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Lifestyle | 02.12.2019

Gelassen durch die schrille Zeit

Kaum eine Zeit im Jahreslauf ist emotional so aufgeladen wie jene rund um Weihnachten. Warum das Fest der Liebe so viel Stress verursacht und wie man damit am besten umgeht, verrät eine Expertin.

Bild 1912_ST_EM_Resilienz.jpg
© Shutterstock

Leuchtende Kinderaugen unter dem perfekt geschmückten Baum, ein 5-Gänge-Menü, das so manchen Haubenkoch vor Neid erblassen ließe, liebevoll ausgesuchte Geschenke und dann noch ein Silvesterfest, mit dem man beschwingt in ein glückliches Neues Jahr rauscht – so oder ähnlich stellen wir uns die Zeit um Weihnachten und den Jahreswechsel gern vor; die Realität sieht leider oft anders aus.

Stille oder schrille Zeit? „Das Problem ist nicht Weihnachten an sich, es ist unsere Einstellung, die uns stresst“, so Persönlichkeitstrainerin Gabriele Fasching. Die Werbung zeigt vor, wie das perfekte Fest auszusehen hat, inklusive bezaubernd geschmückten Baumes, offenen Kamins, Lichtermeer und Geschenken, bei denen schon die Verpackung verzaubert. „Dazu kommen unser eigenen Ansprüche und Erwartungen“, weiß Fasching – und mit jedem weiteren Punkt auf der Weihnachts-To-do-Liste wächst der Frust und schwindet die Freude. Wappnen kann man sich dagegen, indem man seinen Selbstwert das ganze Jahr über bewusst pflegt. „Dann weiß man auch in dieser emotional aufgeladenen Zeit, was man will, entscheidet selbst, bei welchen Terminen man zu- oder absagt, und feiert genau das Fest, das einem selbst und den Lieben am meisten Freude macht.“
Die eigenen Wunschvorstellungen sollte man jedenfalls nicht ändern: „Unsere Werte und Wünsche machen uns aus – wer ihnen nicht folgt, vernachlässigt das Wichtigste: sich selbst!“ Gefährlich sei auch das Ratespiel rund um das, was sich der andere wünscht. „Das entspricht meist eher unseren eigenen Vorstellungen“, weiß die Expertin. Ihr Tipp: Die betreffende Person einfach fragen, was ihr wichtig ist – und akzeptieren lernen, dass unsere Mitmenschen oft ganz anders ticken als wir selbst.

Freude teilen. Die wichtigsten Fragen lauten: Was ist für mich ein gelungenes Fest? Wer kann mir dabei helfen? Aber auch: Wo kann ich helfen? Denn wer Freiwilligenarbeit leistet, macht sich auch selbst glücklich. Ein weiterer Tipp der Expertin: Rituale genießen und wiederentdecken – aber auch den Mut haben, sie zu adaptieren, wenn sich die persönlichen Wertvorstellungen ändern. „Eine meiner Kundinnen hat sich ganz den Ritualen der Schwiegerfamilie angepasst, um dem geliebten Mann eine Freude zu machen. Dabei wurde sie jedes Jahr trauriger, weil sie die lieb gewonnenen Bräuche aus ihrer Kindheit vermisste – ein offenes Gespräch mit ihrem Mann schaffte Abhilfe, mittlerweile bereitet das Fest beiden wieder große Freude und sie finden genügend Zeit für Freunde und Familie.“ Überraschend sei für die Kundin vor allem das Verständnis gewesen, das die Familie zeigte; ein offenes Gespräch lohnt sich also.

Kind und Kegel. Die Kleinsten nehmen alles in ihrem Umfeld wahr – auch die oft turbulente Gefühlswelt der Erwachsenen unter dem Christbaum. „Auch zu viele positive Eindrücke können Stress für Kinder bedeuten. Darum ist es wichtig, sie nicht zu überfordern, viel Geduld und Verständnis zu zeigen und Raum zum Erholen zu schaffen, damit die vielen Eindrücke verarbeitet werden können“, erklärt die Mentaltrainerin. Mut zur Unvollkommenheit sollten auch Patchwork-Familien an den Tag legen. „Qualität geht eindeutig vor Quantität – es braucht nicht mehrere Feiern, 15 verschiedene Kekssorten und aufwendige Menüs. Besser ist es, Zeit gemeinsam zu verbringen, zum Beispiel beim Kochen oder Backen. Wer um Hilfe bittet, schenkt Vertrauen, und das schafft Bindung – genau das, was wir uns zu dieser Zeit am meisten wünschen.“

Zeit nehmen, Nein sagen. Für eine entspannte Zeit hat die Expertin noch ein paar Tipps auf Lager: Wichtig sei es, Dinge zu unternehmen, die einem selbst guttun und Freude bereiten, und auch einmal Nein zu sagen – Erschöpfung und Enttäuschung sind sonst vorprogrammiert. Wer ganz bewusst Zeit ohne Ablenkungen für sich und die Familie plant, kann dem Trubel entgehen und die Feiertage noch mehr genießen.

Neues Jahr, neues Glück. Oft bringt der Jahreswechsel auch einiges an Veränderungen mit sich – beruflich wie privat. Hier gelte es, persönliche Werte zu definieren. „Wer sich Ziele setzt, die mit den eigenen Werten, Stärken und Erfahrungen im Einklang stehen, aktiviert damit positive Energien und kann letztlich auch die gesteckten Ziele besser erreichen.“
Der Winter sei die perfekte Jahreszeit für diese Selbstreflexion. „Am besten nimmt man sich ein Beispiel an der Natur, die nun zur Ruhe kommt. Auch wir sollten die kürzeren Tage und langen Nächte nutzen, um Kraft zu tanken, uns Zeit zum Nachdenken zu nehmen und uns bewusst zu werden, welche Visionen und Qualitäten unser neues Jahr ausmachen sollen“, rät Fasching. Denn: „Große Visionen entstehen in Momenten der Ruhe.“


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Beigestellt

Absichtl!ch – Gabriele Fasching

Expertin. Gabriele Fasching arbeitete jahrelang erfolgreich im Vertrieb sowie als Haupttrainerin und Coach für Kunden, Führungskräfte und Mitarbeiter. Sie verfügt über Ausbildungen in Mentaltraining, systemischen Aufstellungen, Kinder-Empathie-Training, Humanenergetik, Hochsensibilität u. v. m. Ihr Ziel: Menschen in Führung bringen und gelingende Beziehungen fördern.