Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 09.09.2018

Evas Paradies

Kraftort, Biobauernhof, Rückzugsort sowie Ort der Begegnung und Evas Paradies: der Weiberhof. Jener Ort in der Südsteiermark, wo Frauen auf ihre Weise Ferien ­machen. Ein Besuch.

Fotos: © Thomas Luef, Weiberhof

Bild 1809_ST_FR_Weiberhof-2.jpg
Ein eingespieltes Weiberhof-Team: Erika Hütter (l.) und Nina Riess.

Schlangenförmig zieht die schmale Straße ihre geschwungenen Linien in sattes Grün, das von Streuobstwiesen und alten Bauernhöfen gesäumt das Bild der steirischen Toskana zeichnet. Während sich kniehohe Grashalme andächtig im Wind neigen, steht man selbst in einem Meer aus Grün und lässt seine Gedanken vom monotonen Rauschen der Halme und vom Zirpen der Grillen nach und nach davontragen. Das meint Urlaub. Das ist übrigens auch das Credo des Frauenferienhofs „Weiberhof“ in Großklein. Ein alter Haufenhof aus dem Jahre 1859, bestehend aus zwei Wohn- und zwei Stallhäusern, der in der Idylle eingebettet ursprünglich herausragt.

Und ja, er ist schon ein besonderer Ort, dieser Weiberhof, wo maximal acht Frauen ganz unter sich sein können. Zusammen mit Eselin Jade oder Hündin Ronja. Hierher kommen Frauen alleine und gehen mit so viel mehr wieder nach Hause. Mit reichlich Selbstfindung etwa oder mit einer völlig neuen Fähigkeit wie Malen oder Bogenschießen. Aber in jeder Hinsicht mit mehr Energie. „In erster Linie kommen Frauen zu uns, die eine Auszeit von ihren Alltagspflichten brauchen und Selbstfindung auf neue Weise erfahren möchten“, erzählt Erika Hütter, die zusammen mit Nina Riess vor genau 15 Jahren den Weiberhof in der Südsteiermark gründete. „Zwar bieten wir unterschiedliche Workshops, Bogenschule oder Kunsttherapien an, dennoch steht hier das Nichtstun an erster Stelle. Das Sein gänzlich wahrnehmen und genießen.“ Leichter gesagt als getan, wenn frau aus dem Hamsterrad des Alltags direkt in das ruhige Hinterland der Steiermark eintaucht. Wie das geht, zeigen Erika und Nina allerdings ganz ohne viel darüber erzählen zu müssen. Vielmehr erfühlen ihre Gäste gleich nach Ankunft, worauf es hier tatsächlich ankommt, und ergeben sich dem entschleunigten Landleben. Zur Ruhe kommen, sich selbst wieder im Jetzt spüren und neuen Erfahrungen gegenüber offen sein – dieser Reihenfolge nach. Hilfreiche Verbündete, wie so oft, sind hierbei Hoftiere wie Esel, Lamas, Hühner und Hunde, mit denen man ungefragt Zeit verbringen darf, wer will, hilft sogar bei der Stallarbeit mit. Tierische Therapie also inklusive. Sonst schwingt verführerisch die eine oder andere Hängematte oder Schaukel an Ästen. Und wer ihnen nachgibt, der lässt wahrlich seine Seele unter strahlend blauem Himmel baumeln. So fängt der Urlaub für jede Besucherin am Frauenhof an. Ausnahmslos. Weiter geht er mit Workshops, Wanderungen und Naturerkundungen, wer möchte. „Wir bieten neben Bogenschießen auch spannende Workshops an. Zum Beispiel die Wollwoche, wo Frauen, die gerne mit Wolle arbeiten, sich auf das Handwerk neu einlassen können. Beliebt sind genauso unsere Atelierwochen, wo intensiv gemalt wird“, schwärmt Erika Hütter, die selbst Kurse leitet. Hier sollen Frauen wieder sie selbst sein. Und genau das ist das Lebenswerk von Erika und Nina – eine Oase nur für Frauen.

Bild 1809_ST_FR_Weiberhof-1.jpg
Seit mittlerweile 15 Jahren ist am Weiberhof in Großklein das Frausein Programm.

Ein Kraftort für SIE. Damals habe der Ort sie gefunden. „Die Idee kam bei einem Urlaub auf einem Frauenferienhof in der Toskana. Wir suchten einen geeigneten Hof für unsere Idee und wo wir selbst gerne leben würden, nur mit Apfel- statt Olivenbäumen“, erinnert sich Nina Riess. Wiedergefunden haben sie sich per Zufall in der steirischen Toskana. Schicksal, denn dieser Job heute sei Berufung wie persönliche Lebensaufgabe gleichermaßen. Es fehlte bloß der passende Ort, den sie zum Kraftort für Frauen machen würden. Heute, nach 15 Jahren, ist es ihnen gelungen, ihr Werk selbst auch ab und zu genießen zu können. „In den ersten drei Jahren haben wir den Hof ausschließlich revitalisiert und nach unseren Vorstellungen aufgebaut, ohne den ursprünglichen Charakter zu verändern. Das war reine Arbeit“, so Nina, die zusammen mit Erika im Haupthaus des Hofes wohnt und mitunter den gesamten Weiberhof in Schuss hält. Daraus ist nach und nach ein aktiver Biobauernhof mit Sinnfindung geworden. Offen für Frauen jeden Alters.

Bild 1809_ST_FR_Weiberhof-5.jpg
Die Seele baumeln lassen und eins mit sich und der Natur sein!

Im Einklang mit der Natur. Wir spazieren zur alten Kiefer, die hinter dem Weiberhof auf der Wiese steht. Ein über 100 Jahre alter Baum, der wie ein einsamer Wächter das scheinbare Tor zur restlichen Landschaft hütet. Von hier aus weitet sich das Blickfeld und die steirische Region zeigt, was sie kann, in all ihrer Schönheit. Hier, wo Erika jeden Morgen ihre Tai-Chi-Übungen praktiziert, atmen wir gemeinsam durch und lachen. Lachen geht an so einem Ort übrigens ganz automatisch. „An diesem Baum befindet sich ein nachgewiesener messbarer Energiepunkt. Er soll ziemlich hohe Werte haben“, verraten Erika und Nina. „Kraftort“ meinen die einen, „Wie damals bei Oma“ erzählen die anderen, wieder andere sind verzaubert von all der Fülle, die sie hier vorfinden, und dann gibt es noch jene, die darüber staunen, was in und an einem Bauernhof so alles möglich ist. Stimmt!

Der Weiberhof
Bild 1809_ST_FR_Weiberhof-8.jpg
Tiere sind immer mit dabei: Eselin Jade mit den Weiberhof-Gründerinnen.
Bild 1809_ST_FR_Weiberhof-4.jpg
Wach- und Schmuse-Hündin Ronja heißt alle Gäste willkommen.