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Lifestyle | 13.05.2019

Schöne an der Donau

Buda und Pest, dazwischen die Margareteninsel: Ungarns Hauptstadt bietet viel bewegte Historie, Erholungsräume, Spielflächen. Und Kürtöskalács. So viel Zeit muss auf einem Familientrip sein.

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© Shutterstock

Ich bin eine Wiederholungstäterin. Ich war schon einmal da. Aber erst jetzt weiß ich, dass die Ungarn der Legende nach vom Turulvogel abstammen, dass die Stadt nach London das älteste U-Bahn-Netz der Welt hat und eigentlich drei Parlamentsgebäude errichtet wurden. Der Grund: Caesar Eva vom Verband der ungarischen Gästeführer hat mich und meine Familie auf einem Wochenendtrip durch Budapest begleitet.  

 

Elke Jauk-Offner © privat

 


Empfangen wurden wir nach einer entschleunigenden Zugfahrt am Ostbahnhof. Dort, wo zur Eröffnung 1884 schon Kaiser Franz Josef und seine in Ungarn überaus beliebte Sisi – davon zeugen nicht zuletzt viele nach ihr benannte Orte sowie eine erst jüngst aufgestellte neue Statue – durch die Eingangshalle geschritten sind. Ob sie allerdings auch, so wie wir, mit Pogácsa empfangen wurden, ist mir nicht bekannt. Die salzigen Mini-Backwaren hatten es meinen Kindern Marie und Nils bald besonders angetan – nebst dem heißgeliebten Kürtöskalács. Der zimtige Duft des Baumkuchens begleitete uns durch die ganze Stadt. Gestärkt für die Tour durch die Stadt haben wir uns auch im Restaurant Gettó Gulyás im jüdischen Viertel, das eine Vielfalt an Gulyás-Variationen in einer lässigen Hipster-Atmosphäre bietet. Es befindet sich unweit der großen Synagoge, auf deren Gelände mit von Tony Curtis gestifteten Geldern ein Denkmal in Form einer Trauerweide errichtet worden ist, wie uns Eva Caesar erzählt. Der Holly­woodstar hatte ungarische Wurzeln.


Vielfalt

Gut besucht ist die Stadt an der Donau wohl immer, der Frühjahrsmarkt und das „Tavaszi Fesztivál“ hatten quer durch die Stadt zusätzlich Handwerk aus der Region, ungarische Musiker und kulinarische Spezialitäten in einer farbenfrohen Vielfalt versammelt. Dass sich ausgerechnet Shakespeare hier vor allerlei Handgemachtem verneigt, hat damit zu tun, dass die Statue am Donauufer zu Ehren von Nationaldichter János Arany aufgestellt wurde. Er hat einen Großteil der Shakespear’schen Werke ins Ungarische übersetzt. Von hier aus erblickt man auf der anderen Seite des Flusses unter anderem Burgberg, in dessen Innerem sich verzweigte Höhlensysteme befinden, die man auch besichtigen kann. An die zehn Kilometer an Korridoren sind es insgesamt, lässt uns Eva Caesar wissen – ein Labyrinth an Räumen erschaffen durch Heißwassertätigkeit, verbunden durch Menschenhand. Wir wechseln über die Kettenbrücke das Ufer nach Buda und nehmen den Elektrobus hinauf auf den Burgberg, wo sich unter anderem der königliche Palast, die Matthiaskirche und die Fischerbastei in alter Pracht präsentieren. Belohnt wird man auch mit dem wunderbaren Blick auf den Stadtteil Pest samt dem herrschaftlichen Parlament, das am Ufer thront. Mitten in der Donau hat sich die Margareteninsel Platz verschafft. Wir flanieren später durch weitläufige Parkanlagen, die für Einheimische wie Touristen eine 2,5 Kilometer lange und 500 Meter breite grüne Erholungsoase mitten in der Stadt sind. Unser Ziel: Palatinus-Strandbad. In der noch kühleren Jahreszeit taucht man hier zur Freude meines Nachwuchses ins wohlig-warme Thermalwasser ein, im Sommer tummeln sich in den 13 Outdoor- und Indoor-Becken und auf den Rutschenformationen in allen erdenklichen Steilheitsgraden Groß und Klein.

Impressionen
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© privat
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Unterwegs im Burgviertel auf der Budaer Seite: Die Matthiaskirche, die Reiterstatue von König Stephan I. und die Fischerbastei. Nicht im Bild: Kiosk für Kürtöskalács, der bei uns als Baumkuchen geläufig ist und die Tour durch die Stadt versüßt. © Shutterstock
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Redakteurin Elke Jauk-Offner mit Familie. © privat

