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Lifestyle | 11.09.2019

Bereit für die Fortsetzung

Juliane Bogner-Strauß zieht für die steirische ÖVP als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Ihr Ziel ist, weiterzumachen, wo sie aufgehört hat. Es gäbe noch so viel zu erledigen.

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© Thomas Luef

Frau Bundesministerin a. D. steht schon in den Startlöchern. Der Wahlkampf für die nächsten Nationalratswahlen kommt ins Rollen, sie ist Spitzenkandidatin der Volkspartei Steiermark und würde gern dort weitermachen, wo sie aufhören musste: als Frauen-, Familien- und Jugendministerin. Juliane Bogner-Strauß ist eine Frau mit Botschaften und Tatendrang. Klimaschutz und Nachhaltigkeit lebt sie auch privat; wann und wo es geht, fährt die in Graz-Andritz lebende Mutter von drei Kindern mit dem Rad. Aus Klimaschutz- oder aus sportlichen Gründen? „Ich bin vor allem Radlerin aus Bequemlichkeit“, antwortet sie pragmatisch. Weil man mit dem Rad keinen Parkplatz suchen muss und Graz zudem eine sehr gute Fahrradstadt sei, in der die Wege mit dem Rad oft flotter erledigt seien als mit dem Auto. „Wir reden so viel über Klimaschutz und Feinstaub, da sollte jeder darauf achten, wie er hier Gutes tun kann.“

Wer beginnt? Statt per Gesetz klimafreundliches und nachhaltiges Verhalten zu erzwingen, setzt die Politikerin auf Eigeninitiative. „Wir Eltern sind es, die die Kinder zu Selbstverantwortung erziehen müssen.“ Dazu gehöre etwa, den Kindern nach einer entsprechenden Eingewöhnung den Schulweg alleine zuzumuten, statt sie jeden Tag mit dem Auto in die Schule zu fahren, „noch dazu zahlt der Staat für alle Kinder Freifahrtstickets, das ist viel Geld.“ Regionale Lebensmittel kaufen, darauf schauen, dass man nicht zu viel CO2 in die Luft bläst, das Licht ausschalten – all das bringe viel im Kleinen, ist Bogner--Strauß überzeugt. Verbote sollten dort sein, wo die Gesundheit des Gegenübers gefährdet sei. Beim Rauchen brauche es ein solches, findet sie.

 

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Graz lässt sich von Andritz aus super „erradeln“, findet Juliane Bogner-Strauß. © Thomas Luef

Willkommen in der Zukunft. Damit lag Bogner-Strauß nicht gerade in der Regierungslinie. Dennoch findet sie, dass die Zusammenarbeit mit den meisten Personen der FPÖ gut gewesen sei und dass man in Summe viel erreicht habe. „Jetzt ist als neues Thema der Klimaschutz dazugekommen, wo die Politik Rahmenbedingungen schaffen muss.“ Über einen möglichen Koalitionspartner – sollte die ÖVP in die Situation kommen, die Wahl treffen zu müssen – möchte sie nicht spekulieren, es müsse jedenfalls eine Partei sein, die im bisherigen Tempo weiterarbeiten wolle. Ohne Stillstand, ohne Streit. Die Politikerin denkt gerne groß und möchte wichtige Fragen für die Zukunft schon jetzt beantworten können, etwa was die Wasserstofftechnologie betrifft, eine zukunftsweisende und ihrer Ansicht nach vielversprechende Lösung für viele Probleme. Österreich könne hier mit seiner Forschung einen wichtigen Beitrag leisten. „Man muss Visionen haben und handeln, nicht jammern und später feststellen, dass man die Bedingungen schon viel früher hätte schaffen müssen.“

 

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© Thomas Luef

Lieber gemeinsam. Nach fast zwei Jahren in der Politik erklärt die ehemalige Frauenministerin: „In der Wissenschaft zu arbeiten, hat mir immer Spaß gemacht. Wenn man Visionen hat und glaubt, etwas verbessern zu können, ist man in der Politik richtig, auch wenn es ein Knochenjob ist.“ Als Frau in der Politik zu punkten, fällt Bogner-Strauß nicht schwer. Angriffe, die es immer wieder gebe, drängen nicht mehr allzu tief, wenn sie auch einen gewissen Ärger nicht verhehlen kann, dass Frauen immer anders bewertet würden, „dass uns immer wieder Klischees und Stereotype untergejubelt werden und die Kleidung beurteilt wird. Oder dass man sich darüber lustig macht, wenn die Stimmlage bei Frauen nach oben geht, sobald sie aufgeregt sind.“ Verwundert ist sie, dass ihre Nachfolgerin nun viel mehr mediale Aufmerksamkeit erhält, um über Errungenschaften zu sprechen, die sie noch auf den Weg gebracht habe. „Es ist halt viel ideologisch gefärbt. Möglicherweise trauen manche Medien der ÖVP keine ordentliche Frauenpolitik zu.“ Dabei führe gerade bei diesen Themen nur eines zum Ziel: ein Zusammenhalt aller Frauen, quer über die Parteilinien, findet sie.

Gleichstellung. Als pragmatische Feministin bezeichnet sich die Ministerin a. D. selbst. Als Chefin der österreichischen VP-Frauen möchte sie Frauen ermuntern, sich über ihren Lebens- und Arbeitsplan sowie über das Thema Gleichstellung, sprich finanziell unabhängiges Leben, mehr Gedanken zu machen. Die Zahlen sprechen für sich: Von den kinderlosen Männern sind 12 Prozent teilzeitbeschäftigt, bei Vätern mit Kindern sind es nur sieben Prozent. Frauen mit Kindern unter 15 Jahren hingegen sind zu 75 Prozent Teilzeitkräfte. „In unserer Gesellschaft und Kultur ist nun einmal verankert, dass die unbezahlte Betreuung bei den Frauen hängenbleibt. Ich wäre hier für mehr Väterbeteiligung und Partnerschaftlichkeit sowie für automatisches Pensionssplitting.“ Auch hier appelliert sie an die Erziehung: Was Kinder zu Hause sähen, werde später zur Normalität. „Unser ältester Sohn ist 20 und wäscht, kocht, bügelt selbst. Ich denke, wir Frauen müssen lernen, loszulassen und zu akzeptieren, wenn der Partner die Hausarbeit anders verrichtet.“