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Lifestyle | 10.10.2019

Fakten zur Ungerechtigkeit

Es reicht. Echt.

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266 Minuten arbeiten Frauen pro Tag ohne Bezahlung, Männer nur 108 Minuten. Bezahlte und unbezahlte Tätigkeit zusammengerechnet ergeben bei Frauen 55 Stunden pro Woche, bei Männern nur 49 Stunden.

Zwei Drittel

ihrer gesamten Arbeitszeit leisten Frauen unbezahlt.

Teilzeit

In Österreich waren im Vorjahr 1,1 Millionen Menschen teilzeitbe­schäftigt, 885.000 Frauen und 200.000 Männer. Die typische Teilzeitbe­schäftigte ist zwischen 35 und 44 Jahre alt, hat eine berufsbildende mitt­lere Schule, zwei bis drei Kinder zur Welt gebracht und arbeitet als Ange­stellte im Gesundheits- und Sozialbereich.

Top-Job

8,2 % der Top-Positionen in österreichischen Geschäftsführungen waren 2018 weiblich besetzt, ein leichtes Minus zum Vorjahr. Dafür liegt die Quote in Aufsichtsräten bei 21,4 Prozent.

Zu wenig

ist die Pension, von der viele Frauen leben müssen. Sie liegt um 42,35 Prozent unter jener der Männer: die er­halten im Schnitt 1.930 Euro pro Monat Pension, Frauen nur 1.107 Euro.

1.000.000.000.000

In Deutschland soll im Jahr 2013 die unbezahlte Hausarbeit einen Wert von fast 1.000 Mrd. Euro erreicht haben, das ist mehr als die Wertschöpfung des gesamten produzierenden Gewerbes.

Drei

Eltern von unter dreijährigen Kindern haben in der Steiermark ein Problem, wollen sie kurz nach der Geburt wie­der arbeiten gehen: Es fehlen Kinderbetreuungs­plätze. Während in Wien 44 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz haben, sind es in der Steiermark nur 14 Prozent.

Babypause

Für jedes Kind werden maxi­mal vier Jahre Kindererziehung angerechnet, pro Jahr sind das 28 Euro monatliche Pensionsleistung. Eine Frau, die vier Jahre wegen der Kinder daheimbleibt, erhält also in der Pension monatlich 112 Euro. Menschen, die 1.500 Euro im Monat verdienen, bekommen nach 45 Jahren 1.200 Euro Pension, bei einer Halbierung auf Teilzeit sind es nur 600.

Kinder

324.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre sind armutsgefährdet. 118.000 leben in Haushalten, die sich keinen Urlaub leisten können, 54.000 haben kein Geld, um jeden zweiten Tag Fisch, Fleisch oder eine vergleichbare vegetarische Speise zu essen.

Arm

1,5 Mio. Österreiche­rin­nen und Österreicher sind armuts- und ausgrenzungsgefährdet, sie verdienen weniger als 1.259 Euro im Monat. Ein Viertel davon sind Kin­der, Alleinerzieherinnen sind zu 44 % betroffen, Familien mit mindestens drei Kindern zu 28 %. 29 Prozent aller allein le­ben­den Pensionistinnen sind armutsgefährdet.

Es reicht. Echt.

Ein Zwischenruf aus der Chefredaktion.

Sie gehen sicher gern shoppen, nehmen sich zwischendurch mal Auszeit oder genehmigen sich einen Drink mit Freundinnen. Wissen Sie, wie es auf Ihrem Pensionskonto aussieht? Nein?

Das ist schlecht. Gut zu sich zu sein – und darum geht es uns in diesem Kapitel – bedeutet auch, sich um die eigenen Finanzen zu kümmern. Und hier reicht es uns. Ehrlich. Wir wollen nichts mehr von Wahlfreiheit hören und von einer Familienpolitik, die diejenigen nicht im Blick hat, die durch Kinderbetreuung und sonstige Gratisarbeit die größten finanziellen Einbußen haben: die Frauen. Sie sind es, die die unbezahlte Arbeit leisten, sie sind es, die im Alter mitunter vor einem finanziellen Scherbenhaufen stehen. Es tut weh, aber wir müssen es Ihnen sagen: Sie gefährden sich und Ihre Gesundheit, wenn Sie sich nicht um Ihr eigenes Geld, sprich Ihre Arbeit, Ihren Job, kümmern. Da kann Ihnen Ihr Traummann noch so wohlwollend eine lebenslange Vorsorge durch die Heirat versprechen. 50 Prozent der Paare pfeifen irgendwann mal drauf. Wir, liebe Frauen, werden wahrscheinlich nicht die finanziellen Siegerinnen sein.

Das tut weh. Auch wenn Sie das nicht lesen wollen: Jede starke Frau, die ihr Leben in die eigene Hand nimmt, ist ein Gewinn gegen den zunehmenden Machismus unserer Gesellschaft. Frauenrechtsbewegungen nehmen weltweit eine Zunahme männlicher Gewalt wahr, die aktuell von dominierenden Männern der Gesellschaft wieder salonfähig gemacht wird. Wenn sich der mächtigste Mann der USA damit brüstet, Frauen zwischen die Beine zu greifen, und Männer applaudieren, weil man sich endlich wieder wie ein „richtiger Mann“ benehmen kann, läuft etwas ziemlich falsch. Wir brauchen Männer, die Frauen in ihrer Selbstständigkeit respektieren, wir brauchen keine Führer, sondern Verführer auf Augenhöhe – das im Idealfall im erotischen und lebensfrohen Sinn. Und eigenes Geld, damit wir ihnen Drinks spendieren können.