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Lifestyle | 13.04.2019

London Calling

Seit nunmehr 16 Jahren ist London die Wahlheimat der Grazerin Romana Thibaut-Ayeni. Sie lebt und liebt ein multikurelles Leben zwischen Teatime und Pop Brixton – aber lieber ohne Brexit.

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© Shutterstock

In die Ferne gezogen hat es Romana Thibaut-Ayeni schon immer. „Ich fand Graz einfach ein wenig eindimensional und konservativ, besonders, wenn ich als Jugendliche in den Ferien mit ein paar modischen Prachtstücken aus dem Urlaub in London zurückgekommen bin. Ich erinnere mich da speziell an einen neongelben Hosenanzug, den ich mit einem Nietengürtel und metallblauem Nagellack getragen habe“, schmunzelt die Wahl-Londonerin. Es fehlte ihr an Internationalität in Bezug auf Menschen, Kulturen und Kulinarik, an Offenheit gegenüber anderen Lebensstilen, Denkweisen und Religionen. Vor 16 Jahren suchte sie sich daher einen Job in London. Sie begann damals im Customer Service und leitet heute die Abteilung für Digitale Strategie und Produktentwicklung bei einer internationalen Prüfungskommission für Englisch.

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© Romana Thibaut-Ayeni

Love for Multikulti. „Ich liebe koreanisches Essen, ghaneische Textildrucke und japanische Küchenutensilien. Und ich kann das hier alles problemlos innerhalb von 30 Minuten besorgen. Meine Freunde sind aus China, Singapore, den USA, der Karibik, Weißrussland und jedem anderen europäischen Land.“ Die 44-Jährige lebt mit ihrem Mann David, ihrem achtjährigen Sohn Béla und einem deutschen Aupair in London-Beckenham. „Béla geht auf eine katholische Privatschule – das hört sich schlimmer an, als es ist – und auf eine deutschsprachige Samstagsschule. Die Zweisprachigkeit ist mir extrem wichtig, so wichtig, dass ich mittlerweile sogar ehrenamtliche Direktorin an der Schule bin.“

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Zeitmanagement. Während sich die Jobsuche als relativ unkompliziert erwies – „mit der richtigen Einstellung und Flexibilität kann man hier auch als Geisteswissenschafter eine technische Karriere machen“ – erweist sich tatsächlich das Wetter als größere Herausforderung im Alltag. „Ich bin eigentlich keine Sonnenanbeterin, aber es regnet teilweise wirklich wochenlang, ganz schlimm ist es in Verbindung mit starkem Wind“, erzählt Tibaut-Ayeni.

Ihr Weg zur Arbeit ist mit 45 Minuten vergleichsweise komfortabel, Kollegen sind bis zu zwei Stunden im Zug unterwegs. „Wenn man abends ausgeht, macht man das deshalb in London auch gleich nach der Arbeit. Man nimmt sich sein Make-up und seine Ausgehschuhe einfach mit ins Büro.“ Wegen der langen Anreisewege zu Freunden und Wochenendaktivitäten ist Zeitmaximierung gefragt, „der Besuch eines Supermarktes gehört daher der Vergangenheit an“. So bleibt, neben Wochenendflügen in andere Städte, auch genügend Zeit für einen Ausflug nach Richmond beispielsweise, ein nobler Vorort mit schönen Pubs entlang der Themse, den man nach einer 30-minütigen U-Bahn-Fahrt erreicht. „Mit Kindern empfiehlt sich auch eine Tour durch die Chislehurst Caves, den von den Druiden gebauten Höhlen, die im zweiten Weltkrieg als Zufluchtsstätten genutzt wurden“, rät sie.
Und wie lebt es sich eigentlich mit dem Brexit? „Nach anfänglicher Aufruhr nervt und langweilt das Thema nur noch. Manche gehen nach wie vor zu Anti-Brexit-Demos, aber tagtäglich spricht man nur noch selten darüber. Ich schaue mir kaum mehr Brexit-Nachrichten an, ich checke nur noch den Wechselkurs.“

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London

  • Das heutige Verwaltungsgebiet mit insgesamt 33 Stadtbezirken entstand 1965 mit der Gründung von Greater London.
  • Mehr als 8,8 Millionen Menschen leben hier, davon rund 3,3 Millionen in den 13 Stadtbezirken Inner Londons. Die
  • Metropole ist die bevölkerungsreichste Stadt der EU.
  • Mit jährlich über 19 Millionen Touristen aus dem Ausland war London 2016 nach Bangkok die meistbesuchte Stadt weltweit.
  • Fläche: 1.572 km2 (Stadt), 8.382 km2 (Metropolregion)
  • Zeitunterschied zu MEZ: -1 Stunde
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London-Tipps

West End zum Shoppen vermeiden. Die meisten Ketten findet man auch in Graz, außer Topshop auf der Oxford Street. Bei Piccadilly gibt es den Dover Street Market aus der Feder von „Comme des Garcons“-Desginerin Rei Kawakubo – für Designerlabels im Stil einer Modern Art Gallery.

Lässige Viertel: Knightsbridge (Harvey Nichols und Harrods haben die Instagram-Kultmarken Huda Beauty und Fenty); Brixton (bunt, multikulti, trendig) – die beiden überdachten Märkte und Pop Brixton haben tolle Lokale und leistbare Shops.

Time out oder Condé Nast haben gute Afternoon-Tea-Tipps auf den Websites: klassisch mit Tees, alkoholisch mit Mar„tea“nis oder ausschweifend mit unlimitiertem Prosecco. Unbedingt vorbuchen!

Das Victoria & Albert Museum hat wunderbare Ausstellungen, man muss aber lange im Voraus Karten reservieren. Das Science Museum eignet sich gut für Kinder. Großer Andrang am Wochenende!

Ein Besuch bei den BBC Proms im Sommer ist weitaus günstiger als Tickets für das Royal Opera House. Allerdings: Wenn man sich etwas leisten will, dann das Opernhaus! Für Kinder gibt es  preiswertere Vorstellungen auf der Probebühne.

Manche gute Restaurants nehmen keine Reservierungen, man muss sich lange anstellen (z. B. El Pastor), bei anderen muss man lange vorher buchen (z. B. The Palomar, Sushisamba). Jay Rayners Tipps, Restaurantkritiker für den Guardian, googeln!

London Eye sollte man meiden (lange Wartezeit, teuer). Besser in Bars mit Traumaussicht gehen: Aqua Shard, Vertigo 42, Madisons.

Fährt man U-Bahn, merkt man gar nicht, wie nahe Plätze oft beieinander liegen. Bei den Stationen Embankment und Charing Cross zum Beispiel sind es nicht einmal 100 Meter.

Die Citymapper App herunterladen. Wo immer man hin will, Citymapper kennt alle Routen und sämtliche Transportvarianten.

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