Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 21.05.2019

Clowns im Lach-Einsatz

Wenn kleine Patienten für kurze Zeit ihre Krankheit vergessen und Kindern mit besonderen Bedürfnissen künstlerische Momente erlebbar gemacht werden, dann sind die Rote Nasen Clowns wieder unterwegs. Neu im Programm: die „Karawanen Küche“ made in Styria.

Bild 1905_ST_EM_Clowns.jpg
© Shutterstock

Wo anfangs noch verhaltene Neugierde vorherrschte, schallt bald lautes Lachen durch die Räume – das beste Zeichen für den erfolgreichen Start der „Rote Nasen Karawanen Küche“, die in der Landessonderschule Hirtenkloster in Graz Premiere feierte. Das Musiktheater, das speziell auf die Bedürfnisse von mental und mehrfach behinderten Kindern ausgerichtet ist, ist die Fortsetzung vom „Karawanen Orchester“, mit dem die Rote Nasen Clowns in den letzten Jahren durch heil- und sonderpädagogische Einrichtungen gezogen sind. Jetzt war es Zeit für etwas Neues. Und so hat sich das steirische „Rote Nasen“-Team rund um Regisseurin und Clownin Christina Scheutz und Projektleiter Hannes Urdl gleich selbst ans Entwickeln gemacht. Das neue Stück schafft noch mehr interaktive Elemente und wird von noch mehr Musik getragen. Ein unbeschreibliches Erlebnis, wie wir selbst live erleben durften.

Bereits seit 24 Jahren bringen Rote Nasen Clowns mit ihren regelmäßigen Besuchen Lachen in steirische Spitäler, Seniorenheime und Gesundheitseinrichtungen. 17 Clowns, 800 Einsätze pro Jahr, mehr als 38.000 kleine und große Patienten jährlich und viel Lachen zeigt die Bilanz. Warum Lachen gerade in schwierigen Zeiten so wichtig ist, wie Kinder mit besonderen Bedürfnissen durch künstlerische Impulse gefördert werden und was es bedeutet, als Clown unterwegs zu sein, erklärt Hannes Urdl, der seit fast drei Jahrzehnten als Spitalsclown „Gustav G. Wurl“ tätig ist.

Bild 1905_ST_EM_Clowns-1-6.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder
Bild 1905_ST_EM_Clowns-1.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder
Bild 1905_ST_EM_Clowns-3.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder

Was bedeutet für Sie Humor?
Hannes Urdl: Humor ist wie ein Paar Schwimmflügerl im Fluss des Lebens – er gibt Auftrieb, auch im Alltag.

Inwiefern, hilft das zum Beispiel Kindern, die im Krankenhaus sind?
Wenn wir kleine Patienten im Spital oder in ähnlichen Einrichtungen besuchen, wissen wir, dass wir ihre Situation nicht grundsätzlich verändern können. Wir können ja einen Bruch nicht heilen oder Krebs wegzaubern. Aber wir können wesentlich dazu beitragen, dass sie ihre Situation besser annehmen. Durch das Lachen kommen sie in einen Entspannungszustand – psychisch und körperlich. Dadurch glauben wir, die Selbstheilungskräfte besser aktivieren können.

Welche Methoden werden dafür verwendet?
Mit Lachen, Liedern, Zaubertricks oder einfach nur mit einfühlsamer Zuwendung bringen wir Momente des Glücks und eine neue Leichtigkeit. Angst und Schmerzen sind dann oft schnell vergessen, und zurück bleiben strahlende Gesichter und eine fröhliche Atmosphäre, was auch die zwischenmenschliche Kommunikation fördert.

Das heißt, Lachen verbindet.
Genau. Manchmal setze ich mich inkognito in Ambulanz-Warteräume, um zu beobachten, wie Leute auf die Rote Nasen reagieren. Da passiert dann Folgendes: Die Leute warten und schweigen. Dann kommen die Clowns. Nach dem Besuch der Clowns lachen die Leute, auch wenn die Clowns schon wieder weg sind. Sie reden plötzlich miteinander. Die Clowns haben das Eis gebrochen.

Wird es immer gut angenommen?
Manchmal sind die Leute sehr mit ihrer Krankheit und ihrer Situation beschäftigt. Wir müssen immer sehr respektvoll abchecken, ob es jemandem recht ist, er lieber aus der Ferne zuschauen oder keinen Kontakt will.

Bild 1905_ST_EM_Clowns-5.jpg
Das „Karawanen Küche“-Team: Regisseurin Christina Scheutz, Brösel (Jörn Heypke), Franz (Joe Hofbauer) und Django (Siruan Darbandi) mit dem künstlerischen Leiter Rote Nasen Steiermark, Hannes Urdl (v. l.). © Rote Nasen/Rudi Ferder
Bild 1905_ST_EM_Clowns-6.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder
Bild 1905_ST_EM_Clowns-8.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder

Beim neuen Clowntheater-Stück „Karawanen Küche“ sind Sie Projektleiter. Was ist der große Unterschied zu den „üblichen“ Rote-Nasen-Programmen?
Einer der großen Unterschiede ist, dass es ein Stück ist, eine Geschichte erzählt wird. Es gibt Kindern mit besonderen Bedürfnissen so viel Zeit, wie sie brauchen. Die Clowns − allesamt ausgebildete KünstlerInnen − sprechen die Kinder auf vielfältige Weise an: mit Musik, mit farbenfrohen Requisiten, vielen Geräuschen und natürlich auch mit dem Spiel und der Figur des Clowns.

Welche Geschichte erzählt das Stück?
Die Clowns versuchen sich als Köche und benötigen dabei die Hilfe der Kinder. Gemeinsam wird der Kessel aufgestellt und die Kinder vermischen all ihre Zutaten. Dabei wird viel Musik gemacht, mit allem, was die Küche so hergibt.

Was bewirkt es in den Kindern?
Es geht um eine Form der aufrichtig beherzten Zuwendung und des Kontaktes. Wir setzen künstlerische Impulse und nehmen die Impulse, die von den Kindern kommen, auf und – sind sie auch noch so klein und fein – verstärken sie und machen sie für alle hör- und sichtbar. Dahinter liegt dieses Ur-Erlebnis, wenn ein Baby zu seiner Mutter aufschaut und das Gefühl vermittelt bekommt: „Ich sehe dich, du bist nicht alleine auf der Welt.“

Ist es geplant, dass andere Rote-­Nasen-Gruppen das Stück übernehmen?
Es wurde schon großes Interesse bekundet, auch von internationaler Seite.

Wann vergeht Ihnen das Lachen?
Wenn Leute fad und langweilig sind. Das Leben ist doch so spannend.

Und worüber können Sie gut lachen?
Heinz Erhardt und Josef Hader.

Bild 1905_ST_EM_Clowns-1-4.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder
Bild 1905_ST_EM_Clowns-1-1.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder
Bild 1905_ST_EM_Clowns-1-5.jpg
© Rote Nasen/Rudi Ferder

SPENDENINFO

Rote Nasen Clowndoctors
Verein zur Unterstützung von kranken oder leidenden Menschen durch Humor und Lebensfreude

Der Verein wurde 1994 in Österreich gegründet. Von Österreich ausgehend gibt es Rote Nasen mittlerweile in Deutschland, Ungarn, Slowenien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Kroatien, Polen, Litauen und Palästina.

Wie alle Rote-Nasen-Programme wird auch das Clowntheater ausschließlich durch Spenden finanziert.

Spendenkonto:
IBAN: AT55 20111 82224146702
BIC: GIBAATWWXXX