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Lifestyle | 24.06.2020

Lächeln trotz Maske

Im Kinderwunschinstitut Dr. Schenk wird man trotz Maske mit einem Lächeln begrüßt. Was hinter der Idee steht und ob Covid-19 Einfluss auf Schwangerschaften haben kann, erklärt Michael Schenk.

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Claudia Schenk-Hauschka und Michael Schenk. © Thomas Luef

Die „neue Normalität“ hat auch im bekannten steirischen Kinderwunsch­institut Dr. Schenk in Dobl Einzug gehalten. Um die höchste Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter zu gewährleisten, werden auch hier Beratungsgespräche und Behandlungen nur mit Mund-Nasen-­Schutz durchgeführt. „Eine wesentliche Maßnahme, trotzdem geht dadurch viel von der persönlichen Ebene verloren, die gerade in dem Bereich, wo wir helfen, sehr wichtig ist“, erklärt Michael Schenk, Leiter des Instituts. Und so startete der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe eine charmante Offensive, um Menschen, die mit einem Kinderwunsch zu ihm kommen, trotzdem mit einem Lächeln empfangen zu können. 

STEIRERIN: „Bitte lächeln“ heißt es ab sofort bei Ihnen im Institut. Inwiefern?
Michael Schenk: Durch den Mund-Nasen-Schutz, den sowohl wir als auch unsere Patienten tragen, ist ein Großteil des Gesichtes und der Mimik verdeckt. Man weiß oft nicht, wie die Person hinter der Maske überhaupt aussieht. Mit unserer Aktion „Mit einem Lächeln für Sie“ hängen wir uns unser Lächeln in Form eines Fotos einfach um den Hals. Und wir freuen uns, wenn unsere Patienten dies auch tun. Dafür gibt es eine eigene Vorlage auf unserer Homepage, für alle, die dies nutzen wollen.

Wie wichtig ist die persönliche Ebene in Ihrem Tätigkeitsbereich?
Extrem wichtig! Die persönliche Ebene ist das Wesentliche. Wir helfen Patienten in einer Situation, bei der ein Kinderwunsch, der als natürlichste Sache der Welt angesehen wird, nicht funktioniert. Die Menschen kommen oft mit großen Sorgen. Da geht es mir am meisten ab, dass diese persönliche Ebene jetzt so eingeschränkt ist.

Sie können die Situation der Menschen sehr gut nachvollziehen.
Ja, meine Frau und ich waren damals in der gleichen Situation und haben in der modernen Medizin Hilfe gefunden. Daher verstehen wir die Wünsche und Sorgen unserer Patienten sehr gut. Und eines kann ich versichern: Für Menschen, die zu uns kommen, haben wir am Ende des Tages ein ganzes Portfolio an Maßnahmen ausgearbeitet, wie man eine Schwangerschaft erreichen kann. Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten.

Ein wichtiger Schritt für das Liebesleben der Paare?
Genau. Man kann mit Diagnose das Liebesleben aus der Sklaverei befreien. Für viele Paare besteht das Sexleben nur mehr aus der Pflicht, die Kür gibt es nicht mehr. 

Welche Methoden kommen heutzutage am häufigsten bei unerfülltem Kinderwunsch zum Einsatz?
Einerseits In-vitro-Fertilisation, also die Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas. Andererseits ist die ICSI-Methode, das Beimpfen der Eizelle mit der Samenzelle des Mannes, eine Option.

In Bezug auf Covid-19 – gibt es schon Erkenntnisse, ob das Virus Einfluss auf Schwangerschaften haben kann?
Anfangs war noch nicht klar, ob das Virus einen Einfluss auf Embryonen und frühe Schwangerschaften haben kann. Mittlerweile weiß man aber, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass, wenn die Mutter in der Schwangerschaft mit Covid-19 infiziert wird, das Folgen für das ungeborene Kind hat. Für die Mutter selbst ist im letzten Schwangerschaftsdrittel das Risiko eines schwereren Verlaufs erhöht. Das hat damit zu tun, dass ja die Mutter für sich selbst und das Kind atmet und dadurch von den Lungen eine höhere Leistung gefordert ist.

Welchen Einfluss hatten die offiziellen Covid-19-Maßnahmen auf Ihren Betrieb?
Wir haben mit Beginn der Maßnahmen alle nicht lebensnotwendigen Eingriffe eingestellt. Patientengespräche haben wir via verschlüsselter Video-­Telefonie ohne Probleme durchführen können. Trotzdem sind wir froh, dass wir jetzt wieder mit dem Regelbetrieb starten konnten, da die Nachfrage aktuell sehr hoch ist. Ich glaube, viele haben diese Entschleunigung genutzt, um über ihre Wünsche und Ziele im Leben nachzudenken – etwas, das in der Hektik des Alltags oft untergeht.

Wie wichtig ist der Faktor Zeit im Generellen bei einem Kinderwunsch?
Extrem wichtig. Dafür versuchen wir auch mit unserer „Initiative 32“ aufmerksam zu machen. Ein Beispiel: Frauen mit 32 haben eine doppelt so hohe Chance, schwanger zu werden, wie Frauen mit 37. Aus Erfahrung wissen wir, dass Paare schon durchschnittlich fünf Jahre einen Kinderwunsch haben, bevor sie zu uns kommen. Durch unsere Initiative konnten wir ein größeres Bewusstsein für diesen Faktor schaffen und so das Eintrittsalter auf 32,6 senken.

www.kinderwunsch-institut.at

Claudia Schenk-Hauschka und Michael Schenk, Gründer des Kinderwunschinstituts Dr. Schenk, schenken ihren Patienten trotz Maske ein Lächeln. © Thomas Luef