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Lifestyle | 12.09.2018

Haltung bewahren

Eine ungesunde Körperhaltung, zu langes Sitzen und Starren auf Displays belasten die Wirbelsäule sehr. Daher: Beine auch mal auf den Tisch, Pausen zelebrieren, das Smartphone zeitweise verbannen.

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© Shutterstock

Vom Bett an den Frühstückstisch, vom Frühstückstisch zum Schreibtisch, vom Schreibtisch auf die Couch. Der Mensch verbringt heutzutage die meiste Zeit sitzend. Und das birgt ein ernsthaftes Problem: „Unser Körper ist einfach nicht dafür gebaut“, sagt Manuel Mrfka, Facharzt für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurg, und meint damit Bewegungslosigkeit. Die Folgen: Aufgrund der statischen Tätigkeit verkümmern die Muskeln, Fehlhaltungen entstehen und verursachen Schmerzen. „Die evolutionstechnische Entwicklung hat den aufrechten Gang ermöglicht und damit ist Bewegung gefordert“, betont der Fachmann.

„Beim Sitzen steigt die Belastung auf die Wirbelsäule und die Bandscheiben. In Studien wurde der dabei entstehende Druck auf die Bandscheibenfächer gemessen. Im Vergleich zum Stehen beträgt er in der Wirbelsäule 140 Prozent, beim nach vorne gebeugten Sitzen bauen die Wirbelvorderkanten einen Druck von bis zu 200 Prozent auf“, weiß Heimo Clar, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Und er hat drastische Zahlen: „Die Sterblichkeit steigt bei Menschen, die mehr als elf Stunden am Tag sitzen, im Vergleich zu jenen, die weniger als vier Stunden in dieser Position verharren, um 40 Prozent an.“ Die gute Nachricht ist: Bewegung hilft. Das beginnt schon mit kleinen Pausen, die man im Bürojob jede Stunde einlegt, um aufzustehen und herumzugehen, mit den Schultern zu kreisen, den Kopf zu beugen und zu drehen. „Die Muskeln werden so gelockert, die Durchblutung angeregt“, sagt Manuel Mrfka, der ­darauf hinweist, dass auch die Venen unter dem ständigen Sitzen leiden. Um das Übel möglichst gering zu halten, sollte die Sitzposition selbst aufrecht sein und immer wieder korrigiert werden. „Man kann auch einen Sitzkeil, der die Lendenwirbelsäule aufrichtet, verwenden. Dieser sollte unter das Gesäß alternierend alle 15 Minuten hinein- beziehungsweise herausgegeben werden“, rät Heimo Clar. Die Beine vorübergehend auf den Tisch zu legen, entlastet die Lendenwirbelsäule kurzzeitig wirkungsvoll.

 

Handynacken. Eine ständig geneigte Kopfhaltung belastet die Halswirbelsäule extrem. © Shutterstock


Wer viel auf sein Smartphone oder Tablet starrt, der riskiert nicht nur Verspannungen, die leicht nach vorne gebeugte Haltung des Kopfes führt langfristig zum sogenannten Handynacken. „Die Halswirbelsäulenregion wird durch diese unnatürliche Stellung überlastet“, erklärt Clar. Dauerhafte Schmerzen können die Folge sein, da wir 700 bis 1.400 Stunden pro Jahr auf kleine Displays blicken, „der Zusammenhang wird oft nicht erkannt“, so Clar. Die Folge: „Eine Streckfehlhaltung der Halswirbelsäule. Probleme wie diese haben in den letzten fünf bis acht Jahren massiv zugenommen“, bestätigt Manuel Mrfka. Im schlimmsten Fall kann eine Verkrümmung nur mehr chirurgisch behoben werden, die Zahl der Operationen hat sich vervielfacht. Der Rat: Handy zum Telefonieren nicht im Nacken einklemmen, Display auf Augenhöhe halten oder einfach öfter einmal zur Seite legen. Überaus problematisch für unseren Rücken ist auch falsches Heben. Hebt man 50 Kilo aus der Hocke an, wird die Lendenwirbelsäule mit rund 200 Kilo belastet. Mit nach vorne gebeugtem Oberkörper wirken dagegen bereits 700 Kilo auf die Lendenwirbel. Ein schmerzhaftes Hebetrauma kann die Folge sein.

Wenn Schmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen oder immer wiederkehren, sollte die Ursache bei einem Orthopäden abgeklärt werden. „Chronische Wirbelsäulenbeschwerden sind besonders hartnäckig und schwer zu therapieren“, betont Clar. Bringen konservative Therapien wie Physio-, Bewegungs- und Schmerztherapie über einen Zeitraum von zwei Monaten keine Besserung, sind weitgreifendere Maßnahmen erforderlich. Dringender Handlungsbedarf besteht bei plötzlich auftretenden Muskelschwächen in Armen oder Beinen, Kribbelparästhesien – im Volksmund als Ameisenlaufen bekannt – oder bei stärkerer Schmerzausstrahlung in Arme oder Beine. „Behandlungen chronischer Wirbelsäulenbeschwerden sind übrigens laut Studienlage deutlich erfolgreicher, wenn man die betroffenen Menschen auch auf der psychischen Ebene behandelt“, verweist Clar auf die Verbindung von Rückenschmerzen und Psyche. Schon der Volksmund sagt nicht umsonst: Man hat eine große Last zu tragen.