Apropos

Eine Spiefläche für Junge und Junggebliebene bietet auch der Palast der Wunder. Gegründet wurde das Museum Csodák Palotája übrigens von Ernö Rubik, dem Erfinder des weltberühmten Zauberwürfels, erzählt uns unsere Stadtführerin. Bevor wir uns selbst an Newtons Experimenten versuchen, uns im Illusionsraum von Pablo Picasso verewigen  lassen und Magnetismus und Weltall kindgerecht unter die Lupe nehmen, kehren wir auf dem Weg dorthin noch bei Dávid Szakonyi ein. Er verbindet in seiner „Frankó Kitchen“ gekonnt Butterfisch-Ceviche mit Mango-Lassi und kombiniert im Risotto Karfiol mit Roter Beete, Erdbeeren  und Ziegenkäse zu einem harmonischen Gesamtwerk. Tags darauf flanieren wir in Pest über die zur Fashion Street ernannte Deák Ferenc utca, vorbei am Hotel The Ritz-Carlton, das früher die Polizeizentrale war, drehen eine Runde mit dem Riesenrad Budapest Eye, besuchen die St.-Stephans-Basilika und schlendern durch die Gassen. Mit der charmanten, gelben alten Straßenbahn, die die Ungarn selbst lieber früher als später durch modernere Wagen ersetzt hätten, fahren wir am Donauufer entlang zum prachtvollen Parlament. Hier klärt sich auf, warum es in Wahrheit mehr als ein Parlamentsgebäude gibt. „Ende des 19. Jahrhunderts wurden drei Entwürfe in die Endauswahl genommen, man konnte sich für keinen entscheiden. So hat man alle umgesetzt, die anderen Bauten sind heute das Ministerium für Landwirtschaft und der Justizpalast“, so Eva Caesar. Die Kosten waren schließlich so hoch, dass man eine Stadt für 100.000 Einwohner hätte errichten können, sagt man. Zeit für Schokolade und Dobostorte? Genau! Judit Bak führt uns gleich gegenüber durch das mit Liebe zum Detail ausgestattete Schokolademuseum der Familie Szamos, die sich nicht nur in der Marzipan-Fertigung einen Namen gemacht hat. Davon zeugt nicht zuletzt die lebensgroße historische Frauen-Figur aus 78 Kilo Mandelmasse, die heiße Schokolade serviert. Ein süßer Abschluss in jeder Hinsicht.


Meine Tipps

  1. Mit der Budapest Card benutzt man die öffentlichen Verkehrsmittel gratis, was sehr komfortabel ist, und erhält kostenfreien oder ermäßigten Eintritt bei vielen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen.
    www.budapest-card.com

  2. Der Verband der ungarischen Gästeführer hat mehrere hundert qualifizierte, staatlich geprüfte Reiseleiter mit offiziellem Ausweis. Von ihnen erfährt man Wissenswertes und Unbekanntes, nach Bedarf in 30 verschiedenen Sprachen.
    www.idegenvezetes.hu/de

  3. Auf der Margareteninsel (Margitsziget) relaxt man im Park, lauscht Wasserspielen, borgt Tretfahrzeuge aus. Das Palatinus-Strandbad (ermäßigter Eintritt mit Budapest Card) punktet mit Thermalwasser und Erlebniswelt.
    de.palatinusstrand.hu

  4. Im „Palast der Wunder“ Csodák Palotája erleben Kinder Wissenschaft auf spielerische Weise. Mit der Budapest Card haben Familien freien Eintritt. Unsere Kinder waren begeistert.
    www.csopa.hu/e


  5. Dinner im Urban Betyár unweit der St.-­Stephans-Basilika. Durch eine Glasfront kann man den Köchen zusehen und mit dem Glaslift ins untere Stockwerk fahren. Dort findet sich ein ethnografisches Museum. Das macht den Restaurantbesuch auch für Kinder kurzweilig. 
    www.urbanbetyar.com


    Weitere Restauranttipps:
    Gettó Gulyás: www.facebook.com/gettogulyas
    Frankó Kitchen: www.frankokitchen.hu

  6. Die Historie des Hotels Astoria reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, die herrschaftliche Herberge wurde in der heutigen Form 1914 erbaut und war schon Bühne für Literaten und Politiker genauso wie Filmkulisse. Superpraktisch: Die Metro-Station ist vor der Tür, zu Fuß ist es nicht weit in die Innenstadt.
    www.danubiushotels.com

  7. Süß, süßer, Schokolademuseum. Hier wartet auf Besucher eine kunterbunte Ausstellungswelt rund um Themen wie Kakaobohnen, heiße Schokolade und Marzipan – alles aus der Sammlung der Familie Szamos, deren Unternehmen es seit 1935 gibt. Restaurant, Konditorei und Museum.
    www.szamos.hu

 

Budapest-Info

Die Vereinigung der beiden Stadthälften Buda und Pest erfolgte 1873. Auf der östlichen, flachen Seite liegt Pest, auf der westlichen, bergigen Buda und Obuda.

Mehr als 1,7 Millionen Menschen leben in der Stadt an der Donau – und zwar in 23 Stadtbezirken. Geotektonisch gesehen liegt die Stadt auf einer Bruchstelle, daher ist besonders Buda so reich an Thermalquellen.

Neun Straßenbrücken führen über die Donau, darunter die Kettenbrücke, die Elisabethbrücke und die Freiheitsbrücke.

Fläche: 525,13 km2; Bevölkerungsdichte: 3.338 Einwohner/km2