ins Zentrum von Anger bei Weiz.

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Der sportliche Wanderer

Wer sportlich unterwegs ist, wählt am besten lange Wanderungen von fünf bis acht Stunden in schwerem, abwechslungsreichem Gelände. Die Tour kann gerne hoch bis auf 1.500 Meter gehen. Ausgestattet mit einem 32-Liter-Rucksack, digitaler Navigation, Erste-Hilfe-Set und Sportuhr ist der sportliche Wanderer weniger an Foto-­Spots und viel mehr an der Herausforderung interessiert. Er macht allenfalls ein Gipfelfoto und braucht auch keine Einkehrmöglichkeiten. Kartenlesen und Navigieren nach dem eigenen Orientierungssinn sind für ihn kein Problem.

Tipp: Von Rohrmoos zur Ignaz-Mattis-Hütte
Eine lange, anspruchsvolle Tour durch die Bergwelt der Schladminger Tauern auf dem Weg „Vom Gletscher zum Wein“ ist perfekt für den sportlichen Wanderer. Die Wanderung beginnt in Rohrmoos und führt zunächst zur Bergstation der Gipfelbahn Hochwurzen. Von dort geht es weiter bergauf zum Roßfeld und anschließend zum Gipfel der Guschen auf 1.982 Meter. In leichten Auf- und Abstiegen führt der Weg zum Hochfeldmandl und weiter durch felsiges Gelände teils seilversichert zum Brettersee. Ein kurzer Aufstieg fehlt noch, dann erreicht man die Giglachseen und steigt von dort zur Ignaz-Mattis-Hütte ab.

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Silvia Sarcletti und Elisabeth Zienitzer von „Weges“ kennen die steirischen Wanderwege wie ihre eigene Westentasche.

Die Wanderfamilie

Wenn die ganze Familie gemeinsam loszieht, braucht der Papa unbedingt einen großen Rucksack mit viel Wasser und Jause. Die Kinder bekommen ihren eigenen Wanderrucksack und können sich damit stolz an Fotostationen präsentieren. Die Dauer einer Familienwanderung ist flexibel, es empfiehlt sich aber, eher kurze Strecken zu wählen. Das Gelände in 200–300 Höhenmeter darf ruhig abwechslungsreich sein, mit naturnahen Wegen und Bächen, sodass der Spaß für die Kinder garantiert ist. Stichwort Spaß: Highlights sind schöne Jausenplätze mit Tischen, Bänken und Spielmöglichkeiten für die Kinder, aber auch kindergerechte Themenwege – in jedem Fall mit guten Wegmarkierungen. Zusätzlich zur Jause sind auch Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke wünschenswert.

Tipp: Von der Tauplitz zum Steirersee
Eine der schönsten Wanderungen auf der Nordroute des Weitwanderweges „Vom Gletscher zum Wein“ führt von der Tauplitzalm in Richtung Osten über die weiten Almflächen des Hochplateaus zu einem Rast- und Aussichtsplatz oberhalb des Steirersees. Von dort geht es weiter zu den Steirerseehütten und der Trawenghütte. 

 

 

 

 

„Vom Gletscher zum Wein“
Silvia Sarcletti und Elisabeth Zienitzer
Bergverlag Rother
15,40 €